Hahnemann "Die chronischen Krankheiten", Band II,
S. 1
"Von diesem stinkendem Pilze .... nimmt man, wenn er vorsichtig getrocknet
worden, einen, vom frischen aber, zwei Gran ..."
Toxikologie
Bei Vergiftungen mit dem Fliegenpilz treten nach 1/2 bis 2 Stunden
Rauschzustände, wie nach übermäßigem Alkoholgenuß,
mit heiterer, manischer Erregung oder auch seltener melancholischer Natur,
Gliederkrämpfe, Speichelfluß, Brustbeklemmung und Atemnot, Krämpfe
in der Schlundmuskulatur, Durst, Erbrechen und Koliken, stärkste Durchfälle
und Pupillenverengung, zum Teil auch Pupillenerweiterung auf. Auf dieses
Erregungs- und Krampfstadium folgt ein narkoseähnliches Lähmungsstadium,
in dem bei tiefem Koma ein Kreislaufkollaps (Blutdrucksenkung, sehr frequenter,
unregelmäßiger Puls, kühle, blasse Haut) und der Tod eintreten
kann. Der Tod kann in den ersten 24 Stunden eintreten, meist tritt jedoch
schon am 2 . Tag eine rasche Wiederherstellung ein. Der Giftgehalt des
Fliegenpilzes scheint sehr wechselnd zu sein, wodurch es zu erklären
ist, daß der Fliegenpilz in manchen Gegenden als eßbar gilt.
Das Abziehen der Oberhaut, welches dabei gepflegt wird, kann für die
Ungiftigkeit keine Erklärung geben, da das Gift nicht nur in dieser
sitzt. Manche Völker Sibiriens verwenden den Fliegenpilz zur Berauschung.
Beim fein toxikologischen Versuch der Arzneimittelprüfung und bei
den Vergiftungen wird eine steigende Lustigkeit mit ungewöhnlichen
Körperkräften und geistigen Kräften beobachtet mit Schwindel
und Sehnenhüpfen (Zucken der Muskeln). Die Motorik der willkürlichen
Muskulatur und die zeitliche Aneinanderreihung der Bewegungsimpulse koordinierter
Bewegungen werden in deutlicher Weise gestört in der Art, wie wir
es bei der Chorea minor beobachten, für die Agaricus ein Hauptmittel
ist. Schielen der Augen, Nystagmus, Schreibkrampf und ähnliche Bewegungsstörungen
stellen ein Indikationsgebiet des Fliegenpilzes dar. Zuckungen und Sehnenhüpfen
zeigen sich im Gesicht und an anderen Teilen; daher die bewährte Verwendung
bei Tic.