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Hier will ich bloß vom Golde reden, und zwar nicht von dem durch
gewöhnliche chemische Veranstaltungen verändertem Golde, also
weder von dem durch Säuren aufgelöseten, noch von dem durch Niederschlag
wieder geschiedenen (dem Knallgolde), welche beide man auch, wo nicht für
nutzlos, doch für durchaus schädlich ausgab, vermutlich weil
man sie nicht in einer sogenannten justa dosis, das ist, nicht in übertriebener
Menge, ohne Gefahr einnehmen lassen konnte.
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Das Gold hat große, unersetzliche Arzneikräfte.
Anfangs ließ ich mich durch diese Leugner zurückhalten,
im gediegenen Golde Arzneikräfte zu hoffen; da ich mich aber nicht
überwinden konnte, irgend ein Metall an sich für unheilkräftig
zu halten, so bediente ich mich seiner zuerst in Auflösung. Daher
die wenigen Symptome von der Gold-Auflösung.
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Weil ich aber überhaupt, wo ich´s nur vermeiden kann, die
Metalle, schon der edelen Einfachheit wegen nicht in Säueren anwenden
mag, weil sie durchaus eine Umänderung ihrer Kräfte durch diese
Säuren erleiden müssen - wie man schon an der Vergleichung des
Aetzsublimats mit dem schwärzlichten Quecksilberoxyd in der Hülfskraft
wahrnimmt; - so war mir´s sehr willkommen, bei einer Reihe arabischer
Aerzte die Arzneikräfte des Goldes in feinem Pulver einstimmig rühmen
zu hören und zwar in sehr hülfebedürftigen Krankheitszuständen,
in welchen mir zum Theil schon die Gold-Auflösung merkwürdige
Dienste geleistet hatte; ein Umstand, welcher mir Zutrauen zu den Versicherungen
der Araber einflüßen mußte.
Die erste Spur hievon finden wir schon im achten Jahrhunderte, wo Geber
(de Alchimia traditio, Argent. ap. Zetzner, 1698. Lib. II.P.III. Cap.32)
das Gold als eine "materia laetificans et in juventute corpus conservaus"
rühmt.
Zu Ende des zehnten Jahrhunderts rühmt es Serapion der jüngere
(de simplicibus comment. Venet. fol. ap. Junt.1550. Cap. 415. S. 192.):
"das gepülverte Gold dient in der Melancholie und der Herzschwäche."
Dann zu Anfange des eilften Jahrhunderts Avicenna (Canau. Lib. II.
Cap. 79.):
"das gepülverte Gold kommt zu Arzneien wider Melancholie, benimmt
den Mundgestank, ist, selbst innerlich eingenommen, ein Hülfsmittel
gegen Haarausfallen, stärkt die Augen hilft bei Herzweh und Herzklopfen
und ist ungemein zuträglich bei Schweräthmigkeit." *)
Die Bereitung eines solchen Goldpulvers beschreibt im Anfange des zwölften
Jahrhunderts Abulkasern (Albulcasis) zuerst (in libro servitoris de praep.
med.
S. 242.): " daß man Gold auf einer rauhen Leinwand in einem Becken
voll Wasser reibe, und das feine, zu Boden des Wasser gefallene Pulver
zum Gebrauche anwende;" welche Bereitungsart Johann von St. Amand (im dreizehnten
Jahrhunderte) auf gleiche Art lehrt (im Anhange zu Mesue, Opera, Venct.
1561. S. 245. 4. E.).
Dieß ahmte Zacutus, der Portugiese, nach und beschrieb (Histor.
medic. lib. I. obs. 33.) die Geschichte eines von melancholischen Phantasieen
lange Zeit gequälten Edelmannes, den er einzig durch das auf einem
Reibesteine feinst zerriebene Goldpulver binnen einem Monate heilte.
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Glaubte ich schon an das Zeugniß der Araber von der Heilkräftigkeit
des feinsten Goldpulvers den theoretischen, erfahrungslosen Zweifeln der
Neuern vorziehen zu dürfen, und rieb das feinste Blattgold ( es ist
23 Karat, 6 Grän fein) mit 100 Theilen Milchzucker eine gute Stunde
lang, zur Anwendung für den innern, ärztlichen Gebrauch.
Ich will nicht entscheiden, ob in diesem feinem Pulver das Gold nur
noch weit feiner zerrieben, oder durch dieses kräftige Reiben einigermaßen
oxydirt worden ist. Genug, daß in der Prüfung bei einigen gesunden
Erwachsenen schon hundert Gran dieses Pulvers (welche einen Gran Gold enthielten),
in Wasser aufgelöset, zur Erregung sehr starker Befindens-Veränderungen
und krankhafter Zufälle zureichten, welche hier unten folgen.
Aus ihnen wird man ersehen, daß die Versicherungen der Araber
nicht ungegründet seyn können, da schon kleine Gaben dieses Metalls,
in erwähnter Form angewendet, selbst gesunde Erwachsene zu sehr ähnlichen
Krankheits-Zuständen erregten, als jene (in Auffindung von Arzneien
nicht verdienstlosen) Morgenländer damit (unwissender Weise, homöopathisch)
geheilt hatten.
Von Melancholieen, welche der von Gold erregten sich näherten,
habe ich seitdem mehre Personen, die mit Selbsttödtung sehr ernstlich
umgingen, bald dauerhaft befreit.
*) Das letzere ist im Arabischen ein zweideutiger Ausdruck, welcher, je nachdem das Wort accentuirt wird, entweder: "Reden mit sich selbst," oder "Schweräthmigkeit" bedeutet. Die Hülfskraft des Goldes, die sich in der Erfahrung zeigt, erhebt letzeres zur wahren Bedeutung.