Ignazbohne, Strychnos ignatii Bergius (1778: Erstbeschreibung der Mutterpflanze)
Familie der Loganiaceae
"Man nimmt einen Gran dieses gepülverten Samens ...
Der sehr bald auf einander folgenden Wechselwirkungen wegen, die sie erzeugt, eignet sie sich zu acuten Krankheiten vorzüglich, und zwar zu mehren, wie man aus ihren, den häufig vorkommenden Krankheits - Symptomen des alltäglichen Lebens so ähnlich entsprechenden Symptomen sehen kann.
So viel Aehnlichkeit man aber auch in ihren positiven Wirkungen mit denen des Krähenaug - Samens wahrnimmt (was allerdings auf eine botanische Verwandtschaft beider Gewächse hindeutet), so findet doch beim Gebrauche beider eine große Verschiedenheit statt, da schon der Gemüthszustand der Kranken, wo Ignazsamen dienlich ist, sehr von demjenigen abweicht, wo Krähenaugsamen paßt. Nicht bei Personen oder Krankheiten, bei denen Zorn, Eifer, Heftigkeit herrscht, sondern wo eine schnelle Abwechslung von Lustigkeit und Weinerlichkeit, oder die andern Gemüthszustände statt finden, die vom Ignazsamen zu Ende verzeichnet sind, ...
Selbst in hoher Kraft-Entwickelung giebt Ignaz ein Hauptmittel ab
in Aergernißfällen bei Personen, die nicht geneigt sind, in
Heftigkeit auszubrechen oder sich zu rächen, sondern welche die Kränkung
in sich verschließen, bei denen, mit einem Worte, die Erinnerung
an den ärgerlichen Vorfall anhaltend an ihrem Gemüthe zu nagen
pflegt, und so auch vorzüglich gegen Krankheitszustände, die
von Gram erzeugenden Vorfällen entstehen. So könnten Anfälle
von selbst langwierigen Epilepsieen, die jedesmal nur nach Kränkung
oder ähnlicher Aergerniß (und sonst unter keiner andern Bedingung)
ausbrechen, wohl durch schnelle Anwendung von Ignaz jedesmal verhütet,
auch können Fallsuchten, die so eben erst durch großen Schreck
bei jungen Personen entstanden waren, ehe sie sich mehrmal wiederholen,
durch ein Paar Gaben Ignaz geheilt werden;..."
Der Name Ignatia stammt wahrscheinlich daher,
daß das auf den Phillipinen gebräuchliche Wort Igasud oder Iga-sr
von den jesuitischen Missionaren phonetisch in eine christliche Form gabracht
wurde, indem sie nach dem Begründer der Jesuiten, St. Ignatius von
Loyola benannt wurde, so daß die heidnische Tradition der gängigen
Nutz- und Ritualpflanze reibungsloser übernommen werden konnte
Zur Pflanze an sich ist entsprechend der geringfügigen
wirtschaftlichen Nutzung und des ursprünglichen Vorkommens auf einigen
wenigen phillipinischen Inseln wenig in Erfahrung zu bringen. Interessanterweise
sind alle Pflanzen aus der Familie der Loganiaceeae, die zu homöopathischen
Arzneien verarbeitet werden (Nux-v., Spig., Gels., Cur.) hochgiftig und
neigen zu Krampfbildung und Tetanie. Handelt es sich bei Nux-v. um einen
stämmigen Baum, so weist Ignatia eine davon völlig abweichende
lianenartige Wuchsform auf.
Die erste Beschreibung durch Pater Camelli (1689)
wird gefolgt einschlägigen Werken, welche alle neben der medizinischen
Wirkung bei vielerlei krampfartigen Beschwerden die entsprechende Giftigkeit
nach Überdosierung betonen. Ignatia war bereits vor Nux-v. der wichtigste
Lieferant für das Alkaloid Strychnin, das schon jeher als Schädlingsbekämpfungsmittel
gegen hatten, Krähen etc. Verwendung fand. Ebenso wurde das Pfeilgift
Curare aus Ignazbohnen gewonnen. Wahrscheinlich war für Hahnemann
die außerordentliche biologische Wirksamkeit und Giftigkeit Anreiz
genug für seine erste Prüfung.
Madaus, G.: Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, Thieme Verlag,
Leipzig, 1938
Mezger: Gesichtete Homööpathische Arzneimittellehre,
Haug, Ulm 1961
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