Puls. wird auch Anemone pratensis genannt, obgleich nicht zu den eigentlichen
Anemonen gehörig. Der Name Pulsatilla stammt vom lateinischen "pulsare"
schlagen, und beschreibt evtl. das Hin und Herschlagen der Pflanze im Wind.
In seinem Kräuterbuch von 1664 schreibt Dodaneus, die Küchenschelle
sei aus den Tränen der Venus entstanden, als sie den Jüngling
Adonis beweinte, der auf einer Jagd von einem Eber getötet wurde.
Die typische Frühlingsblume bevorzugt ausgesprochen kalkhaltigen
und extrem trockenen Boden und hat sich auf kühle, gerne hochgelegene
und oft wetterexponierte Standorte der gesamten nördlichen Hemisphäre
spezialisiert.
nach Vonarburg: Homöotanik. Band I Seite 75. Haug Heidelberg 1996 und
"Der ausgepreßte Saft der grünen, frischen ganzen Pflanze,
mit gleichen Theilen Weingeist gemischt durch Schütteln. Wenn nach
Absetzung der Trübheit das Helle abgegossen worden, werden von letzterm
zwei Tropfen in das erste von 30 Verdünnungs-Gläsern jedes zu
drei Vierteln mit 99 Tropfen Weingeist angefüllt, getröpfelt
und ........ Es wird daher auch der arzneiliche Gebrauch der Pulsatile um desto
hülfreicher seyn, wenn in Uebeln, zu denen in Rücksicht der Körperzufälle
dieses Kraut paßt, zugleich ein schüchternes, weinerliches,
zu innerlicher Kränkung und stiller Aergerniß geneigtes, wenigstens
mildes und nachgiebiges Gemüth im Kranken zugegen ist, zumal, wenn
er in gesunden Tagen gutmüthig und mild (auch wohl leichtsinnig und
gutherzig schalkhaft) war. Vorzüglich passen daher dazu langsame,
phlegmatische Temperamente, dagegen am wenigsten Menschen von schneller
Entschließung und rascher Beweglichkeit, wenn sie auch gutmüthig
zu seyn scheinen. Am besten ist`s, wenn auch untermischte Frostigkeit nicht fehlt,
und Durstlosigkeit zugegen ist. Bei Frauenzimmern paßt sie vorzüglich
dann, wenn ihre Monatszeit einige Tage über die rechte Zeit einzutreten
pflegt; so auch besonders, wenn der Kranke Abends lange liegen muß,
ehe er in Schlaf gerathen kann, und wo der Kranke sich Abends am schlimmsten
befindet. Sie dient in den Nachtheilen vom Genuß des Schweinefleisches."
Anemone pratensis, L.(Zorn, pl. med. T. 439.) mit geschwänzten
Samen, mit Füllen am Blütenstiele, an der Spitze zurück
gebogenen Blumenkronblättern und doppelt gefiederten Blättern,
eine Pflanze mit perennirender Wurzel von sechs bis acht Zoll Höhe,
auf tonnichten, dürren Fehden, wo sie zeitig im Frühlinge blauschwarze
Blumen trägt.
Das Kraut (bb. pulsatillae minoris, pulsat. nigricantis) dessen Geschmack
erst grusicht, dann heftig beißend und sehr lang anhaltend ist, unterscheidet
sich von der ihr sehr ähnlichen Pulsatillwindblume dadurch, daß
letztere größer und rauchhaariger ist, und größere
Blumen trägt, deren Blumenkronblätter gerade und nicht überbogen
sind. Beim Zerschneiden des frischen Krautes steigt schon scharfer Dust
auf, welcher in der Nase, auf der Zunge und den Lippen beist; der bei Bereitung
des Extrakts in der Hitze entweichende Dunst greift auch die Augenlieder
an und erregt Dunkelheit des Gesichts. Dieser Dunst, der einzig kräftige
Bestandteil der Pflanze, entweicht bei anhaltender Siedehitze ganz, so
daß der daraus bereitete Dcksaft (extractum pulsatillae nigricantis)
oft ganz unkräftig ist, wenn er nicht ohne Feuer abgedunstet worden;
dieser Dunst geht in der Destillation des frischen Krautes mit Wasser über,
und bildet sich darin nach einiger Zeit zu milchfarbenen, platten gestreiften
Kristallen, welche in kaltem Wasser sehr schwer, in heißem aber und
in warmem Weingeiste sehr leicht auflößlich sind, an der Luft
nicht verfliegen, im Kalten geruch- und geschmacklos sind, in der Hitze
aber verknistern, und dann eben die beißend brennende Eigenschaft
als jener Dunst der erhitzen Pflanze auf Augenlieder, Nase, Lippen und
im Geschmacke äußern, und so mit heller Flamme verbrennen.
Die nächste Wirkung dieser Pflanze ist, daß sie mächtig
reizt, und den Harn und andre Ausleerungen erregt. Störl hat mit dem
Aufgusse der Pflanze, dem Extrakte, dem destiliertem Wasser und dem gedachten
Kamphersalze daraus Blinde an schwarzem und grauem Staare wieder hergestellt;
und ander nach ihm. Auch in nächtlichen, venerisch geschienenen Knochenschmerzen
und Geschwüren der hartnäckigsten Art, so wie in der Lähmung,
ja selbst in der Melancholie, hat man wichtige Dienste davon erfahren.
Labor Gudjons:
In Hahnemanns Apothekerlexikon Bd. 1, Leipzig 1793, S. 533, unter Küchenschellwindblume
kann man lesen, daß er sich mit Pulsatilla nigricantis und deren
Inhaltsstoffen intensiver befaßt hat. Da diese Subspecies in Westdeutschland
nicht zu finden war, entstand zunächst Pulsatilla pratensis pratensis
aus Preßsaft der ganzen Pflanze.
Später erfolgte eine Arzneiherstellung aus dem Preßsaft
der ganzen Pflanze Pulsatilla pratensis nigricans, bestimmt von Dr. H.
Nothdurft, Hamburg. Diese Pflanze stammte aus der Gegend von Jena.
HAB, zugleich 5. Nachtrag zur Ausgabe 1978, 1. Nachtrag zur Gesamtausgabe, S. 377
Eine homöopathische These
Ein zentrales Thema für Pulsatilla ist die Angst, aus einer bestehenden
Beziehung verlassen zu werden. Deshalb tut der Patient alles um die Beziehung
nicht zu gefährden. Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, haben
eine feine und subtile Art, Schutz zu suchen. Das Gegenüber kann sich
dem nicht entziehen. Ihre Idee von Liebe ist es, durch einen Mensch beschützt
werden, der sich ganz alleine um sie kümmert. Haben sie das erreicht,
entwickeln sie sich aber nicht weiter. Der oder die Geliebte ist dann für
den Rests des Lebens der Partner und ersetzt die Mutter. (nach M. Mangialavori:
Seminar über die Pulsatilla-Familie, Augsburg 1997)
An den Hahnenfußgewächsen läßt sich für die
Homöopathie gut darstellen, daß Pflanzen aus einer botanischen
Familie nicht zwangsläufig auch ähnliche Arzneimittelbilder aufweisen.
So wie biologische Standorte und Blütezeiten der Ran. gänzlich
voneinander verschieden sein können, sind auch die Arzneimittelbilder
von Hell., Puls, Paeon. Kaum miteinander zu vergleichen.