Namensbedeutung
phosphoros (grch.): Lichtträger (engl.:
phosphorus)
Entdeckung
Die Suche nach dem Stein der Weisen beflügelte
die Menschen des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Da man seinerzeit
glaubte, daß man Stoffe nahezu beliebig in einander umwandeln könnte,
lag die Vermutung nahe, man könne aus wertlosen Substanzen und billigen
Metallen Gold machen. Diese Versuche beschäftigen ganze Alchimistengeneration.
Zwar gelang keinem trotz größter Anstrengung die Goldherstellung,
aber grundlegende chemische Erkenntnisse wurden dennoch gewonnen. So entdeckte
beispielsweise Kunkel bei seinen Versuchen, Gold zu machen, einen Herstellungsweg
für Porzellan, das fortan auch weißes Gold genannt wurde. Und
derartige Versuche ließen den Deutschen Henning Brandt um 1669 den
Stein
des Lichts entdecken: Phosphor. Brandt war damals in argen Geldnöten
und es wäre wohl eine wesentliche Erleicherung seiner Lage gewesen,
wenn er die Formel für Gold gefunden hätte. Warum er dafür
aber verfaulten menschlichen Urin destillierte und eindampfte, läßt
sich oberflächlich betrachtet vielleicht nur mit seinen Finanznöten
begründen. Seine Wahl liegt aber eher in der Tatsache begründet,
daß menschliche Ausscheidungen eine zentrale Rolle in der mittelalterlichen
Gedankenwelt der Alchimie spielten. Ziel der Übung war, daß
er eine Ausgangssubstanz für die Herstellung eines
Steins der Weisen
machen wollte, aus dessen Verbindung mit einem Metall dann das wertvolle
Gold entstehen sollte. Jedenfalls beobachtete er in seiner Versuchsapparatur
einen weißen Dampf, der sich zu einer grünlich leuchtenden Masse
verdickte. Noch erstaunlicher für ihn war, daß der Stoff ohne
erkennbaren Grund zu brennen begann und noch unter Wasser weiterglimmte!
Diese Entdeckung hielt er einige Zeit geheim, da er sich auf dem richtigen
Weg glaubte. Um 1675 bot er von ihm erzeugten Phosphor für ein entsprechendes
Entgelt einigen Kollegen seiner Zunft an. Im April 1676 stellte der Arzt
Johannes Daniel Krafft den neuen Stoff erstmals am Hof des Kurfürsten
Friedrich Wilhelms II. vor und nannte ihn Phosphorus mirabilis,
den wunderbaren Lichtträger. Diese Vorstellung war so erfolgreich,
daß er daraufhin eine Tournee durch verschiedene europäische
Höfe begann. Auch Kunkel nahm sich des Leuchtstoffes an und entwickelte
selbständig ein Herstellungsverfahren und beanspruchte fortan die
Entdeckung für sich. Da auch er sein Herstellungsverfahren nicht Preis
gab, entwickelten andere Wissenschaftler in der Folgezeit immer wieder
eigene Methoden. Die Phosphor-Darstellung blieb lange Zeit eine langwierige
Prozedur; Ausgangsstoff sollte auch weiterhin Urin bleiben. Phosphor selbst
war teuer und eigentlich nur eine bestaunte Jahrmarktskuriosität ohne
praktischen Nutzen. 1769 stellte der schwedische Mineraloge Gahn fest,
daß auch in den Knochen Phosphor enthalten war, so daß man
es mit entsprechenden Verfahren nun auch in größeren Mengen
gewinnen konnte. Das im Prinzip noch heute gültige Verfahren zur Phosphorgewinnung
wurde 1829 durch Friedrich Wöhler entwickelt. Die ersten nennenswerten
Phosphormengen wurden seit Anfang des 19. Jahrhundert bei der Zündholzherstellung
verwendet.
Vorkommen
Phosphor gehört zusammen mit Stickstoff, Arsen,
Antimon und Bismut (=Wismut) zur Stickstoffgruppe. Wegen seiner großen
Affinität zu Sauerstoff kommt er in der Natur nicht elementar vor,
sondern nur in Form seiner Phosphatmineralien. Der Anteil am Aufbau der
Erdkruste beträgt schätzungsweise zwischen 0,10 und 0,12 Gewichtsprozent.
Von der Vielzahl der Phosphatmineralien ist vor allem Apatit - insbesondere
Fluorapatit - von industrieller Bedeutung. Des weiteren sind Phosphorit,
Pyromorphit (Bundbleierz), Türkis und Vivianit zu nennen. Manche Eisenerze
enthalten große Phosphatmengen, die bei der Eisenaufbereitung als
sog. Thomasmehl anfallen und als Dünger verwendet werden. Längere
Zeit war Guano, die phosphorhaltigen Ausscheidungen pazifischer Meeresvögel,
eine wichtige Quelle zur Phosphatgewinnung. Auch heute noch ist Guano ein
beliebtes Düngemittel.
Eigenschaften
Phosphor ist ein Nichtmetall, das drei allotrophe
Hauptmodifikationen hat: weißen, roten und schwarzen Phosphor. Die
Ausbildungsformen unterscheiden sich in Struktur und Eigenschaften stark
voneinander: Weißer Phosphor ist eine weiche wachsartige Masse, die
aus tetraedrischen P4-Molekülen aufgebaut ist und in Wasser unlöslich
ist. Schon bei 44°C geht er in eine flüssige Schmelze über
und bei 280°C siedet er. Weißer Phosphor ist die reaktivste Modifikation
des Elements. Im Dunkeln ist eine leichtes grünliches Fluoreszieren
wahrnehmbar, das von der langsamen Oxidation zu P2O3 herrührt. In
feinverteilter Form neigt weißer Phosphor zur Selbstentzündung
und muß deshalb in einer Schutzflüssigkeit (Wasser) aufbewahrt
werden. Phosphorbrand kann nicht mit Wasser gelöscht, sondern muß
mit Sand erstickt werden. Diese Tatsache machte man sich im Zweiten Weltkrieg
bei der Konstruktion von Brandbomben für die flächenhafte Zerstörung
von Städten zu nutze. Weißer Phosphor ist darüber hinaus
sehr giftig. Roter Phosphor ist ein amorphes Pulver mit tiefroter Färbung.
Er steht in seinem Verhalten zwischen der weißen und der schwarzen
Modifikation und kann unter Luftabschluß durch Erhitzen auf 250°C
aus weißen Phosphor erzeugt werden. Bei diesem Vorgang brechen die
P4-Tetraeder auf und ein unregelmäßiges Netzwerk aus Atomen
entsteht. Diese Modifikation ist unlöslich und seine Reaktivität
ist weit geringer als die der weißen Form. Erst bei einer Temperatur
über 260°C ist die rote Modifikation brennbar; der Schmelzpunkt
liegt bei 620°C. Roter Phosphor ist ungiftig. Wird er länger als
eine Woche bei einer Temperatur über 550°C erhitzt, bildet sich
violetter Phosphor, auch Hittorf'scher Phosphor genannt, dessen Struktur
recht komplex ist. Schwarzer Phosphor ist ein schwarzes, leicht metallisch
glänzendes, kristallines Pulver mit leicht schuppiger Konsistenz.
In seiner Struktur erinnert er an Graphit. Ähnlich diesem ist es aus
einem Schichtengitter aufgebaut, das aus Sechserringen gebildet wird. Anders
als bei Graphit sind diese Ringe aber nicht eben, sondern wellenförmig.
Schwarzer Phosphor leitet elektrischen Strom und steht in seinen Eigenschaften
der roten Form nahe. Er ist unlöslich und hat die geringste Reaktivität
aller Modifikationen. Von den Phosphor-Verbindungen sollen an dieser Stelle
folgende erwähnt werden: Phosphorwasserstoff, Phosphor(III)-chlorid,
Phosphor(IV)-chlorid, Phosphor(V)-oxid und phosphorige Säure sowie
Phosphorsäure.
Biologische Bedeutung und Toxikologie
Phosphor ist für alle biologischen Organismen
von essentieller Bedeutung. Er ist Bestandteil der DNS (Desoxiribonukleinsäure),
der Substanz also, auf der die Erbinformation gespeichert ist. In Form
auf ATP (Adenosintriphoshat) spielt es eine entscheidende Rolle beim Energiestoffwechsel.
Er ist außerdem in Zuckerphosphaten, Phospholipiden und Coenzymen
enthalten. Im Trockengewicht terrestrischer Pflanzen ist ca. 3% Phosphor
enthalten. Die Verfügbarkeit von Phosphat für Pflanzen wirkt
vielfach als limitierender Faktor der Primärproduktion, so daß
in landwirtschaftlichen Kulturen große Mengen phosphathaltigen Düngers
ausgebracht werden müssen. Für Säugetiere ist Phosphor in
Form seiner Verbindung Hydroxiapatit beim Aufbau der Knochen und Zähne
bedeutsam. Im Körper eines erwachsenen Menschen mit einem durchschnittlichen
Körpergewicht von 70 kg befindet sich eine Phosphormenge von ca. 700
g, der größte Teil dieser Menge, ca. 600 g, ist in der Verbindung
Hydroxiapatit gespeichert. Anorganische Phosphate sind relativ harmlos,
wohingegen weißer Phosphor - wie bereits erwähnt - und viele
Phosphorverbindungen sehr giftig sind. Der Arbeitsschutzwert für die
weiße Phosphormodifikation wurde mit 0,1 mg/m3
(MAK-Wert) festgelegt. Auch Phosphorwasserstoff ist giftig. Es beeinträchtigt
das zentrale Nervensystem und schädigt die Lunge (MAK-Wert: 0,1 ml/m3
bzw. 0,15 mg/m3). Als nervenlähmende
Insektengifte werden Phosphorester eingesetzt.
Verwendung
Elementarer (roter) Phosphor wird in den Streichflächen
von Zündhölzern verarbeitet; weißer Phosphor wird in Brandbomben
und Nebelgranaten eingesetzt. Der größte Teil des Phosphors
wird aber zu Verbindungen weiterverarbeitet: zu Phosphorsäure, Phosphor(V)-oxid
und besonders zu Phosphaten. Die Weltproduktion an Phosphaten ohne Guano
betrug 1990 157 Mio. Tonnen. Die größten Produzenten sind die
Vereinigten Staaten (29,5%), die GUS (21%), China (14%), Marokko (13,5%)
und Tunesien (4%) sowie Jordanien (3,5%). Ein großer Teil der Produktionsmenge
wird zu Düngemittel weiterverarbeitet. Früher waren in Waschmittel
ebenfalls Phosphate enthalten, die aber wegen der Überdüngung
von Oberflächengewässern durch die weniger schädlichen Zeolithe
ersetzt wurden. Phosphate dienen als Futter- und Lebensmittelzusatzstoffe
und werden in Medikamenten verarbeitet. Als Flammschutzmittel für
Textilien wird Ammoniumphosphat eingesetzt. Phosphorsäure wird unter
anderem zur Phosphatierung von Eisen als Korrosionsschutz verwendet. Verschiedene
Phosphorverbindungen finden im Pflanzenschutz als wirksame Insektengifte
Einsatz. Außerdem werden viele bei Synthesen der chemischen Industrie
eingesetzt.
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