Agnus castus

Agn-c.

Keuschbaum,Keuschlamm

immergrüne Holzgewächse der Verbenaceen, vorzüglich der im Mittelmerraum heimische gemeine
Keuschbaum, Abrahamsstrauch, Mönchspfeffer oder Müllen, Vitex agnus castus L.
 
 
 

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Neue Forschungen zum Mönchspfeffer
Fortschritte in der phytotherapeutischen Forschung mit Agni casti fructus

Prüfung: Hahnemann, Archive, 10, 1, 178

Neue Forschungen zum Mönchspfeffer

In diesem Jahr wurde der A. Vogel-Preis zum zweitenmal verliehen. Der Preisträger heisst Dr. Daniel Berger, kommt aus Basel und hat in seiner Doktorarbeit die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit eines Mönchspfeffer-Extraktes beim prämenstruellen Syndrom untersucht.

Der junge Forscher, dessen Bürgerort Linden (BE) ist und der seine Jugend bis zur Matura in St. Gallen verbrachte, betrachtet heute Basel als seine Heimat, denn dort hat er in den letzten zehn Jahren gelebt, das Studium der Pharmazie abgeschlossen und 1993 das Staatsexamen zum eidgenössisch diplomierten Apotheker bestanden. Bis Ende 1997 arbeitet er vier Jahre lang nicht nur als Assistent am Pharmazeutischen Institut der Uni Basel, sondern kümmerte sich, wie das üblich ist, gleichzeitig um seine Doktorarbeit mit dem Titel: Vitex agnus-castus: Unbedenklichkeit und Wirksamkeit beim prämenstruellenSyndrom.Wirkmechanismen und Wirkprinzipien eines neu entwickelten Extraktes. Die Dissertation entstand im Fachbereich Pharmazeutische Biologie. Sein Doktorvater war Prof. Dr. W. Schaffner, der sich einen Ruf als verdienstvoller Förderer vieler Forschungsarbeiten zum Thema Phytotherapie erworben hat.
 

Das Krankheitsbild …

Zahllose Frauen sind jeden Monat durch Beschwerden wie Kopfschmerzen, Unterleibsbeschwerden, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen in ihrer Lebensfreude und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Jede dritte Frau zwischen Menarche (Eintritt der Regelblutung) und Menopause kennt verschiedenste Symptome, die unter der Bezeichnung Prämenstruelles Syndrom zusammengefasst werden, und die oft in der zweiten Zyklushälfte das Leben erschweren. Bisher existieren keine Therapien, die in solchen Fällen uneingeschränkt empfohlen werden können, und auch aus dem Bereich der synthetischen Arzneimittel fehlen echte Alternativen.

(Anm.des Veröffentlichers: Das stimmt nicht, als die Fa. Madaus schon seit Jahren ein entspr. Präparat auf dem Markt hat !)
 

… und der Mönchspfeffer (Vitex agnus castus)

In der traditionellen Medizin und verstärkt in den letzten zehn Jahren wurden die Früchte der Mittelmeerpflanze Vitex agnus castus, auch Mönchspfeffer oder Keuschlamm genannt, zur Linderung der Beschwerden vor der Menstruation eingesetzt.
Während in Deutschland Zubereitungen aus Vitex agnus castus zu den führenden Pflanzenheilmitteln gehören, ist die Pflanze in der Schweiz verhältnismässig unbekannt. Als Laie könnte man sich fragen, weshalb eine Pflanze, die in einem Land recht gut dokumentiert ist, in einem anderen Land für ein neu entwickeltes Produkt wieder untersucht werden muss. Dr. Berger erklärt das so: In der Phytotherapie sind immer neue Untersuchungen notwendig, weil man nicht eins : eins von einem auf ein anderes Präparat schliessen darf. Denn der Nachweis der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ist immer abhängig vom Pflanzenmaterial, von Trocknungsvorgängen, der Extraktionsart und der Herstellungsweise.

Tüftelei im Labor und Betreuung von Patientinnen

Also hat Dr. Berger 43 junge Patientinnen untersucht, die unter monatlich wiederauftretenden Beschwerden wie Reizbarkeit, Hautproblemen, Überempfindlichkeit, Brustspannungen und erhöhtem Appetit litten. Die Beobachtungen, Untersuchungen und Befragungen erstreckten sich über sechs Monate, und es stellte sich heraus, dass bei etwa zwei Dritteln der Patientinnen während der Einnahme des Mönchspfeffer-Medikaments die Beschwerden abnahmen. Die Studie ergab auch, dass nach Absetzen des Präparates wieder eine deutliche Verschlechterung eintrat. Schliesslich konnte durch diese Anwendungsbeobachtung (kontrollierte klinische Studie) und zusätzliche pharmakologische Experimente der Nachweis erbracht werden, dass die Früchte des Mönchspfeffers heilend wirken und der Extrakt des neu entwickelten Medikaments ohne Bedenken eingenommen werden kann.
Die pharmakologische Beweiskette aufzuzeigen, würde hier den Rahmen sprengen. Immerhin kann man festhalten, dass in dem Pflanzenmaterial nicht eine Substanz allein wirkt, sondern dass sich die einzelnen Inhaltsstoffe gegenseitig so beeinflussen, dass die Wirkung insgesamt gesteigert wird. Dazu Dr. Berger: "Da sehe ich den Vorteil der Phytotherapie. Man hat die ganze Palette der Stoffe und alle wirken auf ihre Art. Aber zusammen wirken sie eben noch besser. Wie andere Untersuchungen, gibt auch meine Studie einen Hinweis darauf, dass in der Pflanzenheilkunde fünf einzelne Stoffe nicht den fünffachen Effekt ausmachen, sondern den, sagen wir, fünfzigfachen";

(...)
Der untersuchte Extrakt aus den Früchten des Mönchspfeffers hat eine positive Wirkung auf die zahlreichen Beschwerden, unter denen viele Frauen vor der Menstruation leiden.

  Dr. phil. II Daniel Berger, 30, sportlich und sprachgewandt, interessiert sich neben seinem Beruf für Schwimmen, Tennis, Badmington, Film, Wandern, Natur, Wein und Reisen. Das erste Berufsjahr in der freien Wirtschaft verschaffte ihm die Möglichkeit, eine Reise nach Zentralamerika zu realisieren.


Fortschritte in der phytotherapeutischen Forschung mit Agni casti fructus

(aus einer Einladung zum Workshop zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. W. Schaffner, Universität Basel, Freitag, 20. November 1998)

ETH Zürich
Departement Pharmazie
Winterthurerstrasse 190
CH-8057 Zürich

Leitung und Organisation
PD Dr. G. Abel, Bionorica Arzneimittel GmbH und Universität Erlangen Prof. Dr. B. Meier, Zeller AG und ETH Zürich, Abteilung für Pharmazie Prof. Dr. O. Sticher, ETH Zürich, Departement Pharmazie

Veranstalter
ETH Zürich, Departement und Abteilung für Pharmazie Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung GA Schweizerische Gesellschaft der Pharmazeutischen Wissenschaften SGPhW Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie SMGP
Die Anwendungsgebiete für Arzneipflanzenpräparate aus Früchten von Vitex agnus castus L. wurden seinerzeit auf der Basis des vorliegenden Erkenntnismaterials von der Kommission E des damaligen deutschen Bundesgesundheitsamtes festgelegt. Diese Monographie vermochte während langer Zeit die Forschung rund um die Droge und ihre Zubereitungen nicht sonderlich zu stimulieren. Das hat sich nun geändert, indem an der Universität Basel und an der ETH Zürich zwei Dissertationen neuen Erkenntnisgewinn gebracht haben. Diese und die Forschungsergebnisse der Firmen Bionorica und Zeller wurden an einem Workshop an der ETH in Zürich vorgestellt. Der Workshop fand anlässlich des 60. Geburtstages von Prof Dr Willi Schaffner, Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Biologie an der Universität Basel, statt.
Von den durch die Kommission E in der revidierten Monographie vom 27. Oktober festgelegten Anwendungsgebieten Regeltempoanomalien, prämenstruelle Beschwerden und Mastodynie ist letzteres durch eine Reihe von Anwendungsbeobachtungen und zwei nach neusten Richtlinien der GCP durchgeführten, klinischen Doppelblindstudien am besten belegt. Innerhalb von drei Zyklen reduzierten sich die Brustschmerzen nach Einnahme von Mastodynon® trotz hoher Ansprechrate in der Placebogruppe gegenüber dieser signifikant. Die flüssige Form führte gegenüber der festen Form zu einem etwas schnelleren Wirkungseintritt, insgesamt waren aber beide Zubereitungen gleich wirksam. Regulierend wirkte Mastodynon® ebenso wie Strotan® bei erhöhten Prolaktinwerten. Dies in ähnlichem Ausmass wie der synthetische Arzneistoff Bromocriptin. Erhöhte Prolaktinwerte führen insbesondere zu den Beschwerden der Mastodynie. Auch bei Zyklusstörungen (Regeltempoanomalien) konnten in aus der Literatur bereits bekannten Arbeiten mit Mastodynon klinisch belegte Erfolge registriert werden.

Behandlung des prämenstruellen Syndroms

Weniger gut dokumentiert war bisher die Anwendung von Zubereitungen aus Agni casti fructus beim prämenstruellen Syndrom (PMS), wobei diesem in der Anwendungspraxis wohl die grösste Bedeutung zukommt, zumal keine der medikamentösen Therapien mit synthetischen Arzneistoffen allgemein anerkannt wird. Die Prävalenz des PMS ist, das ergab eine mit Pharmaziestudentinnen durchgeführte Studie in Basel, mit 70% an einem jungen, medizinisch interessierten Kollektiv mit hohem Bildungsniveau erstaunlich hoch. Dies unabhängig davon, ob orale Kontrazeptiva eingenommen wurden oder nicht. Dabei unterschied sich das Spektrum der Symptome: Psychische Beschwerden dominierten bei Frauen mit Kontrazeption, während ohne orale Kontrazeption physische Beschwerden häufiger genannt wurden. Knapp die Hälfte der Befragten erachtete es als notwendig, die Beschwerden zu behandeln. Schmerzmittel wurden zur Behandlung am häufigsten eingesetzt, Arzneitees und Phytopharmaka sind offensichtlich nur wenig bekannt und werden nur selten verwendet. Dabei ist allerdings zu beachten, dass in der Schweiz, anders als in Deutschland, der Mönchspfeffer als Phytopharmakon noch nahezu unbekannt ist. Eine ausgedehnte, erstmals vorgestellte, nach GCP-Richtlininen durchgeführte, prospekive Anwendungsbeobachtung mit dem ethanolischen Extrakt (60% m/m) Ze440 an 43 Patientinnen führte zu interessanten Ergebnissen. Mit verschiedenen, validierten, prospektiv erfassten Fragebogen konnte eine statistisch signifikante Abnahme der Beschwerden von im Durchschnitt annährend 50% während einer dreimonatigen Medikationsphase festgestellt werden. Dieselben Beschwerden haben sich vorher in einer zweimonatigen Run-In-Phase nicht verändert. Die Reduktion der Beschwerden während der Medikation war kontinuierlich. Die meisten Beschwerden nahmen innerhalb von drei Monaten in der Nachkontrollphase ohne Medikaton wieder zu. Bei knapp zwei Dritteln der Patientinnen reduzierten sich die aufgezeichneten Beschwerdescores um mehr als 50%, was als klinisch relevant betrachtet wird. Deutlich gebessert werden konnten mit der Zubereitung emotionale Beschwerden, Veränderungen im Verhalten und Unterleibsbeschwerden. Die Verträglichkeit wurde generell als gut beurteilt. Die von den Patientinnen gemeldeten unerwünschten Ereignisse wurden als schwach eingestuft und traten nur kurzzeitig vor allem am Anfang der Therapie auf. Die meisten der genannten Symptome gehörten zum Komplex des prämenstruellen Syndroms. Noch steht der Wirkungsnachweis mit einer kontrollierten, klinischen Studie aus, die Evidenz der vorgelegten Studie darf jedoch als beachtlich bezeichnet werden.

Dopaminerge Wirkung: Aktive Inhaltsstoffe

Pharmakologisch ist die dopaminerge Wirkung von Agni casti fructus-Extrakten schon seit längerer Zeit bekannt. Unter Stress stiegen in vivo bei Ratten die von Nervenzellen des Dopaminsystems regulierten Prolaktinspiegel bei den mit Agni casti fructus-Extrakt behandelten Tieren deutlich schwächer an als bei der Kontrollgruppe. An Hypophysenzellkulturen verminderten dieselben Extrakte sowohl die basale als auch die durch thyreoides Hormon stimulierte Prolaktinsekretion signifikant. Der Effekt wird durch Dopaminagonisten wie Haloperidol aufgehoben. Aus diesen und weiteren Versuchen wurde geschlossen, dass Bestandteile des Extraktes an den Dopamin-D2-Rezeptor binden. Das Wirkprinzip wurde vorerst in der hydrophilen Phase gesucht. Dort liessen sich jedoch nur schwache und wenig stabile Aktivitäten finden. Beachtliche Verdrängungsraten von 3H-Spiroperidol am Dopamin-D2-Rezeptor zeigten in jüngsten Untersuchungen neu isolierte lipophile Diterpene, so unter anderem Rotundifuran und 6beta,7beta-Diacetoxy-13-hydroxy-labda-8,14-dien. Obwohl die Verbindungen in der Summe in einem Konzentrationsbereich von <5% in den geprüften Extrakten Ze440 enthalten waren, zeigte keine der Substanzen eine grössere Aktivität als die Gesamtextrakte. Die IC50-Werte lagen für Extrakte und Reinstoffe zwischen 30 und 80 µg/ml. Interessanterweise wurden sehr ähnliche Beobachtungen in den Kooperationen des Kompetenzzentrums Pharmazie der Universität Basel (pharmakologische Prüfungen) und der ETH Zürich (Analytik und Isolierung der Diterpene) als auch der Universität Göttingen mit der Firma Bionorica gemacht. Zytotoxische Wirkungen durch den Extrakt wurden nicht beobachtet. Die Wirksamkeit von Agni casti fructus Extrakten kann über die dopaminerge Aktivität zufriedenstellend begründet werden. Erhöhte Prolaktinspiegel bzw. eine latente Hyperprolaktinämie hat pathologische Bedeutung. Für Zyklustempoanomalien wie sekundäre Amenorrhoe, Oligomenorrhoe, Polymenorrhoe infolge Corpus-luteum-Insuffizienz, anovulatorische Zyklen und damit verbundene Galaktorrhoe sowie die zyklisch auftretende Mastodynie stellt eine Hyperprolaktinämie eine der häufigsten Ursachen dar. Da sich auch im Zentralnervensystem dopaminerge Systeme (das nigrostriatale System regelt extrapyramidale Motorik, das mesolimbische System steuert Emotionen) befinden, sind auch positive Wirkungen beim prämenstruellen Syndrom mit seinen typischen psychischen, motorischen und somatischen Symptomen erklärbar, obwohl dessen Ätiopathogenese noch nicht geklärt ist.

Aktivität an Opioid-Rezeptoren

In letzter Zeit hat sich gezeigt, dass Phytopharmaka im allgemeinen die Potenz haben nicht nur einen, sondern gleich mehrere biochemische Prozesse beieinflussen zu können. Da dürfte der Möchspfeffer keine Ausnahme sein. An der Universität Basel (Pharmazie) wurde die Aktivität verschiedener Extrakte und Extraktfraktionen unter anderem an Opioid- Rezeptoren untersucht. Dabei wurden an den µ- und kappa-Rezeptoren des Systems mit IC50-Werten von <50 µg/ml für Ze440 sowie für methanolische Extrakte und verschiedene Fraktionen beachtliche Hemmungen der Bindung der zu verdrängenden Radioliganden gemessen. Diese Aktivitäten weiter zu verfolgen ist insofern von Interesse, als bei Frauen, die am prämenstruellen Syndrom leiden, beobachtet werden konnte, dass der Abfall des Oestrogens und des Progesterons in der spätlutealen Phase mit einer übermässig starken Konzentrationsabnahme des zentralen Endorphins verbunden ist. Diese abrupte Abnahme führt zu Symptomen, die jenen, die nach einem Morphinentzug bei Opiatabhängigen beobachtet werden können, gleichen und ähnlich beim prämenstruellen Syndrom beobachtet werden können (Stimmungslabilität, Kopfschmerzen, Wasserretention).

Pharmazeutische Qualität

Zur Charakterisierung von Agni casti fructus-Extrakten wurden bisher verschiedene Substanzen verwendet. Im HPLC-Fingerprintchromatogramm dominieren die Peaks von p-Hydroxybenzoesäure (PHBA), Isoorientin, Agnusid und Casticin. Die Bedeutung von Casticin als Leitsubstanz ist durch die Beobachtung, dass pharmakologisch aktive Substanzen in den lipophilen Extraktfraktionen stecken, gestiegen. Casticin ist von den aufgezählten Substanzen die lipophilste. Als mehrfach methyliertes und nicht glycosidiertes Flavonol weist es ein für diese Substanzklasse typisches UV-Spektrum auf, dank dem quantitative Messungen selektiv vorgenommen werden können. Die Konzentration an Casticin in der Droge liegt bei ca. 0,2%, was bei Tagesdosen von 40 mg Droge, wie sie von der Kommission E vorgegeben sind, zu einer Dosierung von bestenfalls 80 µg täglich führt. Je nach Arzneiform reduziert sich diese Menge pro Dosis. Analytische Probleme bei der chargenspezifischen Kontrolle sind die Folge. Diese treten insbesondere dann auf, wenn bezüglich Dosierung dieser Leitsubstanzen Zulassungsrichtlinien eingehalten werden müssen, die sich an synthetischen Arzneimitteln orientieren, in denen Dosierungen von 1 mg und weniger eine Seltenheit sind. Das Plenum war sich einig, dass mit nicht adäquater Umsetzung von Richtlinien Phytopharmaka offiziell zwar akzeptiert, Zulassungsanträge an formalen Hindernissen jedoch zum Scheitern verurteilt werden können, weil an die Präzision der Analytik Anforderungen gestellt werden, welche diese nicht zu leisten vermag. Das vorgestellte Verfahren zur Bestimmung von Diterpenen ist noch nicht so weit entwickelt, als dass es schon standardmässig zur Charakterisierung von Extrakten verlangt werden könnte. Insbesondere sind die nötigen Referenzsubstanzen derzeit nicht in den nötigen Mengen verfügbar. Der Fingerprint der getrockneten Mönchspfeffer-Früchte kann ein sehr unterschiedliches Bild zeigen. Es gibt Drogen in denen Casticin dominiert, in anderen fällt der Agnusid-Peak besonders auf. Korrelationen im Verhältnis der analysierten Inhaltsstoffe konnten bisher keine beobachtet werden, sodass das Ausgangsmaterial je nach ausgewählter Leitsubstanz definiert werden muss. Die Früchte zeigen zudem recht grosse Unterschiede im Extraktivstoffgehalt, sodass es schwierig ist, das in der Phytotherapie in Dosierungsfragen beliebte Drogen-Extraktverhältnis beizuziehen. Da die Droge erst während der letzten drei Jahre phytochemisch wieder vermehrt untersucht wurde, liegen noch keine Daten vor, ob die Differenzen zum Beispiel von der mehr oder weniger grossen Akkumulation von Reservestoffen in den Früchten abhängt. Für die Zubereitung von Trockenextrakten ist es jedenfalls von Vorteil den Extraktivstoffgehalt in die Spezifikation für die Droge aufzunehmen.

Anbau: Erste Erfahrungen

Zum Anbau der Pflanze Vitex agnus castus liegen in der Literatur bisher praktisch keine Angaben vor. Problematisch ist die Reifung der Früchte, kann doch am selben Fruchtstand ein eigentlicher Reifegradient beobachtet werden. Die reifen Früchte fallen jeweils rasch ab. Es ist deshalb von Vorteil, die Fruchtstände vor der Reifung der ersten Früchte zu ernten. Nach bisherigen Erkenntnissen führt die Nacherntereifung zu keinen Veränderungen in den chromatographischen Fingerprints, die auf der Stufe der Droge auch das etherische Oel umfassen. Der mit 100 interessierten Teilnehmern schon Wochen vor dem Termin ausgebuchte Workshop an der ETH in Zürich machte deutlich, dass der während der letzten Monate erfolgte Erkenntnisgewinn zum Phytopharmakon Agni casti fructus sowohl klinisch als auch pharmakologisch beachtlich ist. Parallel hat sich auch die phytochemische Datenlage deutlich verbessert, wobei sich die Droge in die Reihe von Baldrian, Hopfen, Johanniskraut und anderen stellt, die keinen eindeutigen Wirkstoff preis geben wollen. Der Extrakt bleibt damit der Wirkstoff.Prof Dr Beat Meier, RomanshornWorkshop Agni casti fructus - Pharmazeutische Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit am 20. November an der ETH in Zürich. Organisation: ETH Zürich, Departement Pharmazie, Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung (GA), Schweizerische Gesellschaft für Pharmazeutische Wissenschaften (SGPhW), Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP). Nach Referaten von PD Dr. G. Abel, Neumarkt, Dr. D. Berger, Basel, R. Bruggisser, Basel, I. Göhler, Neumarkt, Dr. Ch. Gorkow, Neumarkt, E. Hoberg, Zürich, Prof. Dr. H. Jarry, Göttingen, Prof Dr. B. Meier, Romanshorn und Prof Dr. W. Wuttke, Göttingen.



Homöopathisches Labor Gudjons - Höfatsweg 21 - D-86391 Stadtbergen-Deuringen
Tel.: +49 821 4447877 - Fax: +49 821 438444 - www.gudjons.com - info@gudjons.com



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