Auszüge aus
"GUDJONS aktuell - Oktober 2006"



Homöopathische Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten von Amerika - Dr. Heike Gypser

Hintergrund zur Geschichte der Amerikanischen Homöopathie und ihrer Institutionen - PD Dr. Dr. Josef M. Schmidt

Homöopathie in der Kinderklinik – damals und heute - Dr. Christian Lucae

Homöopathie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität, München - Dr. S. Kruse

Homöopathische Krankenhäuser heute - Christoph Trapp


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Editorial
Homöpathische Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten von Amerika
Hintergrund zur Geschichte der Amerikanischen Homöopathie und ihrer Institutionen
Homöopathie in der Kinderklinik - damals und heute
Homöopathie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität, München



Editorial

Geschrieben von Brita Gudjons

Im Mai reiste ich wegen eines Termins beim BfArM nach Bonn und benutzte diese Gelegenheit, einen schon lange überfälligen Besuch bei Herrn Dr. K.-H. Gypser in der Eifel zu machen.

Als Wunnibald, Dr. Gypsers ältester Sohn, mir seine Verlagsbuchhandlung und die Räumlichkeiten der „Gleeser Akademie homöopathischer Ärzte“ seines Vaters zeigte, entdeckte ich eine Reihe gut erhaltener Postkarten, die homöopathische Krankenhäuser in der USA des ausgehenden 19. Jahrhunderts abbildeten. Es handelte sich um wunderschöne, große, mehrstöckige Gebäude, die mein Interesse am Thema“ homöopathischer Krankenhäuser“ weckten. In einem anschließenden Gespräch erfuhr ich, dass die Zahl dieser Krankenhäuser damals beträchtlich war.

„Das könnte ein Thema für das nächste Gudjons aktuell Heft sein“, dachte ich, die Postkarten vermitteln uns heute noch einen Hauch von der heroischen Größe und Erhabenheit der Gebäude und dem stabilen Selbstbewusstsein der Homöopathie in dieser Zeit.

Frau Dr. Gypser erklärte sich bereit, aus den vorhandenen Quellen einen Artikel zusammen zu stellen.
Woran liegt es, dass die Homöopathie heute in Krankenhäusern, wenn überhaupt, eine mehr oder weniger geduldete Existenz fristet und überhaupt nur, wenn alle Spezialisten nicht mehr weiter wissen, befragt wird? Oder gibt es auch heute noch homöopathische Krankenhäuser im Stil der damaligen Zeit?

War es das Aufkommen der Antibiotika und der Aufstieg der Pharmaindustrie, der die Homöopathie von der Bildfläche vertrieb?

Wie gestaltete sich der Ablauf in den Kliniken der Vergangenheit? Wurde wirklich ausschließlich mit homöopathischen Arzneien therapiert? Oder handelte es sich um Lehrkrankenhäuser, die einer Universität angeschlossen waren?

Die schönen Postkarten führten zu einer Reihe von Fragen. Glücklicherweise habe ich Menschen gefunden, die Antworten dazu bereit hatten. Lesen Sie selbst!




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Homöpathische Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten von Amerika

Geschrieben von Dr. Heike Gypser

Einen ersten Eindruck von der Vielzahl homöopathischer Krankenhäuser, die in den Vereinigten Staaten von Amerika gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingerichtet worden sind, soll folgende, vermutlich nicht vollständige Auflistung bieten. In diesem Zeitraum befand sich die amerikanische Homöopathie auf ihrem Höhepunkt und war der traditionellen Medizin in Ansehen und Beliebtheit bei den Kranken gleichgesetzt oder wurde sogar bevorzugt.

Homeopathic Hospital - Rochester N.Y.
Die amerikanische Homöopathie nahm ihre Anfänge mit dem dänischen Arzt Hans Burch Gram (1788-1840), der sich 1825 in New York City niedergelassen hatte. Bald scharten sich Schüler um ihn, und weitere homöopathische Ärzte aus Europa folgten, so daß sich die Homöopathie rasch ausbreiten konnte. Während der Choleraepidemie von 1832 wurde das erste homöopathische Krankenhaus - in Philadelphia - eingerichtet. Es wurde allerdings nach überstandener Epidemie wieder geschlossen. Noch einige Jahre sollten vergehen, bis die meisten homöopathischen Krankenhäuser gegründet waren.

Nicht nur aufgrund ärztlicher Initiative wurden Hospitäler errichtet, z.B. hatte sich T.F. Allen (1837-1902) stark für The Laura Franklin Free Hospital for Children eingesetzt, sondern auch Laien- und Frauenbewegungen förderten den Aufbau von Krankenhäusern. Hinzu kamen zahlreiche Stiftungen durch Privatpersonen, die nicht selten auch Grundstücke oder Inventar umfaßten.

Es wurden nicht nur allgemeine Krankenhäuser eröffnet, sondern auch solche, die der Gynäkologie, Chirurgie, Kinder- oder Augenheilkunde gewidmet waren.

Mitunter stieß die Gründung einer Errichtung auf Widerstände. Beispielsweise hatte man 1850 beschlossen, das Westboro Homoeopathic Asylum for the Insane zu errichten, aber erst 1886 konnte es eröffnet werden.
Zum Teil waren homöopathische Lehreinrichtungen an die Hospitäler angeschlossen, wie etwa das Hahnemann Medical College and Hospital of Philadelphia, The Southern Homoeopathic Medical College and Hospital of Baltimore, The New York Homoeopathic Medical College and Hospital, The Southwestern Homoeopathic Medical College and Hospital in Louisville und das Hering Medical College and Hospital in Philadelphia. Ebenso wurden von vielen Häuser sogenannte „Training Schools for Nurses“ geführt. Die Verwaltung der Krankenhäuser lag üblicherweise in den Händen eines „Board of  Trustees“, dem vielfach Ärzte angehörten.

Die Bettenzahlen beliefen sich von einigen wenigen bis zu 800 im Ward`s Island Hospital. Im Jahr 1912 zählte die Irrenanstalt  des Staates New York in Middeltown 2046 Betten.

Manche Hospitäler waren als allopathische gegründet und dann in homöopathische umgewandelt worden, wie das Passic Homoeopathic Hospital in New Jersey oder das Cook County Hospital in Illinois. Mit dem Niedergang der amerikanischen Homöopathie zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam der umgekehrte Fall allerdings wesentlich häufiger vor. So gibt es heute noch in Philadelphia das Hahnemann University Hospital, das aber nicht mehr als homöopathisches Krankenhaus geführt wird, sondern lediglich den auf seine frühere Ausrichtung hinweisenden Namen trägt.

In der folgenden Übersichtstabelle finden sich die Krankenhäuser nach Staaten geordnet, wobei die Jahreszahl auf das Eröffnungsdatum hinweist. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Doppelführungen von Krankenhäusern unterlaufen sind, da in den Quellen häufig Namensverdrehungen vorkommen, die nicht erkennen lassen, ob es sich um dasselbe oder verschiedene Krankenhäuser handelt. Von einigen Hospitälern konnte kein Gründungsjahr ermittelt werden.

Alaska
Sikita Mission Hospital: 1890

Colorado
Arapahoe County Jail and Poor House Hospital: 1871 eröffnet, ab 1881 und von 1883-1884 als homöopathisches Krankenhaus geführt
Denver Homoeopathic Hospital: 1898
Sick Babie`s Summer Hospital, Denver

Conneticut
Elmcroft, Enfield: 1890
Dr. Given`s Sanitarium: 1891
Grace Homoeopathic Hospital, New Haven: 1892 im Bau befindlich und eröffnet
Crest View Sanatorium, Greenwich: 1894
Grey Towers, Stamford

Delaware
Homoeopathic Hospital of Delaware: 1888
Homoeopathic Hospital, Wilmington: 1888

Homeopathic Hospital – Wilmington, Del.














District of Columbia
National Homoeopathic Hospital Association of Washington: 1884

Florida
Homoeopathic Department of St. Luke`s Hospital, Jacksonville: 1878, Schließung 1888-1889

Illinois
Chicago Homoeopathic Hospital: 1854-1857
Chicago City Hospital: war 1857 als homöopathisches Krankenhaus geplant, wurde jedoch von der Armee übernommen
Scammon Hospital of Chicago später The Hahnemann Hospital of Chicago: 1870
Joilet State Penitentiary Hospital: 1878, wurde nach kurzer Zeit ein allopathisches Krankenhaus
Chicago and Cook Count y General Hospital: 1882
Chicago Surgical Institute: 1884, 1885, bestand nur für kurze Zeit
South Side Home, Chicago: 1885, bestand für drei Jahre
Streeter`s Hospital, Chicago: 1888
Streeter`s Private Hospital: 1890
Baptist Hospital of Chicago: 1891
West Chicago Sanitarium, Chicago: 1892
Skile`s Orificial Sanitarium, Chicago: 1893
The World`s Fair Homoeopathic Emercency Hospital: 1893
Illinois Western Hospital for the Insane, Watertown: 1898
Chicago Homoeopathic College
Frances Willard Hospital
The Cook County Hospital

Indiana
O.S. Runnel`s Private Hospital, Indianapolis: 1891

Iowa
Woman`s Christian Association Hospital, Council: 1883
Hahnemann Hospital of Iowa City: 1886
Homoeopathic Hospital of the State University of Iowa, Iowa City: 1887
St. Bernhard`s Hospital, Council Bluffs: 1888
Des Moines Hospital and Institute of Homoeopathy: 1891, bestand für einige Monate
Homoeopathic Hospital, Iowa City

Kalifornien
Nevada City Homoeopathic Hospital: 1854-1862
San Francisco Homoeopathic Hospital: 1881, war von 1884-1885 nicht in Betrieb
Hahnemann Hospital of San Francisco: 1887-1890
Phoebe Hearst Cottage Hospital: sollte ein Kinderkrankenhaus werden
San Francisco Surgical and Gynaecological Institute: 1872, bestand für kurze Zeit
Hospital of the Good Samaritan, San Diego: 1889
Oakland Homoeopathic Hospital and Dispensary Association, später The Fabiola Hospital: 1876
State Reform School Hospital, Los Angeles: 1891
Santa Barbara Cottage Hospital: 1891
Hahnemann Hospital of the City of San Francisco: 1891 wurde das Grundstück für das Krankenhaus gekauft
The Southern California State Asylum for Insane and Inebriates, Patton: 1893
Homoeopathic Sanitarium, San Francisco: 1896.
Hahnemann Hospital, San Francisco

Kansas
Kansas Surgical Hospital of Topeka: 1882
Wichita homoeopathic Hospital: 1889
Kansas City Homoeopathic Hospital: 1889

Kenntucky
Southwestern Homoeopathic Medical College and Hospital: 1895

Louisiana
New Orleans Homoeopathic Hospital: 1892 wurde das Grundstück dafür erworben

Maine
Maine Homoeopathic Hospital: 1891

Maryland
Carroll Springs Sanitarium, Forest Glenn: 1887
Maryland Homoeopathic Hospital, Baltimore: 1890
Maryland Homoeopathic Hospital, Baltimore: 1890
Baltimore Homoeopathic Sanitarium, Baltimore:  1893
Dr. Irving Miller`s Sanitarium, Baltimore:  1895
Dr. Barnard`s Private Sanitarium, Baltimore: 1897

Massachusetts
Massachusetts Homoeopathic Hospital, Boston: 1871
Newton Cottage Hospital: 1886
Westboro Homoeopathic Asylum for Insane: 1886
Boothby Surgical Hospital, Boston: 1889
Morton Hospital: 1889
Malden Hospital, Malden: 1890
Quincy Hospital,Quincy: 1890
Rufus S. Forest General Hospital, Chelsea: 1890
Boothby`s Hospital, Boston: 1891
Somerville Hospital, Somerville: 1891
Newton Nervine, Newton: 1892
Newburyport Homeopathic Hospital: 1893
Worcester Homoeopathic Hospital: 1893
Lowell General Hospital, Lowell: 1893
Newton Sanitarium, Newton: 1894
Framingham Nervine, Framingham: 1896
Massachusetts Hospital for Consuptives and Tubercular Diseases, Rutland: 1898
Homoeopathic Hospital, Newburryport
Worcester Homoeopathic Hospital

Hahnemann Hospital – Worcester, Mass.














Murdoch`s Free Surgical Hospital for Women
Hampden Homoeopathic Hospital, Springfield

Michigan
Hospital of the Michigan State Prison: 1859-1862, und von 1872-1876 als homöopathisches Krankenhaus geführt
Homoeopathic Hospital of the University of Michigan: 1878
Detroid Free Hospital (Grace Hospital, zuerst The McMillan and Newberry Free Hospital): 1888
Hospital of the Grand Rapids Union Benevolent Home: 1891
Reed City Sanitarium, Reed City: 1895
Homoeopathic Clinical Hospital, University of Michigan

Homeopathic Hospital – Ann Arbor, Michigan












Minnesota
Stillwater Homoeopathic Hospital: 1881
The Homoeopathic Hospital of Minneapolis: 1883
Maternity Hospital, Minneapolis: 1886
St. Paul Homoeopathic Hospital: 1887
State Hospital, Fergus Falls: 1890
Minneapolis Medical and Surgical Institute: 1890

Mississippi
Mississippi State Hospital at Natches: ab 1854 bestand es nur für kurze Zeit

Missouri
Protestant Hospital of St.Louis später Good Samaritan Hospital of St.Louis: 1857
Calvary Bureau Hospital, St. Louis oder Post Hospital, Benton Barracks Hospital: 1864, bestand nur für kurze Zeit
Orthopraxic Institute, St.Louis: 1878 bestand für kurze Zeit
St. Louis Children`s Hospital: 1880
The Children`s Hospital, St. Louis: 1880
Kansas City Homoeopathic Hospital: 1889
Woman`s Homoeopathic Hospital of Missouri: 1891
The Women`s Homoeopathic Hospital of St. Louis: 1891
The Free Homoeopathic Hospital of St. Louis: 1896
The State Asylum for Insane at Fulton: 1897-1901, wurde allopathisch weiter geführt
The Homoeopathic Hospital and Training School of Kansas City: 1900

Montana
Dr. Blackburn`s Hospital, Butte: 1892

New Jersey
West New Jersey Homoeopathic Hospital, Camden: 1877
Plainfield Sanitarium, Plainfield: 1879
Camden Homoeopathic Hospital and Dispensary Association: 1885-1890
Trenton Homoeopathic Hospital, Trenton: 1888
Trenton City Hospital: 1889
The William McKinley Memorial Hospital, Trenton: 1889
Brookside Retreat, Plainfield: 1889
St. Mary`s Homoeopathic Hospital, Passaic: 1895
West Jersey Homoeopathic Hospital: 1892, war früher The Camden Homoeopathic Hospital and Dispensary Association
The Passaic Homoeopathic Hospital: 1897
The Homoeopathic Hospital of Essex County, Roseville: 1903
Hagensack Hospital

New York
Hospital of the Protestant Half-Orphan Asylum, New York: 1835, war ab 1847 ein homöopathisches Krankenhaus
Hospital of the Auburn State Prison: 1840, war für kurze Zeit ein homöopathisches Krankenhaus
Brooklyn Homoeopathic Hospital später The Brooklyn Homoeopathic Dispensary and Hospital: 1852
Homoeopathic Hospital in the City of New York: 1852
New York Ophthalmic Hospital: 1852, war ab 1867 ein homöopathisches Krankenhaus
Children`s Hospital of the Five Points House of Industry: 1856
Laidslaw`s Private Hospital, New York: 1859
New York Medical College and Hospital for Women, New York: 1863
Woman`s Infirmary Association of Washington Heights, New York: 1864, ging später in das Women`s Departement of Hahnemann Hospital ein
Buffalo Ingleside Home and Hospital: 1869

Hahnemann Hospital – Buffalo, N.Y.
















Hospital of the New York Medical College for Women: 1869
Hahnemann Hospital, New York: 1870. New York Homoeopathic Surgical Hospital (1874) und New York Homoeopathic Hospital for Women and Children (1875) wurden später Hahnemann Hospital
Brooklyn Homoeopathic Lying-in Asylum später The Brooklyn Homoeopathic Maternity: 1871
Flatbush Industrial School and Nursery später The Brooklyn Nursery: 1871
Brooklyn Nursery and Infant`s Hospital, Brooklyn: 1871
Albany City Homoeopathic Hospital später Albany City Homoeopathic Hospital and Dispensary: 1872
Buffalo Homoeopathic Hospital: 1872
St. Luke`s Home and Hospital, Utica: 1872
Middletown State Homoeopathic Hospital, Middletown: 1874
Faxton Hospital, Utica: 1875
New York Homoeopathic Charity Hospital, Ward`s Island: 1875
Brooklyn Women`s Homoeopathic Hospital and Dispensary, Brooklyn: war vor 1883 das Memorial Hospital for Woman and Children
Helmuth House, New York: 1886
The Laura Franklin Free Hospital for Children:  1886
Brooklyn Women`s Homoeopathic Hospital and Dispensary später The Memorial Hospital: 1887
House of the Good Samaritan Deaconesses: 1887
City Hospital, Binghamton: 1887
Hargous Memorial Hahnemann Hospital of Rochester: 1888
Hahnemann Homeopathic Hospital, Rochester: 1889
Isabella Helmuth Hospital: 1889
Rochester Homoeopathic Hospital: 1889
St. Marthas Sanitarium and Dispensary, Brooklyn: 1889
Florence Hospital of New York City: 1890
Flower Surgical Hospital, New York City oder New York Free Homoeopathic Hospital: 1890
Lexington Heights Hospital, Buffalo: 1890
Metropolitan Hospital, Blackwell`s Island: 1894
Homoeopathic Hospital, Ward`s Island: Gab es nach 1894 nicht mehr
Utica Homoeopathic Hospital, Utica: 1895

Homeopathic Hospital – Utica, N.Y.
















Muncie Sanatorium, Brooklyn: 1895
Syracuse Homoeopathic Hospital, Syracuse: 1896
Harlem Homoeopathic Hospital and Dispensary: 1896
The Yonkers Homoeopathic Hospital and Maternity Home: 1896
The Mt. Vernon Homoeopathic Hospital: 1897
Twenty-sixth Ward Homoeopathic Hospital, Brooklyn: 1899
Muncie Seaside Sanitarium, Babylon: 1897
Liberty Homoeopathic Sanitarium for Tuberculosis, Liberty: 1898
Homoeopathic Hospital and Dispensary, Mount Vernon: 1899 noch nicht eröffnet
Harlem Homoeopathic Hospital, New York: 1899 noch nicht eröffnet
Utica City Hospital
Homoeopathic Hospital, Middletown
Homoeopathic Insane Asylum, Middletown
Homoeopathic Hospital, Rochester
New Homoeopathic Hospital, Albany
Middletown State Homoeopathic Hospital

Ohio:
Cleveland Homoeopathic Hospital (Lake Street Hospital): 1856, bestand nur für wenige Jahre
St. Vincent`s Hospital: 1860
Wilson Street Hospital, Cleveland: 1866
Cleveland Protestant Homoeopathic Hospital (Huron Street Hospital):  1868
United States Marine Hospital, Cleveland: 1869, wurde später ein allopathisches Krankenhaus
Cleveland Workhouse Hospital: 1870-1881
Cincinnati Ophthalmic and Aural Institute: 1872
Toledo Protestant Hospital: 1877
Cleveland Homoeopathic Hospital, Cleveland: 1867
Toledo Hospital, Toledo: 1874
Ohio Hospital for Women and Children, Cinncinnati später Women`s Free Dispensary Association of Cinncinati: 1882
Maternity Hospital, Cleveland: 1891
Dr. C.E. Sawyer Sanitarium, Marion: 1895
Hospital of the State Penitentiary at Columbus: wurde nur für kurze Zeit als homöopathisches Krankenhaus geführt
Cleveland Homoeopathic Hospital College
Sixth Avenue Private Hospital, Columbus

Oregon
Portland Methodist Hospital: 1886, ab 1895 ein homöopathisches Krankenhaus

Pennsylvania
Cholera Hospital, Philadelphia: 1832
Homoeopathic Hospital of Pennsylvania später Homoeopathic Hospital of the Hahnemann Medical College of Philadelphia: 1852
Lancaster Almshouse Hospital: 1860
War Hospital of Philadelphia: 1862, wurde nach dem Krieg geschlossen.
Homoeopathic Medical and Surgical Hospital and Dispensary of Pittsburgh: 1866

Homeopathic Hospital – Pittsburg, Pa.
















Homoeopathic Hospital of Philadelphia: 1871-1886
Pennsylvania Homoeopathic Hospital for Children: 1877, ging später in das Hahnemann College Hospital ein
Children`s Homoeopathic Hospital of Philadelphia: 1877
Medical, Surgical and Maternity Hospitals of the Women`s Homoeopathic Association of Pennsylvania: 1882
Eye and Surgical Institute, Philadelphia: 1886
Gynaecological Hospital, Philadelphia: 1888
Hamst Hospital, Erie: 1881
St. Vincent Hospital: Erie: 1875
Walter`s Sanitarium, Walter`s Park: 1877
The Homoeopathic Medical and Surgical Hospital of Reading: 1887
Homoeopathic Medical and Surgical Hospital of Reading: 1891
Reading Homoeopathic Hospital: 1891
The Women`s Southern Homoeopathic Hospital of Philadelphia: 1895
St. Luke`s Homoeopathic Hospital of Philadelphia: 1895
Hahnemann Hospital, Scranton: 1897
Elmwood Hall, Elmhurst: 1898
Easton Sanitarium, Easton: 1894
Woman`s Southern Homoeopathic Hospital, Philadelphia: 1896
Hahnemann Homoeopathic Hospital, Scranton: 1897

Hahnemann Hospital – Scranton, Pa.















The West Philadelphia Homoeopathic Hospital and Dispensary: 1903
Harrisburg Hospital: wurde später ein allopathisches Krankenhaus
Convent Infirmary of Benedictine Sisters, Erie: kein reguläres Krankenhaus, aber die Schwestern führten homöopathische Behandlungen durch
Allentown Homoeopathic Hospital
State Homoeopathic Hospital, Allentown
Chester Homoeopathic Hospital
Homeopathic Hospital, Reading
Homoeopathic Hospital, Scranton
Homeopathic Hospital, Pittsburgh
Pennsylvania Homoeopathic State Hospital for the Insane
The Pennsylvania Homoeopathic Hospital for Children
J. Lewis Crozer Home and Hospital for Incurables

Rhode Island
Rhode Island Homoeopathic Hospital, Providence: 1881

Homeopathic Hospital of R.I.– Providence, R.I.















Vermont
The Sparhaw Sanitarium, Burlington: 1887

Wisconsin
Pennoyer Sanitarium, Kenosha: 1889

Quellen:
Bradford, T.L. Homoeopathic Bibliography of the United States. Philadelphia 1892.
Haehl, R. Samuel Hahnemann. Bd. I. Leipzig 1922.
King, W. History of Homoeopathy and its Institutions in America. Bd. I-IV. New York and Chicago 1905.
Smith, T. Homoeopathic Organisations and Institutions in the United States.
Transactions of the American Institute of Homoeopathy 55(1899).
Orginalpostkarten aus der Sammlung Dr. K.-H. Gypser

Dr. H. Gypser
Schäferei 22
56653 Glees



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Hintergrund zur Geschichte der Amerikanischen Homöopathie und ihrer Institutionen

Geschrieben von PD Dr. med Dr. phil Josef M. Schmidt

Einleitung
Die Frage nach den Gründen der Verbreitung von Heilsystemen (einschließlich ihrer personellen und institutionellen Infrastruktur) ist eine Frage, die bislang noch von keiner Einzelwissenschaft zufriedenstellend erklärt werden konnte. Weder reichen statistische Wirksamkeitsnachweise noch philosophische Syllogismen noch soziologische, ökonomische, psychologische oder ähnliche Gesichtspunkte allein aus, um wirklich verstehen zu können, warum zum Beispiel die Homöopathie in den USA im 19. Jahrhundert einen so mächtigen Aufschwung, im 20. Jahrhundert dagegen einen so dramatischen Abschwung erlebte.

Allentown Academy um 1900, USA
Die Ausbreitung des von Hahnemann begründeten und in kanonischer Form (Organon der Heilkunst) hinterlassenen homöopathischen Heilverfahrens verlief zudem – wie ein vergleichendes Studium seiner Geschichte zeigt – in den einzelnen Ländern und Epochen höchst unterschiedlich, je nach kulturellen, wissenschaftlichen, religiösen, politischen, wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen, so daß sich kein einheitliches Muster einer vermeintlich linearen Weltgeschichte der Homöopathie angeben läßt. Obwohl die inhaltlichen Argumente der Vertreter und Kritiker stets dieselben blieben, gab es nicht immer und überall im gleichen Umfang charismatische Arzt-Persönlichkeiten, wohlwollende Machthaber und Mäzene, politisch aktive Patientenvereine, einen freien medizinischen Markt sowie interessierte Pharmaunternehmen und Verleger. Aus den variablen nationalen Konfigurationen dieser und ähnlicher Faktoren resultierten erstaunliche zeitliche Verschiebungen in der jeweiligen Institutionalisierung der Homöopathie (in Form von Gesellschaften, Ausbildungsstätten, Krankenhäusern, Apotheken, Zeitschriften und Lehrbüchern), in der Professionalisierung der homöopathischen Ärzteschaft (einschließlich deren Verhältnis zu homöopathischen Laienpraktikern) oder in der staatlichen Anerkennung.

Die Geschichte der Homöopathie und ihrer Institutionen in den USA stellt insofern eine Besonderheit dar, als im sprichwörtlichen Land der unbegrenzten Möglichkeiten die Saat der homöopathischen Lehre, nachdem sie in den 1820er Jahren über den Atlantik gelangt war, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts weltweit die eindrucksvollsten Früchte hervorbrachte.  So zählte man in den Vereinigten Staaten 1898 etwa 20 homöopathische Colleges, 140 homöopathische Krankenhäuser, 57 homöopathische Dispensatorien, 9 nationale, 33 bundesstaatliche und 85 lokale homöopathische Gesellschaften sowie 31 homöopathische Zeitschriften. Diese bis dahin unübertroffene Erfolgsgeschichte konnte von europäischen Homöopathen nur staunend und wohl auch etwas neidvoll aus der Ferne zur Kenntnis genommen werden. Inzwischen hat sich die Richtung des anerkennenden Blicks eher wieder umgekehrt. Verglichen mit der geringen Zahl von heute nur noch rund 100 national (im AIH) organisierten amerikanischen homöopathischen Ärzten hat die Homöopathie in Europa, insbesondere in Deutschland, einen zwar langsamer gewachsenen, auf lange Sicht aber solideren Status erreicht (DZVhÄ, Zusatzbezeichnung der Ärztekammer, Bestandteil der Approbationsordnung usw.).

Hahnemann Hospital – Buffalo, N.Y.
Der medizinische Markt im 19. Jahrhundert
Als Einstieg in das komplexe und facettenreiche Thema des Aufstiegs und Niedergangs der Homöopathie in den Vereinigten Staaten von Amerika (als Hintergrund für ein Verständnis des Auftauchens und Verschwindens zum Teil gewaltiger homöopathischer Krankenhäuser) bietet sich – als ein Aspekt unter vielen – der Gesichtspunkt des medizinischen Marktes an. Aus dieser Perspektive betrachtet, hatte die Homöopathie in den USA Anfang des 19. Jahrhunderts bei weitem die besten Startchancen, nachdem dort im antimonopolistischen Geist der Ära Andrew Jacksons die Zulassungsgesetze für Ärzte abgeschafft worden waren und fortan auch „irreguläre“ Heiler legal praktizieren konnten. Bei diesem durch die Politik geschaffenen Standortvorteil konnten homöopathische Ärzte in Amerika von Anfang an, statt sich – wie in Europa – mühsam und meist vergeblich um die Anerkennung durch staatlich sanktionierte Medizinalbehörden zu bemühen, zügig und ohne Umschweife die Gründung eigener Gesellschaften, Colleges und später auch Krankenhäuser in Angriff nehmen.

Bei der Gründung ihrer ersten nationalen Organisation, des American Institute of Homeopathy (1844), waren die homöopathischen Ärzte sogar schneller als ihre schulmedizinischen Kollegen, die sich erst 1847 zur American Medical Association (AMA) zusammenschlossen – als Reaktion auf die homöopathische Konkurrenz. Hauptgrund für die Gründung der AMA war zum einen, das verlorene Ansehen der gewöhnlichen Ärzte bei der Bevölkerung durch neue Ausbildungsstandards wiederzugewinnen, zum anderen aber die Abgrenzung gegenüber homöopathischen Ärzten, mit denen fortan alle Zusammenarbeit verboten war (Konsultations-Klausel, ethischer Kodex). Diese Ausgrenzungspolitik von seiten der Schulmedizin begünstigte die Verbreitung der Homöopathie aber eher als daß sie ihr schadete, indem sie den homöopathischen Ärzten sowohl zu einer eigenen (heterodoxen) Identität als auch zur Unterstützung durch weite Teile der Bevölkerung verhalf. Unter den liberalen amerikanischen Verhältnissen Mitte des 19. Jahrhunderts hatte eine Schulmedizin, die weder bessere Heilerfolge noch eine wissenschaftliche Grundlage ihrer Therapie vorweisen konnte noch sich staatlicher Privilegien erfreute, offenbar nichts Besseres gegen die homöopathische Konkurrenz aufzubieten als diese fragwürdige Art des politischen Kampfes.

Homeopathic Hospital, Iowa City, Ia
Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten städtischen Krankenhäuser gegründet wurden und die Homöopathen gleiche Rechte bei der Besetzung der Abteilungen forderten, erwies sich die geschlossene Abwehrhaltung der „regulären“ Ärzte allerdings als wirksam. Während die Stadtverwaltungen meist bereit waren, etwa ein Viertel der Stationen den homöopathischen Ärzten zuzuteilen, konnten die regulären Ärzte Zugeständnisse dieser Art durch Androhung eines Boykotts bis etwa 1880 verhindern.

Einen weiteren Kampfplatz zwischen Homöopathie und regulärer Medizin stellten zur geichen Zeit die mit Steuergeldern unterstützten Staatsuniversitäten dar, wo sich reguläre Professoren lange weigerten, Studenten, die zusätzlich Vorlesungen von Homöopathen hörten, weiter zu unterrichten – da dies genügt hätte, von der AMA der Verletzung des ethischen Kodex beschuldigt zu werden. In der Tat mußten sich die vom Ausschluß bedrohten Professoren vor dem Schiedsgericht der AMA letztlich mit Argumenten wie diesem verteidigen, daß nicht einmal im kirchlichen Bereich Vertreter eines religiösen Dogmas dafür bestraft würden, daß sie gelegentlich auch für zufällig anwesende Ungläubige predigten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts näherten sich die beiden getrennt voneinander existierenden und sich bekämpfenden medizinischen Schulen immer mehr einander an. Die reguläre Medizin verließ die heroischen Praktiken vergangener Jahrzehnte, verwandte vermehrt Einzelmittel sowie geringere Dosen von Medikamenten und übernahm zahlreiche Substanzen aus der homöopathischen Materia medica in ihren eigenen Arzneischatz. Andererseits benutzten immer mehr Homöopathen auf eine empirische und eklektische Weise oft dieselben regulären Fertigpräparate unbekannten Inhalts wie ihre „allopathischen“ Kollegen.
Die homöopathische Ärzteschaft stand ab den 1870er Jahren somit vor dem Problem, wie sie in einer Welt ohne „heroische“ Medizin, von der sie sich früher scharf hatte abgrenzen können, ihre Identität bewahren konnte, zumal das starre Festhalten an Dogmen im Zeitalter naturwissenschaftlicher Entdeckungen keine Zukunftsperspektive zu haben schien. Die Folge dieses Dilemmas war einerseits 1881 die Gründung der International Hahnemannian Association (IHA), mit der sich die Puristen unter den Homöopathen von ihren eklektischen Kollegen distanzierten. Andererseits führte die Tendenz zahlreicher regulärer Ärzte, das Verbot der Zusammenarbeit mit homöopathischen Kollegen immer laxer auszulegen, 1882 auch zu einer Spaltung der regulären ärztlichen Profession – die erst 1903 wieder vereint werden konnte, nachdem der alte „Code of Ethics“ von 1847 revidiert worden war.

Image
Homeopathic Hospital – Ann Arbor, Michigan
In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entwickelte sich sogar eine regelrechte Zusammenarbeit zwischen regulären und homöopathischen Ärzten – als es darum ging, sich gemeinsam gegen neue medizinische „Sekten“ wie Osteopathen, Chiropraktiker, Christian Science oder ähnliches abzugrenzen. Man kam überein, daß die Zulassung zum Arzt künftig nur noch erhalten sollte, wer vor bestimmten (gemischten oder getrennten) Gremien, die ausschließlich aus regulären, homöopathischen und eklektischen Ärzten bestanden, eine Prüfung abgelegt hat.

Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts stand dem Interesse der zahlreichen privaten Colleges, möglichst viele (zahlende) Studenten auszubilden, das Interesse der Ärzteschaft an einer Beschränkung der Ärztezahl und an einer Standardisierung der Ausbildung gegenüber. Bei der ständigen Patt-Situation blieb der Ausbildungsstand der Ärzte lange Zeit erschreckend schlecht. Gegen Ende des Jahrhunderts kristallisierten sich endlich als gemeinsame Ziele sowohl der medizinischen Gesellschaften und Zulassungs-Gremien als auch eines führenden Blocks von Colleges folgende heraus: Anhebung der Aufnahmebedingungen, Spezifizierung der Curricula, Beseitigung der finanzschwächsten privaten Schulen und Reduzierung der Zahl der Absolventen.

Die medizinische Ausbildungs-Reform im 20. Jahrhundert
Die nun folgende landesweite medizinische Ausbildungs-Reformbewegung wurde vor allem durch die Expansion der Städte, den Ausbau der Kommunikationsmittel sowie den Eindruck der wissenschaftlichen Erfolge der Medizin in Deutschland und Frankreich begünstigt, wo es wesentlich weniger medizinische Fakultäten, dabei aber wesentlich mehr Vollzeit-Professoren gab. Finanziell ermöglicht wurde die Reform durch die um die Jahrhundertwende entstehenden großen Stiftungen amerikanischer Philanthropen, deren bedeutendste die Carnegie Foundation (1906) und die Rockefeller Foundation (1913) waren. So besaßen zum Beispiel alle medizinischen Colleges zusammen 1891 ein Vermögen von knapp $ 1/2 Mill.; demgegenüber gaben zwischen 1903 und 1934 neun Stiftungen allein $ 150 Mill. an medizinische Institutionen.
1906–1907 ließ das „AMA Council on Medical Education“ die einzelnen Colleges von Vertretern der AMA sowie der Lizenzierungs-Behörden besuchen und in Qualitäts-Klassen einteilen. Im Hintergrund stand das erklärte Ziel, die Zahl der medizinischen Colleges, die im Jahre 1904 noch 166 betragen hatte, auf 31 zu reduzieren. Hand in Hand damit ging eine Untersuchung der „Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching“, deren Ergebnisse 1910 von Abraham Flexner veröffentlicht wurden (Flexner-Report) und weitreichende Folgen hatten.

Homeopathic Hospital – Rochester, N.Y.
Gemessen am neu festgelegten Standard, der sich an der 1893 gegründeten Johns Hopkins Medical School als Modell orientierte, hatte die Mehrzahl der damals existierenden Colleges nun keine Existenzberechtigung mehr. 20 Schulen schlossen angeblich noch vor der Publikation des Reports, um in diesem gar nicht erst erwähnt zu werden. 92 weitere fusionierten entweder mit anderen oder schlossen zwischen 1904 und 1915 angesichts der Diskrepanz zwischen den neuen Standards und ihren finanziellen Möglichkeiten für immer ihre Pforten – darunter relativ viele homöopathische Colleges sowie fast alle „schwarzen“ Colleges. Da man keine mögliche Rolle für die kleineren privaten Schulen sah, wurden praktisch alle finanziellen Mittel auf den Ausbau vor allem der großen, renommierten Universitäten konzentriert. Während der wirtschaftlichen Depression verringerten sich die Zuschüsse aus Stiftungsgeldern zwar wieder, doch war bis dahin bereits die moderne Struktur von großen, gutausgerüsteten medizinischen Zentren unwiderruflich etabliert.

Obwohl John D. Rockefeller senior sich selbst homöopathisch behandeln ließ und in Briefen ausdrücklich wünschte, daß es weiterhin auch homöopathische Schulen geben solle, kanalisierten sein Sohn sowie dessen Berater Starr J. Murphy und Frederick T. Gates die Millionen der Stiftung so, daß keines der homöopathischen Colleges etwas davon erhielt. Bis 1960 sind insgesamt ca. $ 600 Mill. in die Reform der regulären medizinischen Colleges geflossen. Demgegenüber verfügten von den letzten homöopathischen Colleges etwa das Hahnemann Medical College of Philadelphia 1921 über ein Gesamtvermögen von $ 325.000, und das Hahnemann College of Chicago über $ 537.000.

Kritiker der damaligen politischen Entscheidungen sprechen heute von „anti-homeopathic bias“ des Flexner-Reports, mit dem Argument, daß sowohl die Kriterien des damals festgesetzten medizinischen Standards speziell die homöopathischen Colleges benachteiligte, als auch Flexner selbst in seinem Report, der dann die Grundlage für die Entscheidungen der Stiftungen über die Förderungswürdigkeit einzelner Projekte bildete, offen gegen die Homöopathie Partei ergriff. Von den 22 homöopathischen Colleges von 1900 gab es 1913 noch zehn, 1919 noch fünf, 1923 noch zwei – die schließlich innerhalb der nächsten Jahrzehnte den Unterricht in Homöopathie endgültig einstellten. Das letzte homöopathische Diplom wurde 1950 in Philadelphia ausgestellt.

Unter der von der AMA mitbestimmten Politik wurden die Weichen für die Medizin des 20. Jahrhunderts gestellt, die durch zunehmende Spezialisierung, Apparatemedizin, Betonung der Palliativ- und Notfallmedizin, Verflechtungen mit der pharmazeutisch-technischen Industrie, staatliche Unterstützung, internationale Standardisierbarkeit und nicht zuletzt eine strikte Zeitökonomie gekennzeichnet ist, die sich in der relativ geringen Honorierung des ärztlichen Gesprächs widerspiegelt. Durch die einseitige Ausrichtung an einer an immer größeren Großkliniken gelehrten Einheitsmedizin wurde weder die Notwendigkeit von alternativen Ansätzen noch die Möglichkeit der Einrichtung kleinerer Medizinschulen erwogen.

Homeopathic Hospital – Rochester, N.Y.
Die homöopathischen Krankenhäuser
Dies sind in etwa die großen Linien, die die Rahmenbedingungen für den Aufstieg sowie den Niedergang der Homöopathie und ihrer Institutionen in den USA bildeten. Neben der relativ problemlosen, unbürokratischen Gründung von homöopathischen Gesellschaften, Zeitschriften, Colleges und Krankenhäusern während des ganzen 19. Jahrhunderts war es ab der Zeit der zunehmenden Annäherung beider Schulen, vor allem ab den 1880er Jahren, für Homöopathen möglich geworden, auch städtische Krankenhäuser (oder einzelne Stationen) mit Absolventen homöopathischer Colleges zu besetzen, in den Militärdienst einzutreten oder in gemischten Zulassungsgremien mitzuarbeiten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, war die Ausbildung in regulären und in homöopathischen Colleges weitgehend vergleichbar (ließ sie doch bei beiden viel zu wünschen übrig), zumal sich der unterrichtete Stoff lediglich in den Fächern homöopathische Therapeutik und Materia medica unterschied.

Inwieweit in jener Zeit des Synkretismus und Eklektizismus die zahlreichen von homöopathischen Ärzten oder Gesellschaften betriebenen Krankenhäuser tatsächlich das Attribut „homöopathisch“ verdienten, läßt sich aufgrund der dürftigen Quellenlage im Nachhinein kaum noch entscheiden. Bedenkt man allerdings, daß selbst heute, in einer Zeit von Goldstandards, Leitlinien und Qualitätskontrollen, längst nicht in allen Krankenhäusern oder Praxen, die sich als homöopathisch bezeichnen, wirklich ausschließlich genuine puristische Homöopathie betrieben wird, so scheint zumindest eine gewisse Zurückhaltung des Urteils angebracht zu sein.

Lehrerkoll. d. hom. Colleges, Phil. 1903
Als Beispiel einer möglicherweise „typisch“-homöopathischen Karriere zur Zeit um die Jahrhundertwende möge Florence Ward dienen, die 1887 vom (homöopathischen) Hahnemann Medical College in San Francisco graduiert wurde und nach diversen Weiterbildungen in Europa ab 1911 als Chirurgin ihr eigenes Florence Ward Sanatorium in San Francisco betrieb. Obwohl sie zeitlebens zu den Homöopathen gerechnet und 1906 sogar zur ersten weiblichen Vize-Präsidentin des AIH gewählt wurde, findet sich merkwürdigerweise in keinem ihrer zahlreichen klinischen Artikel, die sie in homöopathischen Zeitschriften veröffentlichte, irgendein Hinweis auf eine homöopathische Medikation oder auf die Homöopathie als solche. Möglicherweise hatte diese außergewöhnliche Frau und dreifache Mutter, die 1915 Fellow des American College of Surgeons wurde, von Anfang an primär eine Karriere als Chirurgin im Sinn und das dazu erfolderliche vierjährige Medizin-Studium nur deshalb an einem homöopathischen College absolviert, weil es für Frauen damals nicht sehr viele Alternativen gab. Ihre spätere praktisch-therapeutische Tätigkeit unterschied sich jedenfalls allem Anschein nach – wenn überhaupt – nur minimal von der ihrer „regulären“ Kollegen.

Der Gegensatz zwischen regulären und homöopathischen Institutionen wurde durch die zunehmende Angleichung der Ausbildungs-Inhalte der Colleges sowie die Reglementierung der technischen Standards von Krankenhäusern immer mehr verwischt. So ereilte nach dem Flexner-Report (1910) auch die homöopathischen Krankenhäuser dasselbe Schicksal wie die homöopathischen Colleges. Mangels materieller und ideeller Unterstützung schlossen sie entweder ihre Pforten oder verschmolzen mit schulmedizinischen Einrichtungen – was meist an die Bedingung geknüpft wurde, den „sektiererischen“ Namen „homöopathisch“ abzulegen.

Eines der am längsten bestehenden „homöopathischen“ Krankenhäuser war zum Beispiel das Hahnemann-Hospital in San Francisco, das trotz einer Fusion mit der University of California 1918 seinen Namen behalten konnte, bis es 1975 (zu Ehren des Stifters des dritten Neubaus) in Marshal Hale Memorial Hospital umbenannt wurde. 1988 fusionierte es mit dem anliegenden Children’s Hospital, das seinerseits 1991 mit dem Presbyterian Hospital zum heutigen California Pacific Medical Center verschmolz. Schon seit vielen Jahrzehnten wird in dem Haus keine Homöopathie mehr betrieben.

Ausblick
Trotz des Verschwindens all der imposanten Institutionen und Gebäude ist die Homöopathie auch in den USA weiterhin lebendig, wenn auch in reduzierter Form und auf anderen Wegen. Um das gänzliche Verschwinden der Homöopathie zu verhindern, gründete 1921 Julia M. Green mit einer Gruppe von Hochpotenz-Homöopathen eine Stiftung (American Foundation of Homeopathy) zur Organisation einer Weiterbildung in Homöopathie für schulmedizinisch ausgebildete Ärzte. Da sie aber auch Laien einbezog, verweigerte das AIH die Zusammenarbeit, und die erhoffte ärztliche Nachfrage blieb aus. Als die Homöopathie gegen Mitte des 20. Jahrhunderts ihren Tiefpunkt erreicht hatte, kehrte die seit 1881 vom AIH abgespaltene Fraktion IHA 1959 wieder in die Mutterorganisation zurück. Homöopathische Colleges waren inzwischen aus der medizinischen Landschaft verschwunden und selbst an den wenigen Staatsuniversitäten, wo zeitweise Professuren für homöopathische Vorlesungen eingerichtet wurden, war das Interesse der Studenten weitgehend geschwunden. Nachdem klar geworden war, daß die Homöopathie ihren Nachwuchs allein aus der Ärzteschaft nicht mehr gewinnen konnte, definierte das 1974 gegründete National Center for Homeopathy im Jahre 1980 die Homöopathie als „Postgraduate Specialty of Medicine Practiced by Licensed Health Care Professionals“. Die Einbeziehung von zugelassenen nicht-ärztlichen Therapeuten in die professionelle „Homeopathic Community“ bei gleichzeitiger Abgrenzung gegenüber unkontrollierter Laienpraxis erwies sich unter den gegebenen Umständen offenbar als die erfolgversprechendste Strategie, um die bereits tot gesagte Homöopathie wiederzubeleben.

Die jüngste Entwicklung der Homöopathie in Amerika begann mit dem Auftreten George Vithoulkas in den 1970er Jahren in Berkeley/California und mündete über diverse Zwischenstufen der Zersplitterung seiner Schüler in die von ihnen losgetretene Homöopathie-Debatte, die als Spiegel unserer heutigen Zeit im Internet neue Quellen produzierte (s. www.Grundlagen-Praxis.de). Insofern scheint die Geschichte der Homöopathie noch lange nicht zu Ende zu sein.

Literatur
Josef M. Schmidt: Die Entwicklung der Homöopathie in den Vereinigten Staaten. Gesnerus 51 (1994) 84–100.
Josef M. Schmidt: Die Verbreitung der Homöopathie in den USA. In: Homöopathie 1796–1996. Eine Heilkunde und ihre Geschichte. Berlin 1996, S. 101–114.
Josef M. Schmidt: Homeopathy in the American West: its German Connections. In: Culture, Knowledge, and Healing. Historical Perspectives of Homeopathic Medicine in Europe and North America. Sheffield 1998, S. 139–172.

PD Dr. med. Dr. phil.
Josef M. Schmidt
Bozzarisstraße 34
81545 München




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Homöopathie in der Kinderklinik - damals und heute

Geschrieben von Dr. Christian Lucae

Die Entstehung homöopathischer Krankenhäuser des 19. und 20. Jahrhunderts ist mittlerweile unter verschiedenen Aspekten medizinhistorisch aufgearbeitet worden. Die Geschichte beginnt – wie so oft in der Homöopathie – mit heftigen Auseinandersetzungen und Grabenkämpfen: Samuel Hahnemann selbst schaltete sich während der Gründungsphase des ersten homöopathischen Krankenhauses in Leipzig 1833 in die Diskussion ein. Er verurteilte den ersten Direktor des Krankenhauses, Moritz Müller, gar als “Bastardhomöopathen” – letztlich von der Sorge getrieben, die in der Klinik angewandte Homöopathie entspräche nicht den in seinem “Organon der Heilkunst” entworfenen Vorschriften. Das 19. Jahrhundert erlebte viele weitere, mehr oder weniger erfolglose Versuche, homöopathische Krankenhäuser in Deutschland dauerhaft zu etablieren.1 In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgten vor allem die zahlreichen homöopathischen Krankenhäuser in Amerika für Furore (s. dazu die Beiträge von H. Gypser und J.M. Schmidt in diesem Heft). Im 20. Jahrhundert war das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart (gegründet 1940) das vermutlich erfolgreichste Krankenhaus auf dem Feld der Homöopathie.

Belladonna (1. Fall)
Über die konkrete Anwendung der Homöopathie an Krankenbetten der historischen Krankenhäuser ist dagegen nur wenig bekannt. Aus der Frühzeit der Homöopathie sind zwar einzelne Schilderungen damaliger, homöopathischen Behandlungen überliefert, Details über den medizinischen Alltag sucht man allerdings meist vergebens. Über die aufgenommenen Patienten, die Krankheiten und die Behandlungen in späteren Krankenhäusern, wie beispielsweise das London Homoeopathic Hospital (gegründet 1889) oder das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart, gibt es inzwischen einzelne Untersuchungen.2
Im Bereich der Kinderheilkunde ist das Lebenswarthische homöopathische Kinderspital in Wien (1879-1914) erwähnenswert: Durch Kasuistiken, die der damalige Klinikdirektor in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung veröffentlicht hatte, kann man heute einen kleinen Eindruck gewinnen, wie die damalige homöopathische Therapie in der Klinik vonstatten ging.3 Am Beispiel dieses ersten homöopathischen Kinderkrankenhauses im deutschsprachigen Raum soll im Folgenden angedeutet werden, welche Krankheiten damals behandelt wurden, welcher homöopathische Behandlungsstandard etabliert war, und warum sich dieses Behandlungskonzept in einer modernen Kinderklinik nicht mehr umsetzen ließe.

Homöopathie am Lebenswarthischen homöopathischen Kinderspital (1879-1914)
Erste Ansätze, die medizinische Versorgung kranker Kinder von der der Erwachsenen zu trennen, lassen sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. So konnte beispielsweise in Wien 1787 erstmals eine speziell für kranke Kinder eingerichtete Poliklinik, das “Kinder-Krankeninstitut”, eröffnet werden. Mit der Gründung weiterer Kinderkrankenhäuser hat sich die Pädiatrie in Österreich – im Gegensatz zu Deutschland und anderen Ländern – schon relativ früh neben der Erwachsenenmedizin etabliert.

Vor diesem Hintergrund konnte im Jahre 1879, mithilfe einer eigens eingerichteten wohltätigen Stiftung, ein erstes homöopathisches Krankenhaus für Kinder in Wien eingerichtet werden. Das mit 40 Betten ausgestattete Krankenhaus war unmittelbar an das bereits bestehende homöopathische Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern angegliedert und verfügte über einen eigenen Isolierpavillon, um vor allem Kinder mit Diphtherie, Scharlach und anderen infektiösen Krankheiten von den übrigen Patienten fernzuhalten.
Unter welchen Krankheiten litten nun die kleinen Patienten? Zunächst einmal muss man berücksichtigen, dass sich die stationär aufgenommenen Patienten meist in einem sehr schlechtem Allgemein- und Ernährungszustand befanden: Damals wurden bei etwa der Hälfte der Patienten “Scrophulose” (konstitutioneller Zustand mit Drüsenschwellungen, Augenentzündungen und bestimmten Hauterscheinungen, der als begünstigend für das Erkranken an Tuberkulose galt) und “Rhachitis” (Vitamin D-Mangel) diagnostiziert. Häufige Krankheiten, die zur Aufnahme führten, waren vor allem Magen- und Darmkatarrhe, Tuberkulose, Bronchitis, Lungenentzündung oder Masern. Die häufigsten Todesursachen waren Lungentuberkulose, tuberkulöse Hirnhautentzündung, Scharlach, ferner Masern, Diphtherie, Lungen- und Ohrenentzündungen.

Durch die beiden Ärzte Eduard Huber und Ignaz Klauber, die nacheinander als Primaria am Kinderspital wirkten, sind einzelne Kasuistiken überliefert. Huber berichtete über einen Patienten mit der gefährlichen, damals fast immer tödlich verlaufenden, tuberkulösen Meningitis (Fallgeschichte 1).

Fallgeschichte 1
“Nach Möglichkeit individualisirend wurden im ersten Stadium Belladonna, Atropin, Hyoscyamus, Glonoin, Apis verordnet, im zweiten und dritten Apis, Mercur. solub. oder coros., Cuprum, Helleborus. Der geheilte 3jährige Knabe wurde am 3. Febr. aufgenommen mit heftigem Fieber, Kopfschmerz, Erbrechen und erhielt die ersten zwei Tage Aconit. Bald begann der Kranke zu schielen, den Kopf in das Kissen zu bohren, die Pupillen reagirten nicht gegen das Licht, das Kind lag apathisch da, der Bauch war kahnförmig eingezogen, kein Stuhl; Belladonna 4. wurde verabreicht. Einige Tage danach kam ein normaler Stuhl spontan, was als Fingerzeig Belladonna fortzugeben, angesehen wurde. Allmälig und einzeln traten die anderen Symptome zurück, nur das Auge behielt noch lange einen matten, theilnahmslosen Blick. Patient wurde am 7. März geheilt entlassen, nachdem er einige Tage vorher zweimal täglich Sulphur 6. eingenommen hatte.”4

Heutzutage wäre der kleine Patient mit Sicherheit auf einer Intensivstation mit entsprechenden Tuberkulostatika behandelt worden. Inwieweit die damalige – wohl alleinige – homöopathische Behandlung mit Tiefpotenzen zur Genesung führte, muss dahingestellt bleiben. Immerhin verfügte man mit der Homöopathie aber über ein methodisch nachvollziehbares Behandlungssystem, das der “allopathischen Konkurrenz” jener Zeit nicht zur Verfügung stand. Vor der Antibiotikaära mussten Infektionskrankheiten einfach “ausgesessen” werden.
Über die Therapie der Diphtherie findet sich eine kurze Schilderung aus dem Jahre 1879 (Fallgeschichte 2).

Fall 2
“In zwei Fällen genuiner Diphtheritis, die noch nicht weit gediehen, aufgenommen wurden, stieg die Krankheit nach stattgefundener Besserung des Rachens in den Kehlkopf hinab und beide endeten tödtlich, trotz angewandter Brominhalationen und innerlicher Anwendung von Mercur jodat. oder Brom. Aeusserlich gab Referent im Beginne Mercur cyanat. 4 zum Gurgeln, später auf mehrseitige Aufforderung die von Goullon empfohlene Carbolsäure.”5

Diese Art der homöopathischen Therapie erscheint heute eher befremdlich: Inhalationen und Gurgellösungen statt innerlicher Therapie? Erstaunlicherweise war die Diphtheriestatistik der Kinderklinik im Vergleich zu den “allopathischen” Krankenhäusern sehr gut, es soll deutlich weniger Todesfälle gegeben haben. Ob die homöopathischen Ärzte des Krankenhauses auch auf die damals aufkommende Behandlung mittels Tracheotomie, Intubation und Anwendung des Diphtherieserums zurückgriffen, ist allerdings nicht bekannt.
Eine dritte Kasuistik erläutert die damalige Behandlung des Scharlachs, der auch heute noch mit Belladonna oder verschiedenen Mercurius-Präparaten homöopathisch behandelt werden würde (Fallgeschichte 3).

Fall 3
“Ein 5jähriger Knabe wurde am 6. Dezember 1878 mit Scarlatina aufgenommen und es wurde ihm Belladonna 4. verordnet. Schon am folgenden Tage war der Rachen dick belegt, weshalb er abwechselnd mit Belladonna 4. Merc. cyan. 6. bekam, welches letztere Mittel nach 24 Stunden gegen Merc. bijod. 4. vertauscht wurde, da sich der diphtheritische Process auf den Kehlkopf fortgepflanzt hatte. Auch klagte der Kranke, wenn er aus dem Sopor durch lautes und wiederholtes Anrufen geweckt wurde über heftige Ohrenschmerzen, welche ihm auch im soporösen Zustande klägliches Jammern ablockten. [...] Der brandige Zerfall der Membranen gab sich auch durch den Foetor und die aus Nase, Mund und Ohren ausfliessende Jauche zu erkennen. Die Abschuppung erfolgte in kleinen Schuppen, der eiweisshaltige Urin war spärlich, doch kam es zu keinem Hydrops und Patient wurde am 20. Jan. gesund und kräftig entlassen.”6


Eine weitere Kasuistik aus dem Jahre 1883 schildert die Behandlung von Masern (Fallgeschichte 4).

Fall 4
“Anna Krauss, 3 Jahre alt, Appreteurstochter (Bett No. 2), aufgenommen am 20. November. Sehr schwaches Kind, wird wegen eines am linken Ohr und an der Unterlippe sitzenden Ekzems, das schwach nässt und dessen Secret zu blutigen Borken eintrocknet, in Pflege genommen. Einzelne ekzematöse Flecken finden sich noch am ganzen Körper zerstreut. Ordination: Petroleum 3. 3stündlich.- 4. Dec.: Patientin ist von ihrem Ekzem zum grössten Theile befreit, als sich heute ohne ausgeprägte Vorboten eine Maserneruption einstellt, die am stärksten an den oberen Extremitäten – besonders stark an den Händen – sehr schwach im Gesichte und am Stamme ausgeprägt ist. Ordination: Bellad. 3. 3stündlich.– 5. Dec.: Hustet sehr stark, viel Rhonchi auf der Brust, keine Dämpfung.- 7. Dec.: Ist hinfällig, hustet noch immer viel. Masernausschlag verläuft normal.- 9. Dec.: Zu den obigen Symptomen gesellt sich Ohrenfluss. Zwei flüssige Stühle am Tage. Ordination: Pulsatilla 3. 3stündlich.- 10. Dec.: Morbillenexanthem geschwunden.- 12. Dec.: Wenig Appetit, erholt sich nicht. Deutlich nachweisbare Infiltration der rechten Lungenspitze. Ohrenfluss geringer. Dafür stellt sich Stomatitis ein mit vielen eitrigen Blasen an Ober- und Unterlippe. Ordination: Mercur. vivus 6. 3stündlich.- 14. Dec.: Drei bis vier Diarrhoen am Tage.- 16. Dec.: Mundaffection geschwunden, Tuberculose im Fortschreiten. Patientin wird ihren Eltern, die sie in eigene Pflege nehmen wollen, am 16. Dec. übergeben.”7


Die retrospektive Beurteilung dieser Kasuistiken sollte mit großer Vorsicht erfolgen: zuwenig ist darüber bekannt, inwieweit neben der Homöopathie auch andere Maßnahmen im Krankenhaus – allen voran ein guter hygienischer Standard und eine gesunde Ernährung – zur Genesung der Patienten beitrugen. Immerhin lässt sich aber doch ein kleiner Eindruck gewinnen, mit welchen Krankheiten man es damals zu tun hatte, und in welchem Zustand sich die Kinder damals befanden.

Homöopathie in heutigen Kinderkliniken
Derzeit gibt es in Deutschland nur an wenigen Krankenhäusern die Möglichkeit, offiziell homöopathisch zu behandeln (s. dazu den Beitrag von C. Trapp in diesem Heft). Im Bereich der Kinderheilkunde besteht seit 1995 das Modellprojekt “Homöopathie in der Pädiatrie“ am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München, und in den letzten Jahren sind glücklicherweise weitere Kinderkliniken dabei, die Homöopathie in das Behandlungsspektrum aufzunehmen (s. dazu den Beitrag von S. Kruse in diesem Heft).

Selbstverständlich unterscheidet sich die heutige Standardtherapie ganz erheblich von den oben geschilderten Möglichkeiten des 19. Jahrhunderts, und so ist auch die Standortbestimmung der Homöopathie gänzlich neu vorzunehmen. Für den Bereich der Pädiatrie wurden dabei im Rahmen des Modellprojekts Schwerpunkte erarbeitet, bei denen der Einsatz der Homöopathie in der Kinderklinik besonders sinnvoll sein kann: Dazu zählen die Neonatologie und Säuglingsstation, die Onkologie und die Kinderchirurgie.8 Aber auch in anderen Abteilungen einschließlich der Ambulanz lässt sich die Homöopathie erfolgreich integrieren. Dabei bietet der klinische Alltag unzählige Situationen, in denen die Homöopathie – in aller Regel begleitend zu den üblichen Maßnahmen – erfolgreich eingesetzt werden kann. Selbst die Infektionskrankheiten, die zwar nicht unbedingt zu den typischen Schwerpunkten der homöopathischen Therapie in der Klinik zählen, können sinnvoll homöopathisch begleitet werden.9

Die Homöopathie in der modernen Kinderklinik ist damit als echte “Komplementärmedizin”, also Ergänzung der konventionellen Medizin, zu verstehen. Besonders in Situationen, bei denen Therapienotstand herrscht, sollte die Homöopathie in der Klinik ihre Chance erhalten. Eine enge Verzahnung von konventioneller und homöopathischer Therapie ist möglich und in den meisten Fällen auch sinnvoll.

Image
Pulsatilla – Fall 4
Diese Überlegungen setzen voraus, dass die Homöopathie nicht als Alternativmedizin oder gar Konkurrenz zur konventionellen Medizin missverstanden wird, sondern ihren Platz in der Kinderklinik als echte Ergänzung der therapeutischen Palette erhält. Die nach wie vor vielerorts anzutreffende, stark ablehnende Haltung vieler Klinikärzte gegenüber der Homöopathie kann nur durch einen Dialog und ein konstruktives Miteinander überwunden werden. Die Ablehnung resultiert vermutlich oft aus der Angst, eine Therapie vor Patienten vertreten zu müssen, die sie selbst nicht ganz verstehen. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass sich Homöopathie und diagnoseorientierte “Schulmedizin” nicht innerhalb desselben Denkkollektivs10 bewegen: Viele Ärzte können – oder wollen – nicht aus dem eigenen Denkkollektiv heraustreten und auch einmal andere Zugänge zu Krankheitsverständnis und Therapie zulassen. Aber nicht nur die „Schulmediziner“ müssen auf die homöopathischen Kollegen zugehen: Auch die homöopathischen Ärzte müssen sich um eine gemeinsame Sprache bemühen, die in der Klinik von den Kollegen verstanden wird und als Basis für die gemeinsame Arbeit dient.

Eine gute Zusammenarbeit von Assistenzärzten, Oberärzten und Chefärzten in der Klinik ist unbedingt notwendig. Ziel der Behandlung sollte schließlich immer der beste und schonendste Weg sein – zum Wohl der kleinen Patienten.

Anmerkungen
1 Eppenich H: Geschichte der deutschen homöopathischen Krankenhäuser. Von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Heidelberg 1995

2  Leary L, Lorentzon M, Bosanquet A: It Won’t Do Any Harm: Practice and People at the London Homoeopathic Hospital, 1889-1923. In: Jütte, Robert et al. (Ed.): Culture, Knowledge, and Healing: Historical Perspectives of Homeopathic Medicine in Europe and North America. Sheffield 1998, S. 251-273; Faltin T: Homöopathie in der Klinik. Die Geschichte der Homöopathie am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus von 1940 bis 1973. Stuttgart 2002

3 Lucae C: Das “Lebenswarthische homöopathische Kinderspital” in Wien (1879-1914) - zur Geschichte des ersten homöopathischen Kinderkrankenhauses im deutschsprachigen Raum. Medizin, Gesellschaft und Geschichte 1999, 18: 81-102

4  Huber E: Bericht über das Lebenswarth’sche homöopathische Kinderspital in Wien für das Jahr 1880. Allgemeine Homöopathische Zeitung 103 (1881): 185-186

5 Huber E: Sitzungsberichte des Vereines der homöop. Aerzte Oesterreichs. Sitzung vom 7. Februar 1879. Allgemeine Homöopathische Zeitung 99 (1879): 123-125

6  Huber E: Bericht über das Lebenswarth’sche homöopathische Kinderspital in Wien für das Jahr 1879. Allgemeine Homöopathische Zeitung 101 (1880): 21-22

7 Klauber I: Bericht über die behandelten Kranken im homöopathischen Kinderspitale in Wien von Ende September bis Ende December 1883. Allgemeine Homöopathische Zeitung 108 (1884): 110-111

8  Kruse S, Dorcsi-Ulrich M, Lucae C: 10 Jahre Homöopathie am Dr. von Haunerschen Kinderspital. Allgemeine Homöopathische Zeitung 251 (2006): 11-20

9  Lucae C: Homöopathie bei Infektionskrankheiten in der Kinderklinik. Allgemeine Homöopathische Zeitung 251 (2006): 21-26

10  Fleck L: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. Frankfurt am Main 1993

Dr. Christian Lucae
Heinrich-Marschner-Str. 70
85598 Baldham


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Homöopathie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilian-Universität München

Geschrieben von von Dr. Sigrid Kruse

Seit 1995  können die kleinen Patienten des  Dr. von Haunerschen Kinderspitals  homöopathisch behandelt werden. In diesem Jahr war es Frau Dr. Mira Dorcsi-Ulrich und ihrem Ehemann Mathias Dorcsi gelungen, ihre Vision zu realisieren, die Homöopathie an eine Universitätsklinik zu bringen. Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung finanzierte das „Modellprojekt Homöopathie“  sechs Jahre lang und stabilisierte damit die Homöopathie als Begleittherapie in dieser Klinik, so dass sie jetzt, 2006, nicht mehr wegzudenken ist.
Die Besonderheit dieses an deutschen Kinderkliniken einmaligen Projekts ist der Einsatz der Homöopathie im ständigen Dialog mit der Schulmedizin.

Das Dr. von Haunersche Kinderspital ist eine der renommiertesten Kinderkliniken mit Vorreiterfunktion für die Pädiatrie in Deutschland. Bronchoskopie, Knochenmarktransplantation, Neugeborenen-Screening, Epidemiologie bei Allergie und Asthma und  Spezialabteilungen wie Neurologie, Gastroenterologie, Allergologie, Immunologie, Onkologie sind weithin bekannt. Nun gehört die Homöopathie auch dazu.

Die Patienten werden von approbierten Ärztinnen mit einer Zusatzausbildung in Homöopathie betreut. Das aktuelle Homöopathie-Team besteht aus der Leiterin Frau Dr. Sigrid Kruse, der Assistenzärztin Frau Dr. Katharina Adam und der niedergelassenen homöopathischen Kinderärztin Frau Dr. Mira Dorcsi-Ulrich, die für eine regelmäßige Supervision zur Verfügung steht..

Wie jeder andere Fachbereich innerhalb der Universitätsklinik, erfüllt die Homöopathie drei  Aufgaben:
Patientenversorgung
Forschung
Lehre

Patientenversorgung 
Die kranken Kinder werden mit homöopathischen Einzelmitteln behandelt, die nach einer ausführlichen Anamnese nach der Ähnlichkeitsregel ausgewählt werden.

Das Angebot einer homöopathischen Begleittherapie besteht schwerpunktmäßig für die stationären Patienten. Die begonnene homöopathische Behandlung kann auf Wunsch nach dem stationären Aufenthalt ambulant fortgeführt werden.

Das Spektrum der behandelten Krankheiten erstreckt sich durch die gesamte Kinderheilkunde: in der Notfallambulanz können akute virale Infekte wie Bronchitis, Pharyngitis und Gastroenteritis begleitend homöopathisch behandelt werden. Im Bereich der chronischen Krankheiten werden beispielsweise bei Atopie (Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma bronchiale), bei Mukoviszidose, bei neurologischen Krankheiten wie Migräne, Tic, Epilepsie, Prader-Labhart-Willi-Syndrom, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) und bei Infektionsanfälligkeit gute Erfolge erzielt.

Im stationären Bereich stellen die Onkologie, die Neonatologie und die Kinderchirurgie wichtige Schwerpunkte dar.

Bei krebskranken Kindern hat sich die begleitende homöopathische Behandlung zum Abfangen der Nebenwirkungen der Chemotherapie und Bestrahlung sowie Linderung der Operationsfolgen und der psychischen Belastung sehr bewährt. Die Nachfrage ist weiter ansteigend. Im Moment werden  ca. 70% aller Kinder der onkologischen Abteilung zusätzlich  homöopathisch behandelt. 

Bei Früh- und Neugeborenen sind Hirnblutung 3. Grades, das Drogenentzugssyndrom und andere Unruhezustände wichtige Indikationen für eine zusätzliche homöopathische Behandlung.
In der Kinderchirurgie hat sich die homöopathische Begleittherapie  bei Wundheilungsstörungen, Verbrennungen, Ängsten und andere Verhaltensauffälligkeiten nach Unfall oder Operation bewährt.

Forschung
Der goldene Standard einer wissenschaftlichen Studie ist derzeit eine kontrollierte, randomisierte, doppelblinde und möglichst placebokontrollierte Studie.

Diese Studienbedingungen sind ideal für Studien in der konventionellen Medizin geeignet, wenn Medikament A und Medikament B (oder Placebo) in ihrer Wirkung bei einer bestimmten Erkrankung verglichen werden sollen.

Dr. Sigrid Kruse und Dr. Mira Dorcsi
In der Homöopathie ist das in dieser Form oft nicht möglich. Vor allem bei chronischen Erkrankungen ist es wichtig, aus allen homöopathischen Arzneien die für das einzelne Kind individuell passende Arznei verordnen zu können, auch in einer Studie. Außerdem belasten diese strengen und künstlich geschaffenen Studienbedingungen das für eine Heilung sehr wichtige Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bzw. seinen Eltern, insbesondere bei der Behandlung von Kindern mit chronischen Krankheiten. Aus diesen genannten Gründen untersuchten wir zunächst die Krankheitsverläufe nach homöopathischer Therapie unter realen Bedingungen und führten Beobachtungsstudien zu verschiedenen Erkrankungen durch.

Bei unseren Beobachtungsstudien werden alle Kinder mit dem individuell gewählten homöopathischen Einzelmittel behandelt, dann der Krankheitsverlauf genau dokumentiert und später ausgewertet. Es gibt keinerlei Einschränkungen in der Arzneimittelwahl, alle Kinder bekommen ihre spezifisch passenden arzneilichen Globuli.

Mithilfe von Beobachtungsstudien kann beurteilt werden, wie viele der behandelten Kinder von der Homöopathie profitiert haben. Anschließend lässt sich dann entscheiden, ob eine weitere Studie mit einer Vergleichsgruppe sinnvoll ist, um den Effekt der homöopathischen Therapie bei dieser Erkrankung im Vergleich mit der konventionellen Therapie (oder mit Placebo) sicherer einzuschätzen.

Zu folgenden Themen wurden bisher Beobachtungsstudien durchgeführt und ausgewertet:
Enuresis, rezidivierende Harnwegsinfektionen, Prader-Labhart-Willi-Syndrom, Hirnblutung 3. Grades bei Früh- und Neugeborene, Drogenentzugssyndrom bei Neugeborene, postpunktionelles Syndrom, Infektionsanfälligkeit, Tic/Gilles-de-la-Tourette-Syndrom

Bei folgenden durchgeführten Beobachtungsstudien steht die Auswertung noch aus:
Kopfschmerzen/Migräne, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom, nephrotisches Syndrom, Stomatitis nach Methotrexat, Nebenwirkungen der Chemotherapie (Übelkeit/Erbrechen), Mukoviszidose, Asthma bronchiale/chronischer Husten.

Einzelheiten finden Sie auf der Website des Fördervereins GLObulus e.V.: www.globulus.org

Lehre
Seit Jahren finden im Dr. von Haunerschen Kinderspital verschiedene Homöopathie-Fortbildungen für Ärzte, Medizinstudenten, Pflegepersonal, Eltern und interessierte Laien statt.

Zusätzlich wurde im Jahr 2002 das Internationale Symposium „Homöopathie in Klinik, Praxis und Forschung“ als jährliche Fortbildungsveranstaltung geschaffen.

Bei dieser eintägigen Veranstaltung steht der Dialog zwischen konventioneller Medizin und Homöopathie im Zentrum.

Résumée und Ausblick in die Zukunft
Im Anfang fand die Homöopathie wenig Akzeptanz in der Ärzteschaft. Wiederholte Heilerfolge bei einzelnen Kindern  stärkten zunehmend das Vertrauen in diese besondere Therapierichtung. Inzwischen wird ein Homöopathie-Konsil  von jeder Station und von den Ambulanzen so selbstverständlich wie jedes andere Konsil angefordert. Die Integration der Homöopathie ins Dr. von Haunersche Kinderspital der Universität München ist gelungen. Darin liegt die große Chance für die weitere Verbreitung der Homöopathie  in andere Kinderkliniken.

Dr. Sigrid Kruse
Dr. von Haunersches
Kinderspital,
Lindwurmstr. 4,
80337 München


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