Auszüge aus
"GUDJONS aktuell - März 2007"



Nunc vos potentes omnes herbas deprecor, exoro vos maiestatemque vestram, quas parens tellus generavit et cunctis gentibus dono dedit medicinam sanitatis.

Jetzt rufe ich euch an, ihr mächtigen Kräuter, und ich flehe zu eurer Majestät: denn euch hat die Mutter Erde erzeugt und allen Völkern als Arznei zur Heilung geschenkt.

(Anruf der Rhizotome des Altertums, ehe sie sich ans Werk begaben) zu finden mit Quellenangabe in Julius Mezger Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre, Bd. I, 3. Seite


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Editorial
Arzneiherstellung im Labor Gudjons
Erlebte Arzneien
Erlebnisberichte der Phosphorverreibung
Phosphor: in der Ambivalenz von Licht und Schatten


Editorial

Geschrieben von Brita Gudjons


Am 9. und 10. April 1987 habe ich Mezereum, den Seidelbast, als erste Arznei durch Verreibung der frischen Zweigrinde von Daphne mezereum auf C1, C2, C3 hergestellt. Diese Arbeit fand in der Apotheke am Atzelberg in Frankfurt zufällig zu Hahnemanns Geburtstag statt.

Wie schnell sind diese 20 Jahre vergangen!

Die Zeit fließt schneller und schneller dahin. 24 Stunden sind schon lange nicht mehr, was sie einmal waren. Immer wenn ich von meiner Arbeit aufschaue, so wie ein Maulwurf, der gelegentlich einmal aus der Erde in das Tageslicht eintaucht, ist wieder 1 Jahr vorbei.

Wie kann das sein? Was geht hier vor? Hat sich die Qualität der Zeit verändert? Nach meinem Erleben ja.

In dieser Jubiläums-Ausgabe von Gudjons-aktuell finden Sie eine Beschreibung der Entwicklungsstufen des Labors und die Geschichte meiner Arzneiherstellung, die zu einem guten Teil auch meine Geschichte ist.

Arzneiverreibung hat mein Leben ganz besonders geprägt. Frau Dr. Barbara Bichsel analysiert und erklärt die Arzneiverreibung aus dem Erleben und Denken heutiger homöopathischer Ärzte.

Die Veränderung der Zeitqualität sehe ich am deutlichsten in der Erweiterung des Bewusstseins der Menschen von heute, was sich auch in dem genannten Artikel andeutet.

Ein Geburtstagsgeschenk von Herrn Dr. Hadulla, ein Päckchen Phosphor, finden Sie auf Seite 29 und die Geburtstagsbonbons an Sie, meine verehrten Leser und Freunde der Homöopathie, können Sie auf der letzten Seite auswickeln…

B. Gudjons







Arzneiherstellung im Labor Gudjons

Geschrieben von Brita Gudjons

Apotheke am Atzelberg Frankf./Main
Die Herstellung homöopathischer Arzneien ist mit meiner Biographie so eng verwoben, dass ich beides nicht mehr voneinander trennen kann. In diesem Sinne ist auch die Geschichte zu verstehen, die ich Ihnen hier erzähle.

„Wir leben in einer ganz besonderen, jedoch sehr gefährlichen Zeit, in der eine neue globale Kultur allen Widerständen zum Trotz allmählich Gestalt annimmt. Die Integration menschlicher Kultur und menschlichen Wissens ist die Herausforderung unserer Zeit. Es ist unbedingt erforderlich, dass dieser Prozess sich auf der Ebene der Wissenschaften vom Heilen vollzieht. Heilen bedeutet stets, zur Einheit finden. Wenn unser heilkundliches Wissen nicht integriert werden kann, wie können wir als Menschen untereinander zur Einheit finden?“

Diese Zeilen, dem Vorwort eines Buches über ayurvedische Kräuterheilkunde(1) entnommen, seien als Einleitung gewählt, da sie ebenso für die Homöopathie gelten.

Als Mitte der 60iger Jahre die Entscheidung zu meinem Pharmaziestudium fiel, konnte ich die Integration menschlicher Kultur und menschlichen Wissens weder denken noch ahnen. Mein Weltbild wurde gerade durch das universitäre und materiell-mechanistische Denken strukturiert. Im Studienablauf gab es ein paar Tage, die der Homöopathie gewidmet waren. Alle Studenten, auch der Professor, waren sich darüber einig, dass es sich dabei um etwas Obskures handele und man pharmazeutisch gesehen lediglich über die Verdünnungsunterschiede zwischen D- und C-Potenzen und die Technik des Vorgehens beim Potenzieren reden könne.

Apotheke am Atzelberg Frankf./Main
Als junge Apothekerin bekam ich Mitte der 70er Jahre eine nicht diagnostizierbare Erkrankung. Das war der erste Anlass, die Methoden der Schulmedizin zu hinterfragen und alle zu dieser Zeit bekannten naturheilkundlichen Methoden kennen zu lernen. Dadurch kam ich mit den Themen und Methoden der Heilpraktiker und Ärzte für Naturheilweisen in Berührung und wurde 1978 selbst Heilpraktikerin. Eine dieser „alternativen Methoden“ war die Homöopathie.

Die Tür zur Homöopathie öffnete mir Dr. Mathias Dorcsi 1976 in einem Seminar in Baden bei Wien – und eine unglaubliche Heilung durch 3 kleine weiße Zuckerkügelchen.

Die Vorträge von Dr. Dorcsi beeindruckten mich derartig, dass ich in eine regelrechte Seminareuphorie verfiel. Dieser Zustand, scheinbar bedingt durch den Eintritt in neue Welten, löste eine Sucht aus, die ich nur durch Teilnahme an allen damals angebotenen Homöopathie-Fortbildungen befriedigen konnte, angefangen von den Repertorisationskursen auf Spiekeroog mit Dr. Künzli, Dr.von Ungern-Sternberg und Dr. Tiedemann, die Bad Brückenauer A-B-C-Kurse und solchen im Krankenhaus für Naturheilweisen in München Harlaching unter Dr. Braun und Dr. Zimmermann bis hin zu den Homöopathie-Tagen auf Schloss Weidenkam von Dr. Stübler. Tagungen bei der Fa. Wala und Weleda eröffneten mir den Blick in die Geisteswissenschaften.

Die Bücherberge um mein Bett herum wurden immer höher. 1978/79 fing ich neben meiner täglichen Apothekenarbeit in einer Heilpraktikerpraxis mit dem Ausarbeiten von Anamnesen an, damals noch mit den Repertorisationsbögen, die der eine oder andere von Ihnen sicher noch kennt. Die tägliche Beratung in der Apotheke wurde zu einer Homöopathie-Beratung und damit zu meinem Rettungsanker. Wie hätte ich sonst Apothekerin bleiben können, wenn mir meine allopathischen Mittel und Ärzte nicht einmal selber helfen konnten?

In einem mir selbst zunächst unbewussten, langsam fortschreitenden Prozess bildeten sich Wege zu den neuen Themen meines Lebens. Dieser Prozess war begleitet von einer Umwandlung meines Bewusstseins und Weltbildes: aus der Welt der Naturwissenschaft meiner Studienzeit zu einer Welt der Energiestrukturen als Information in materiellen und materiefreien Zuständen und geisteswissenschaftlichen Sphären.

Es ging auch darum, eine rational lineare Denkweise zu verlassen. Es ging um ein Bemühen eines nichtlinearen Vorgehens mit intensiver Sicht auf das Ganze anstelle von Betrachtung und Analyse „mikroskopischer Teile“(2).

Apotheke am Atzelberg Frankf./Main
Die ersten zehn Jahre nach meiner Bekanntschaft mit der Homöopathie konnte ich mich unglaublich darüber ärgern, dass ich nicht verstehen konnte, wie sie funktioniert. Dieser Ärger wandelte sich langsam in dem Maße, wie ich bereit war anzuerkennen, dass sie wirkt, auch wenn ich nicht wusste, wie! Das, was hier in drei Zeilen steht, war ein jahrelanges, zähes Ringen, den Standort zu halten, der da hieß: der Mensch weiß alles und kann alles, und wenn vielleicht auch nicht heute, so doch sicher morgen, garantiert. Wetten, dass…

Diesen Standort musste ich dann endlich aufgeben, oder besser gesagt, in einen Ort der Demut umwandeln, der nun heißt: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Zu einem zentralen Thema wurde die Frage: „Was ist Materie? Was potenzieren wir eigentlich? Und was geschieht mit der Materie in diesem Prozess?“

Die Berge der Bücher um mein Bett herum wurden noch höher….

Die Antwort auf die Frage: „Was ist Materie?“ suchte ich bei den Schöpfungsmythen der verschiedenen Religionen und in der Physik, bei den Schamanen der Indianer und Hawaianer, bei Rudolf Steiner und Frau Blawatzki, bei Alchemisten und in den Veden…

Auf dem Weg von fester Materie zu Schwingungsmustern, von Naturwissenschaft zu Geisteswissenschaft fand ich Tore zu vielen verschiedenen Welten in unserem Kosmos.
In all diesen Welten erhielt ich kostbare Geschenke für meine spätere Arbeit mit den Pflanzen und Arzneirohstoffen.

Mit Staunen und Ergriffenheit lernte ich aus den Büchern von indianischen Schamanen, wie dem vom „Weißen Adler“, den Umgang mit Pflanzen und allen Wesen der Natur.

Capra verblüffte mich mit der Aussage, das Entstehen der kleinsten Materieteilchen vorwärts und rückwärts in der Zeit erinnere ihn an den Tanz des Shiva(3).

Der “Tanz des Shiva“ wurde zur Weichenstellung in der Hindu-Philosophie und den Veden.

Bei Maharshi, dem Meister vom Berg Arunachala in Tiruannamalai erkannte ich das „Ich bin“, das mich zurück zur Mystik des Christentums führte.

Yoganada half mir, ein nicht lineares Denken zu akzeptieren.

Bei Frau Dr. von Ungern-Sternberg in Bochum lernte ich die Bedeutung der Intention als entscheidende Energie zu erkennen, die den Wert der Gedanken und Taten in unserem Leben bestimmt.

Von Dora Schmidt–Nagel, die bekanntlich eine Anhängerin der Hindu-Philosophie war, lernte ich, den Wert einer Arbeit mit der Arznei in einem meditativen Zustand schätzen.

Das sind nur einige Beispiele, die sich nicht alle auf die Vorbereitung zur Arzneiherstellung, sondern auch auf meine persönliche Weiterentwicklung auswirkten.

Meine Lehrer der Homöopathie
Die Lehrer der Kurse A-B-C und anderer Tagungen waren, wie auch heute, unsere Therapeuten, Ärzte und Heilpraktiker.

Prof. Junius in der Apotheke beim Atzelberg
Sie waren bereit, alle erdenklichen Fragen zu beantworten. Durch mein intensives Verhältnis zur Homöopathie und den Wunsch, ihr zu dienen, entstanden persönliche Kontakte zu diesen Lehrern. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, die Väter meiner Arzneiherstellung waren Dr. Klunker, Dr. Stübler, Dr. Gypser und Raimund Friedrich Kastner. Nichts, aber auch nichts habe ich selbst erfunden. Ich habe alles nur nachgemacht, Fragen gestellt und die Antworten verarbeitet. Eine bedeutende Frage war: Was macht die Qualität der Arznei aus?

Dr. Gypser wusste immer Themen in der Homöopathie, die der weiteren Erforschung bedurften, um „die Homöopathie dort auf feste Säulen zu stellen, wo der Untergrund sumpfig war“, wie er zu sagen pflegte. Ulrike Schober, Andreas Grimm und ich bildeten eine kleine Arbeitsgruppe, die unter seiner Anleitung unklare Quellen von Ausgangssubstanzen bearbeiteten. So entstanden die Artikel über Bryonia, Murex, Causticum, Hekla lava und die Spinnen, die in den Zeitschriften AHZ und KH veröffentlicht wurden.

Herr Dr. Gypser hatte sich mit der Entstehung der Repertorien und der Herkunft der einzelnen Teile aus Arbeiten verschiedener Ärzte, wie z.B. Hahnemann, Kent und Hering, genauer befasst und wusste daher, dass Prüfungssymptome gleicher Arzneien aus Prüfungen verschiedener Ärzte stammten und die Übereinstimmung der Ausgangsstoffe zur jeweiligen Arznei nicht immer gegeben war. Es ist ja leicht nachzuvollziehen, dass der Therapeut die Arznei für seinen Patienten verwenden möchte, die die Symptome im Repertorium verursacht hat. Ein Gedanke, der den Autoren des HAB zunächst fremd war. Hier ist zu erkennen, warum Hahnemann seinen Patienten die Arznei aus eigener Hand geben, ja diese selbst herstellen wollte (§264, Organon der Heilkunst, VI Aufl.).

Die Herstellung
Im Rückblick sehe ich deutlich, dass Lebensumstände, Bekanntschaften, Informationen wie von unbekannter Hand gesteuert, zur Herstellung von Arzneien nach Hahnemanns Vorbild führten.
Bei einer Feier am Bodensee 1983 hatte Dr. Klunker geäußert, es solle doch jemand alle wichtigen Arzneien mit sauberer Dokumentation nach Hahnemanns Angaben herstellen. Ich fühlte mich als einzige Apothekerin zwischen den anwesenden Ärzten genauso angesprochen wie 1976, als Dr. Künzli auf Spiekeroog sagte, es solle doch ein Apotheker in Deutschland die Hochpotenzen von Schmidt-Nagel importieren, damit die deutschen Ärzte leichteren Zugang zu den Mitteln hätten.

Nach meinem Kenntnisstand der besuchten Fortbildungsveranstaltungen dachte ich zunächst an die Herstellung von C-Potenzen. Peter Bartel überzeugte mich, mit den Q-Potenzen anzufangen. Es erschien mir auch logisch, die Arzneien herzustellen, die Hahnemanns letztem Entwicklungsstand entsprachen.

So entstand am 9. und 10. April 1987 Mezereum als erste Arznei durch eine Lactose-Verreibung C1, C2, C3 und den anschließenden Schritten, wie im §270, Organon der Heilkunst, VI. Aufl., beschrieben. Damals war mir gar nicht aufgefallen, daß der 10. April Hahnemanns Geburtstag war. In den folgenden 10 Jahren wurde Hahnemanns Geburtstag in jedem Jahr mit den Ärzten meiner Umgebung ausgiebig gefeiert.

Beim Verreiben von Mezereum fühlte ich mich von einem heißen Wüstenwind angeblasen. Beim Verreiben von Symphytum entstand der Eindruck, in ein wunderweiches, kühlendes Gel eingehüllt zu werden.

Mit Dr. Gypser als Mentor und Diskussionspartner zum Thema „wie stellt man eine optimale Arznei mit hoher Qualität her“, entstanden im ersten Jahr etwa 80 Arzneien bis Q 12. Die erste Beurteilung der Wirkungsweise der Arzneien durch bekannte Ärzte fiel sehr gut aus.
Auch nach Beginn der Arzneiherstellung besuchte ich Homöopathie-Fortbildungen. Oft begleitete ich Dr. Gypser auf seinen Seminarreisen z.B. in die Schweiz und nach Italien oder nahm an seinen Fortbildungen in Baden-Baden und später an seiner v. Boenninghausen Arbeitsgemeinschaft teil.

Die Ausgangsstoffe
C-Potenzen entstanden erst ab 1988 durch Auflösen der C3-Verreibung nach einer Hahnemannschen Angabe (CK, Bd. 3). Von C4 bis C1000 wird handverschüttelt im Verhältnis 1 Tropfen zu 100 Tropfen in eigens dafür hergestellten 7,5ml Flaschen. Mit diesen Flüssigkeiten werden Globuli direkt imprägniert: C6, C12, C30, C200, C1000. Später, nach HAB, wird die Verreibung bis C6 fortgesetzt und von da aus flüssig potenziert.

Mitglieder der Bönninghausen-Arbeitsgemeinschaft 6. Mai 1995
Die Ausgangsstoffe werden sorgfältig nach den Angaben in „Hahnemann: Chronische Krankheiten, Bd. 1-5 (CK)“ und in „Hahnemann: Reine Arzneimittellehre, Bd. 1-6 (RAL)“ ausgewählt und frisch verrieben. Ebenso wird mit Flüssigkeiten verfahren. Dabei wird ein Tropfen einem Gran gleich gesetzt. Um die Zusammensetzung der Ausgangsstoffe exakt mit der der Erstprüfung in Übereinstimmung zu bringen, werden Hahnemanns Herstellungsvorschriften genau nachvollzogen. Es sollten die gleichen Verunreinigungen entstehen, wie bei Synthesen in seiner Zeit. Phosphorsäure wurde aus Rinderknochen hergestellt (CK V S. 79). Kalium carbonicum über eine Siedeperle, die sich im Keller über Winter verflüssigte (CK IV S. 1). Phosphorus entstand durch Verreibung von gelbem Phosphor mit angefeuchteter Lactose (CK V S. 1). Die aufsteigenden weißen Dämpfe mit phosphorisierenden grünen Funken darin vermittelten das unheimliche Gefühl, in einer mittelalterlichen Hexenküche zu stehen. Essigsäure wurde aus Weinessig destilliert. Für Calciumfluorit wurde das Mineral als Rohstoff ausgewählt. Graphit wurde aus einem Graphitstück hergestellt, das aus dem Museum der Graphitmine im englischen Cumberland stammte (CK III S. 291). Für die Rohsubstanz zu Hekla lava unternahm ich eine Reise nach Island, wo sich der Vulkan namens Hekla befindet. Aloe soccotrina stammt von der Insel Soqotra, die im Indischen Ozean südlich vom Jemen liegt. Diese Abenteuerreise unternahm ich in Begleitung von Herrn Dr. J. Wachsmuth, der lange im Jemen gearbeitet hatte.

Arzneien, die zu Zeiten von Hering und anderen Prüfern Eingang in die Therapie fanden, wurden nach alten Synthesevorschriften von Herrn Venzago, einem Schweizer Chemiker, im Apothekenlabor der Apotheke am Atzelberg in Frankfurt hergestellt, die ich damals betrieb.
Jede Arznei hat ihre eigene spannende Geschichte.

1990 erteilte mir die zuständige Aufsichtsbehörde in Darmstadt auf Antrag eine Herstellungserlaubnis nach Hahnemanns Arbeitsweise, die ich genau beschrieben mit Kopie der Originalliteratur eingereicht hatte.

Umzug nach Bayern
1993 verlegte ich die Arzneiherstellung nach Stadtbergen in ein dafür eigens errichtetes Gebäude. Dieses war unter der Beratung der Aufsichtsbehörde, der Regierung von Schwaben, nach den bestehenden Gesetzen gebaut worden. Die Beamten der bayerischen Aufsichtsbehörde bestätigten die Herstellungserlaubnis aus Hessen.

Labor Gudjons in Deuringen
Durch den Umzug und die Herstellung außerhalb der Apotheke wurde ich zu einem pharmazeutischen Unternehmer und war dadurch den Gesetzen für Arzneihersteller unterworfen. Die zunehmend straffere Gesetzgebung für Pharmazeutische Unternehmer sorgte anhaltend für Arbeit durch Umstellung in der Laborausrüstung. Die Anpassung an die GMP-Richtlinien verlangte Luftfilter-Einheiten an den Arbeitsplätzen, Klimaanlagen, Einteilung nach Hygienezonen, weitergehende Dokumentationen der Arbeitsabläufe, regelmäßige Schulung der Mitarbeiter und eine unübersehbare Menge von SOPs (Special Operating Procedure = genaue Beschreibung aller Tätigkeiten im Hause einschließlich Putzbeschreibungen und Protokolle für tägliches Abzeichnen). Alle geforderten Punkte umzusetzen war nur durch einen externen Berater möglich. Langfristig stellte ich einen versierten Kontroll- und Herstellungsleiter ein.

Eingang zum Labor Gudjons
Es vergingen Jahre, bis alle Anforderungen der diesbezüglich erlassenen Gesetze umgesetzt waren. Das Labor benötigte danach 25-30 % mehr Mitarbeiter zur Pflege der geforderten Dokumentationen, SOPs, Spezifikationen der Ausgangs- und Endprodukte, Analysenergebnisse aller eingehenden Stoffe, Stabilitätsuntersuchungen von Teil- und Endprodukten, sowie Anbruchstabilitäten, Wartungsverträge und Validierung der Geräte und verwendeten Software.

Registrierungen und Ablage von Dokumentationsblätter der täglich hergestellten Arzneien, auch wenn es nur eine einzige war (mit je 3 Unterschriften) füllen nun meterlang die Regale in Büro und Keller. Das dämpft den Enthusiasmus und die Arbeitsfreude erheblich, treibt die Kosten in die Höhe und verwandelt einen Arzneihersteller in einen Papierfabrikanten ...

Auf Betreiben eines Mitbewerbers wurde die Gültigkeit meiner Herstellungserlaubnis angefochten, die ich anschließend nach einem 3-jährigen Prozess mit dem Bundesgesundheitsamt verlor. Jetzt habe ich eine Herstellungserlaubnis nach §13 AMG. In Deutschland kann ein Arzneihersteller seine Arzneien nur vertreiben, wenn er nach dem gültigen Arzneibuch, in meinem Fall dem HAB, arbeitet.

Papierkriegerin im Labor
Das gültige Arzneibuch manifestiert die Interessen der pharmazeutischen Großhersteller und wurde von Pharmazeuten und nicht von Homöopathen geschrieben. Es bedeutete für mich einen ziemlichen Spagat, die Qualität zu halten. Weil ich angetreten war als „die arzneiherstellende Hand Hahnemanns, die die Medizin für den kranken Menschenbruder herstellt“ (§265, Organon der Heilkunst, VI. Aufl.). Wie kann man ein Küchensalz, das zu Hahnemanns Zeiten wohl am ehesten ein Bergsalz war, durch ein chemisch reinstes (!) NaCl ersetzen (CK IV, S. 347)? Um nur ein Beispiel zu nennen. Alle bis dahin aufwändigen Unternehmungen, getreu unseren alten Klassikern zu arbeiten, war damit nicht nur vorbei, sondern verboten.

Diese Tatsache führte zu erheblichen Beulen in meinem Emotionalkörper mit Folgen auf den physischen Anteil meiner Wenigkeit.

Ab 1998, im Zuge des BSE-Wahnsinns in Europa, bedurften alle tierisch-organischen Arzneien, zu denen auch die Nosoden zählen, einer Registrierung für den Vertrieb. Eine Registrierung bei unserer staatlichen Gesundheitsbehörde zu erlangen, ist ein weiteres großes und kostenaufwändiges Kapitel, das ich hier nur andeuten möchte.

Verreibungen
Den optimalen Aufschluss der Rohsubstanz erhält man durch eine Verreibung, wie Hahnemann sie unter anderem in § 270 seines Organons der Heilkunst VI. Auflage beschreibt. Dabei werden die Strukturen des Stofflichen auf eine geheimnisvolle Art und Weise vom Kristallwasser der Lactose übernommen und bei Wiederholen des Prozesses vervielfältigt und verfeinstofflicht.
Schon bei der ersten oben genannten Verreibung von Mezereum erlebte ich zu meiner Überraschung eine Reihe von Symptomen. Gleichzeitig sah ich wie in einem Tagtraum Bilder, die im Zusammenhang mit der Arznei zu stehen schienen. Es entwickelte sich ein Frage und Antwortspiel mit dem Wesenhaften der Arznei, wobei die Antworten in Bildern erschienen.
Nachdem ich zunächst ganz natürlich damit umgegangen war, wurde mir plötzlich der außergewöhnliche Charakter dieses Zustandes mit einem gewaltigen Schrecken bewusst. „War ich reif für die Psychiatrie?“

Menschen wie Frau Dr. von Ungern-Sternberg, Raimund Kastner und Dr. Stübler, denen ich den Verdacht gestanden hatte, trösteten mich mit der Antwort: „Es ist alles in Ordnung, es handelt sich um die Realität einer anderen Ebene.“ Trotzdem habe ich ein paar Jahre lang nicht öffentlich über diese Angelegenheit gesprochen.

Bei den täglichen Verreibungen entstand eine Art von Begrüßungsritual und Bitte um Mitarbeit des Arzneiwesens bei der Herstellung einer Arznei für die Menschen. Mein Gruß war ein Strahl von Liebesenergie aus meinem Herzen, den ich in dem meditativen Zustand bei der Arbeit genauso sehen konnte, wie die Reaktion der Arzneiwesen und ihre Gaben, die sie auf meinen Wunsch in die Reibeschale legten. Alle Wesen reagierten mit Freude und Dankbarkeit. Gerade der Ausdruck ihrer Dankbarkeit hat mich oft bis zu Tränen gerührt.

Das Ergebnis dieser Begegnungen sind acht gefüllte Aktenordner mit Notizen und Verreibeberichten sowie den Protokollen der Verreibe-Seminare für Therapeuten, die eben das selber einmal erleben wollten.

Bis heute weiß ich nicht genau, woher die Bilder, die wahrgenommen werden, stammen.
Da ich den Namen der Arznei nenne, wenn ich die Verreibung beginne, mag es das Energiefeld der Substanz sein. Ein altes alchemistisches Geheimnis, das man in Goethes Faust lernen kann. Dr. Stübler meinte, es gehe auch biographisches Material mit ein. Beim Verreiben eines Krebsgewebes habe ich feststellen können, daß mein Bewusstseinsfeld oder der Ort der Wahrnehmung nicht im Bereich meines Körpers liegt. Vielleicht verbinden wir Menschen uns mit dem Feld der Ideen, wie Plato das genannt hat.

Labor Gudjons – Ostansicht

Fussnoten:
(1)  S.1 Vasant Lad, David Frawley: Die Ayurveda Pflanzen-Heilkunde – Windpferd Verlag ISBN3-89385-002-3
(2)  S. eben da
(3)  Fritjof Capra: Das Tao der Physik, ISBN 3-502-67092-7
(4)  Causticum: Zeitschrift für Klassische Homöopathie (ZKH)Bd. 33 1989 Heft 2 Haug Verl. Heidelberg
(5)  Murex: ZKH Bd. 36 Heft 2 1991 Haug Verl. Heidelberg
(6)  Mittel aus Spinnen: ZKH Bd 39 1995 Heft 5 Haug Verl. Heidelberg
(7)  Hekla lava : ZKH Bd 37 1993 Heft 1 Haug Verl. Heidelberg
(8)  Bryonia: ZKH Bd. 35 Heft 2 1992 Haug Verl. Heidelberg



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Erlebte Arzneien

Geschrieben von Dr. p. Strub, Dr. P. Mattmann, Dr. B. Bichsel


Vor 15 Jahren fanden sich im Anschluß an Seminarien, die von Dr. A. Masi-Elizalde in Deutschland und der Schweiz gehalten wurden, einige wenige interessierte homöopathische Ärzte, um sich dem vertieften Studium der homöopathisch verwendeten Arzneimittel zu widmen. Im Laufe der Jahre entstand daraus die Interessengemeinschaft Homöopathie und geisteswissenschaftlich erweiterte Hausarztmedizin. Aktuell gehören der Gruppe Ärzte, Apotheker, Tierärzte und Heilpraktiker an.

Methodikseminar, Casina della Burraia Sept. 2006
Anfänglich bearbeiteten wir die Arzneimittel nach den Vorgaben von Dr. A. Masi-Elizalde. Im Laufe der Arbeit wurde uns bewusst, dass wir die Betrachtung durch genaues Studieren der Ausgangssubstanz einerseits und durch einen intuitiven Zugang zur Substanz andererseits erweitern müssen. Für letzteres drängte sich die Verreibungsprüfung auf. Im Seminar über Mandragora im Mai 2000 wurden wir von Brita Gudjons in die korrekte Technik der Arzneimittelverreibung eingeführt. Seither ist die Verreibung bis zur C3 ein wesentlicher Bestandteil während unserer Seminarien.

Seit 10 Jahren führen wir nun Seminarien zur Erarbeitung von bekannteren und weniger bekannten Arzneimitteln durch; u.a. bearbeiteten wir Natrium muriaticum, Sepia, Lycopodium, Phosphor, Kalium carbonicum, Quercus, Castanea, Taxus, Drosera und Hedera nach dieser Methode. Unsere Schwerpunkte sind einerseits die Erarbeitung von Polychresten, damit wir diese besser verstehen und gezielter einsetzen können. Andererseits möchten wir Arzneimittel erarbeiten, die in unserem Kulturkreis seit längerer Zeit als Heilmittel bekannt sind, aber schlecht oder gar nicht homöopathisch geprüft sind.

Methodikseminar, Casina della Burraia Sept. 2006
Im Herbst 2006 führten wir ein Theorie- und Methodikseminar durch, um im Hinblick auf die Darstellung unserer Arbeit am LIGA-Kongress in Luzern im Oktober 2006 unser Vorgehen zu überdenken und zu dokumentieren. Der nachfolgende Text ist eine gekürzte Fassung unserer darauf verfassten Methodikschrift. Die daran anschließenden Berichte vom Phosphorseminar sollen einen Einblick geben in Stimmung und Dynamik während eines dieser Seminarien.
Kontakte zu unserer Gruppe sind möglich über www.IGEH.ch

Methodik
Für die Verschreibung eines homöopathischen Medikamentes ist nach den Regeln der Homöopathie die Ähnlichkeit zwischen Krankheitsbild und dem Arzneimittelbild maßgebend. Ähnlichkeit bezeichnet die Übereinstimmung im Wesen, die anhand von charakteristischen, eigenheitlichen und besonderen Symptomen gefunden wird.

Methodikseminar, Casina della Burraia Sept. 2006
In homöopathischen Kreisen wird zwar immer wieder darüber gestritten, ob das Arzneimittelbild neben der Symptomenreihe seine Berechtigung habe und vor allem, ob das Arzneimittelbild „hahnemannkonform“ sei oder nicht. Er selber spricht zwar im Organon öfters von Krankheitsbildern und dem Aufsuchen von ähnlichen Gegenbildern in der Materia medica, nie aber explizit von Arzneimittelbildern. Wie auch immer Hahnemanns Auffassung darüber gewesen sein mag, wer den Begriff “Ähnlichkeit” ernst nimmt und zwischen “ähnlich” und “gleich” so wie auch zwischen “Bild” und “Abbild” zu unterscheiden weiß, der wird einsehen, dass die Homöopathie nicht ohne Arzneimittelbilder ausgeübt werden kann. Unbestritten bleibt meist auch, dass die Homöopathie einer phänomenologischen Betrachtungsweise entspricht.

So hat die Einsicht, dass eine Ähnlichkeit nur zwischen Bildern gefunden werden kann, immer wieder Homöopathen dazu motiviert, die gegebenen Symptomenreihen zu einem allgemein gültigen Bild zu beleben.

Die meisten zeitgenössischen Homöopathinnen und Homöopathen arbeiten mit sog. „Essenzen“, die das Wesen der Arznei zu beschreiben versuchen. Für die phänomenologische Betrachtung ist die philosophische Frage, ob einer Substanz ein Wesen zukommt, d.h. ob sie Bedeutung und Sinn hat, müßig, denn hier gibt es erkenntnistheoretisch keine vom Subjekt unabhängige objektive Welt. Diese entsteht allein im Bewusstsein des erkennenden Subjekts, das stets intentional ist, d.h. auf einen äußeren oder inneren Gegenstand ausgerichtet ist. Wir können die Dinge gar nicht erkennen, ohne ihnen eine Bedeutung, einen Sinn zu geben.

Gespräche unter dem Eichenbaum am Seminarort
So suchen die meisten Autoren aus der Fülle der Symptome die – von ihrer Sicht aus – “auffälligsten, sonderlichsten, usw.” Symptome auf, um von diesem Standpunkte aus, die übrigen darum herum in Themen zu ordnen und zu interpretieren. Dabei ergibt sich meist ein einleuchtendes Bild, sofern man gewillt ist, den Standpunkt des Autors einzunehmen. Doch nur schon die Bildung von Themen ist ein heikler Versuch, im Chaos der Symptome Ordnung zu schaffen, denn das Ordnen setzt eigentlich schon die Übersicht voraus, durch die dieses Ordnen eben erst ermöglicht werden sollte. Hier besteht die große Versuchung, dass der Mensch sich gerne auf unbewusste Themen stützt, die ihm nahe stehen (“Lieblingsthemen”). So findet jeder Autor seine eigenen Themen wieder, auf denen er sein Gedankengebäude aufbauen kann.

Die Feststellung, dass von ein und derselben Substanz viele, oft sehr verschiedene Arzneimittelbilder entworfen werden können, sollte jedoch eine Aufforderung sein, die Methodik zu hinterfragen, denn ein eindeutiges und allgemein gültiges Bild darf nicht vom Standpunkt eines Autors abhängen, sondern einzig von der Substanz selber. Es muss also eine Methode gefordert werden, die die Symptomenreihe eines Arzneimittels nach der Wirklichkeit der Substanz ordnet.

Die Arzneimittelbild-Forschung, die vom argentinischen Homöopathen Dr. Alfonso Masi-Elizalde entwickelt wurde, war eine Antwort auf diese unbefriedigende Situation. Masi bezeichnete die heutige Homöopathie als ein „nouveau-né“, ein Neugeborenes: Die Methode steckt noch in den Anfängen. Wir kennen zu wenige Arzneien ihrem genauen Wesen nach. Masi beschäftigte sich auch mit weniger bekannten Mitteln (Oligochresten) und entwickelte eine wissenschaftliche Methode, um – jenseits tradierter Arzneimittelbilder und Essenzen – zu einem neuen Verständnis des Wesens der erforschten Arzneien zu gelangen. Die wichtigsten Elemente dieser Methode sind: Rückkehr zu den Quellen (Wortlaut der Arzneimittelprüfungssymptome), Themenbildung abgeleitet aus der Gesamtheit aller Prüfungssymptome, Beizug von Symbolik, Wissen über die Substanz, Linguistik usw., Essenzbildung mittels der scholastischen Philosophie des Thomas von Aquin und der Theorie der Primärpsora, die auf der Idee eines spirituellen Mangels beruht.

Seminarteilnehmer / Kalium carb. / Febr. 2007
Die frühere Zürcher Masi-Gruppe, die sich neu „Interessengemeinschaft Homöopathie und geisteswissenschaftlich erweiterte Hausarztmedizin“ nannte, wandelte die Methodik von Masi in zwei Punkten ab: Die spekulative Hypothese von der Primärpsora wurde aufgegeben. Es war wenig plausibel, dass die Arzneien ihre Heilwirkung basierend auf einem spirituellen Defizit entfalten sollen. Von nun an betrachtete die Gruppe das Bild jeder Arznei als ein in sich vollkommenes Wesen. Wir versuchten von den negativ gefärbten Beschreibungen, wie sie in tradierten Arzneimittellehren nachzulesen sind, wegzukommen und positive Formulierungen zu finden. Zudem zeigte es sich, dass eine Methode, bei der die Betrachtung und das Erleben der Substanz in der Gruppe ins Zentrum gerückt wird, den Zugang zu den erforschten Arzneien öffnete, auch dort, wo dieser früher verschlossen geblieben war.

Im September 2006 veranstaltete die IG ein Theorie- und Methodik-Seminar in der Toscana. Das Ziel dieses Seminars war es, Klarheit über methodologische Probleme zu schaffen und die Ausformulierung der Methode zu realisieren. Dabei erkannten wir, dass die Methode, die wir ohne methodologisch-philosophische Reflexion in den Seminarien von 1997 bis 2006 entwickelt haben, in der phänomenologischen Philosophie exakt beschrieben wird.

Phänomenologie lässt sich kurz wie folgt zusammenfassen:
Es ist der Versuch, Zugang zu einer Sache zu bekommen,
– indem die Forschenden vom unmittelbar Gegebenen (Erscheinenden) ausgehen
– ihre Subjektivität miteinbeziehen
– sich Vorurteilen enthalten
– die imaginative Variation anwenden (Beobachtung auf verschiedenen Ebenen und aus verschiedener Perspektive)
– das Wesen einer Sache beschreiben oder erklären.

Die Erfahrungen aus unserer langjährigen Arzneimittelforschung zeigen, dass eine Substanz sich auf drei verschiedenen Ebenen ausdrücken kann: auf der Ebene der Substanz, auf der Ebene der Wirkung auf den Menschen und auf der Ebene der Symbolik und anderen Überlieferungen. Die dabei wahrnehmbaren Erscheinungen dieser drei Ebenen sind untereinander kohärent, entziehen sich aber jeder causalen Erklärung. Die in unserer Arbeit verwendeten Ebenen sind folgende: die Ebene der Substanz (chemische und physikalische Eigenschaften, Botanik, Zoologie); die Ebene der Arzneimittelprüfungen (Symptome beim Menschen); die Ebene des geisteswissenschaftlichen Materiales (Synonyma, Etymologie, Mythen und Geschichten). Man vergleiche dazu den Anhang über das praktische Vorgehen bei der Arzneimittelforschung.

Die Wichtigkeit der Betrachtung der drei Ebenen wird u.a. durch die nachfolgenden Gedanken zur Bedeutung der Symptome erklärt. Die Symptome einer Arzneimittelprüfung sind Reaktionen der menschlichen Lebenskraft, die offensichtlich nicht nur in verschiedenen Bereichen wirkt (z.B. Wachstum, Fortpflanzung, Gefühlsbildung u.a.), sondern zusätzlich auch individuell verschieden reagieren kann (mit Tumorbildung oder Entzündung, Destruktion, Depression, Aggression usw.), so dass ein bestimmter Reiz auf die Lebenskraft eine unüberblickbare Fülle von verschiedenen Symptomen der menschlichen Pathologie bewirken kann und umgekehrt ein bestimmtes Symptom von den unterschiedlichsten Substanzen erzeugt werden kann. Der Schluss ist nahe liegend, dass die Ordnung nicht in den Symptomen gefunden werden kann und dass die Symptome eigentlich nur interpretiert und eingeordnet werden können, wenn das Wesen der Arznei bereits erkannt wurde.

Ein weiteres Problem der Symptome liegt darin, dass Symptome meist nur eine Pathologie ausdrücken. Die philosophische Erkenntnis, dass das Böse (Pathologie) lediglich ein Mangel an Gutem (Gesundheit) ist, macht deutlich, dass die Pathologie allein nicht geeignet ist, das Wesen einer Arznei zu beschreiben. Das Arzneimittelbild muss vielmehr als Teilaspekt der Gesundheit verstanden werden können, so wie die Substanz selber ja auch ein „Sein“ und nicht ein „Mangel“ auf Erden ist.

Zur Überwindung dieser eben geschilderten Schwierigkeiten haben sich während unserer Arbeit folgende methodische Ansätze bewährt, die im Wesentlichen den Forderungen der phänomenologischen Forschung entsprechen.

1. Die Erscheinungen einer Substanz auf den drei Ebenen werden als gleichwertige Informationen betrachtet und gleichzeitig betrachtet.

2. Das Ordnen der gesammelten Symptome, Signaturen und Überlieferungen zu Themen muss als Gruppenprozess durchgeführt werden. Dadurch kann die Ebene des subjektiven Erlebens multipliziert werden, was zusätzliche Schnittstellen der Variation ergibt.

Die Zusammenarbeit in der Gruppe von mehreren Menschen hat sich bei der Erforschung eines Arzneimittels in vielen Beziehungen als besonders fruchtbar erwiesen. Die Gemeinschaft hat ihrem Wesen nach die Möglichkeit, individuelle Lieblingsthemen, Anschauungen und Meinungen (blinder Fleck) zu hinterfragen und nötigenfalls immer wieder aufzulösen. Die erneute Formulierung muss dann allerdings wieder vom einzelnen Menschen vorgenommen werden, so dass in der Gruppe ein Gleichgewicht der Gemeinschaft und Individualität angestrebt werden muss.

Die Gruppenarbeit hat zudem deutlich gemacht, dass es in der Forschung unabdingbar ist, sich auf klar definierte Grundlagen beziehen zu können. Dazu gehören nicht nur die Definitionen der Begriffe, sondern auch die eines Menschen- und Weltbildes. Die Erkenntnis, dass die Symptome nicht nur in sich auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene beim Menschen, sondern auch mit den Signaturen (der Minerale, Pflanzen und Tiere) in der Natur kohärent sind, legt ein Welt- und Menschenbild nahe, in dem die Substanz ein Teil des Menschen darstellt. So haben die bisher erforschten Arzneimittel immer einen ganz bestimmten Aspekt des menschlichen Daseins dargestellt, eine Voraussetzung, die beim Menschen erfüllt sein muss. Die Substanz selber verkörpert diesen Aspekt in vollkommener Art und Weise; der kranke Mensch drückt ihn als Gesundheit oder als Pathologie aus.

3. Das intuitive Denken erhält neben dem kausal-analytischen Denken gleichwertigen Raum. Abhängig vom Wesen eines Bildes und im Unterschied zum Gegenstand erfolgt das Erkennen des Arzneimittelbildes nicht linear entlang der gefundenen Fakten, sondern ist geprägt von einem stetigen Wechsel zwischen Erfassen und Auflösen, einem Ausformulieren und Verwerfen des angestrebten Bildes. Auch hier hält die Gruppe von verschiedenen Menschen den Prozess in Gang. Für das Verständnis dieses Prozesses kann auf die Monographie über das Kochsalz (Natrium muriaticum) verwiesen werden, denn es entspricht dem “solve et coagula”, dem fortschreitenden Prozess von Auflösen und Ordnen. Hier zeigt sich auch deutlich das Grundproblem jedes konkreten Festhaltens und Ausformulierens eines Wesenhaften: Der Begriff ist beschränkt und entspricht nur der halben Wahrheit, jedoch ohne Begriff kann das Wesen nicht erfasst und vermittelt werden.

Das Wesen kann nicht in einem gemeinsamen, auf einem Gruppenkonsens beruhenden Text beschrieben werden, weil es auf dem intentionalen Bewusstseinsakt eines jeden einzelnen Subjektes basiert. Worüber jedoch sinnvollerweise ein Konsens erzielt wird, sind die Themengruppen. Sie legen ein grobes Rohmuster, von dem aus die einzelnen Forschenden ihre individuelle Wesensbeschreibung herleiten können. Aus diesen Gründen wird auf eine zusammenfassende Ausformulierung des Wesens innerhalb der Gruppe verzichtet und die einzelnen Berichte nebeneinander stehen gelassen.

Praktisches Vorgehen bei der Arzneimittelforschung
1. Erste Begegnung mit der Substanz
Aufsuchen der Substanz (falls möglich in der Natur)
Betrachtung der Substanz
Beschreibung der Substanz
Genaue Beschreibung und Herkunft der für die Verreibung verwendeten Substanz
Anschließend Verreibeprüfung mit diesem Material bis zur C3 (ev. C4).
Gemeinsames Aufschreiben des während der Verreibung Erlebten, wobei die Äußerungen unzensuriert geäußert und möglichst wörtlich aufgenommen werden.

2. Betrachtung des naturwissenschaftlichen Materiales (Materia physica)
Vorkommen, Morphologie, Stellung in der Evolution, Verhalten, physikalisch-chemische Eigenschaften, Verwendung usw.
Auffälliges, Spezielles, Individuelles der Substanz erfassen und diese Stichworte in der Themenliste der Materia physica festhalten

3. Betrachtung des geisteswissenschaftlichen Materiales
Namen der Substanz und deren jeweilige Bedeutung, Mythologie, andere Geschichten oder Überlieferungen, Sprichworte, Bibelzitate, Symbole und deren Bedeutung, alchemistische Betrachtung usw.
Erstellen der geisteswissenschaftlichen Themenliste mittels der auffälligen Begriffe

4. Erstellen der Themenliste der Materia medica
Protokoll der Verreibeprüfung
Themen aus bekannten homöopathischen Arzneimittelprüfungen
Toxikologie
Andere medizinische Quellen
Erstellen der Themenliste der Materia medica aus den medizinisch-toxikologischen Quellen

5. Bildung der Themengruppen
Die Themengruppen werden aus dem naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Material und aus der Themenliste der Materia medica erstellt.
Eine Themengruppe ist eine Zusammenfassung von Themen, welche in sich wesensverwandt sind. Die Erstellung des Zusammenhanges muss unvoreingenommen und im Konsens der ganzen Gruppe erfolgen.

6. Synthese
Versuch, die einzelnen Themengruppen miteinander zu verbinden im „Solve et coagula“-Prozess. Stehenlassen der Betrachtungen der einzelnen Teilnehmer nebeneinander. Die Synthese sollte dem Leser ermöglichen, den erlebten Prozess in der Gruppe nachvollziehen zu können.

Pierre Strub,
Peter Mattmann,
Barbara Bichsel

Kontakt-Website: www.IGEH.ch


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Erlebnisberichte der Phosphorverreibung

Geschrieben von Dr. P. Strub und Dr. J. Hodel

Für die Herstellung des potenzierten Arzneimittels Phorsphor wird der weiße Phosphor verwendet. Meine ersten Versuche, Phosphor direkt in seiner weißes Konfiguration zu erwerben, wurden schnell und fast vorwurfsvoll abgewiesen, sodass ich mich bald nicht mehr getraute, weiter danach zu fragen. Es war als hätten alle eine Warnung aus dem Internet gelesen:

Phosphor
„Der weiße Phosphor ist hochentzündlich (selbstentzündlich), hochgiftig, umweltschädigend und ätzend. Versuche mit ihm dürfen nur im Freien oder hinter Glas unter dem Abzug durchgeführt werden. Rückstände sollen restlos abgefackelt werden; keinesfalls dürfen sie im Hausmüll entsorgt werden. ALLES was mit ihm in Kontakt gekommen ist, wird mit Kupfersulfatlösung gespült, das in genügender Menge auch für den Notfall bereit stehen muss. Phosphorspritzer hinterlassen tiefe, schlecht heilende Wunden. Bereits 50 mg können zu tödlichen Vergiftungen führen. Das unsachgemäße Zusammenbringen von Phosphor mit anderen Chemikalien kann zu, explosionsartigen Reaktionen führen. Phosphor ist keine Chemikalie für den Anfänger!“

Bin ich denn ein Anfänger? Ich bestellte also selbstsicher und mit einer gut gespielten Selbstverständlichkeit gleich 100g, diesmal des roten Phosphors, über eine Apotheke, die mir mit der gleichen Selbstverständlichkeit den bunt mit Warnsymbolen beklebten Behälter aushändigte, als ob ich 100g Kochsalz bestellt hätte. Ich war glücklich und enttäuscht zugleich.

Im Freien stellte ich die Utensilien für mein Vorhaben, den roten Phosphor in den weißen zu überführen, zusammen: Bunsenbrenner, gekrümmtes Reagenzglas, Stativ, ein großes Becken mit Wasser, eine Schale mit Kupfersulfatlösung. Zudem Handschuhe, Schutzbrille, alte Kleider und eine Mütze. In voller Montur wollte ich beginnen, den Phosphor im Reagenzglas zu erhitzen, doch ich hatte die Zündhölzchen, um den Bunsenbrenner zu entzünden, im Haus vergessen. Also Handschuhe, Schutzbrille und Mütze ausziehen und Beginn von vorne! 

In der Hitze der Gasflamme beobachtete ich nun endlich, wie der rote Phosphor langsam unter Rauchentwicklung zu schmelzen begann, dann durchglühte er wie von einem Lauffeuer erfasst von oben nach unten, um sogleich wieder zu erlöschen. Ich hatte Herzklopfen. Während ich weiter erhitzte, schlug sich allmählich ein gelblicher Belag am vorderen, nicht erhitzten Schenkel des Reagenzglases nieder; es sammelte sich dort eine flüssige, durchscheinende Masse! Ich verspürte ein Gefühl der Freude und des Triumphes in mir und merkte erst nach dem Abdrehen des Bunsenbrenners, dass ich die ganze Zeit unter einer ungeheuren Anspannung und Angst gestanden hatte, es könnte jederzeit etwas Verheerendes geschehen. Sorgfältig löste ich die erstarrte gelbe Masse aus dem Reagenzglas und verschloss meinen Schatz in einem mit Wasser gefüllten Glasgefäß. Ich konnte die Nacht kaum erwarten, um das berühmte Phosphorleuchten meiner gewonnenen Substanz zu sehen. Doch das kleine abgetrennte Stückchen auf dem Fließpapier enttäuschte mich sehr mit seinem unscheinbaren und kaum wahrnehmbaren Leuchten. Nach einem Weilchen begann es dann allerdings zu rauchen, um sich unerwartet von selbst mit heller Flamme zu entzünden und gleich wieder zu verlöschen. Dann gewöhnten sich meine Augen wieder an die Nacht und ich entdeckte plötzlich ein schwaches, gespenstiges Leuchten im Garten. Mein zurückgelassenes Reagenzglas leuchtete in einem grünlichen Glanz still vor sich hin. Voller Begeisterung rief ich die ganze Familie zusammen, um stolz mein Zauberwerk vorzustellen. Wärmte ich das Glas in meinen Händen, wurde das kalte Leuchten intensiver und schien die ganze Umgebung durchsichtig zu machen. Dankbar erntete ich die Bewunderung und das Staunen meines Publikums.

Verreiben von Kalium carbonicum 02/2007
Ein paar Tage später saßen wir in unserer Arbeitsgruppe zusammen, um die Verreibeprüfung durchzuführen. Beim Verteilen des Phosphors befiel mich wieder das nämliche Gefühl von Angst, etwas könnte geschehen oder eben nicht geschehen. Der Phosphor zeigte sich nun noch von einer anderen Seite: Aus den Schalen stiegen kleine Nebelschwaden und der Raum wurde in kurzer Zeit von einem penetranten Geruch von Knoblauch erfüllt. Sämtliche Fenster mussten geöffnet werden. Eine große Unruhe entstand, und als ein Teilnehmer gar entdeckte, dass seine Schale in der kleinen dunklen Besenkammer wie ein Sternenhimmel leuchtete, wandelte sich die Unruhe in Begeisterung und gar Wetteifern um. Alle waren nun bestrebt, ihrem Phosphor durch Reiben das schönste Leuchten und die bedeutungsvollsten Dunstschwaden zu entlocken. Allmählich aber erloschen diese Erscheinungen; es wurde still im Raum. Ich rieb nun mit äußerste Sorgfalt und Behutsamkeit weiter mit dem Gefühl, das Wertvollste von Phosphor und zugleich meiner selbst liege unscheinbar und verborgen in dieser meiner Schale. Manchmal meinte ich es nochmals kurz aufleuchten zu sehen, wenn ich versunken in die Leere blickte. Schaute ich aber bewusst hin, um es zu finden, war alles erloschen und gewöhnlich.

Abends, nach getaner Arbeit der Protokollierung der Verreibungssymptome, saßen wir dann noch lange zusammen, sangen bis spät in die Nacht Lieder über die Liebe, das Leben und wieder über die Liebe. Erst in den frühen Morgenstunden mochten wir die intensiv erlebte Verbundenheit und Geselligkeit verlassen und der Müdigkeit nachgeben.
Pierre Strub


Drei unübersehbare Urlichter mischen sich jeweils unangemeldet unter unsere Gruppe, wenn sich diese zweimal jährlich an irgendeinem beeindruckenden Ort der „näheren Umgebung“ seminaristisch trifft.
Unangemeldet, weil Sokrates, Hüter des Nichtwissens, Plato als Schauer des Ewigen in Lehrerschaft mit Aristoteles, dem Vertreter irdischer Stoffeswelt, bereits und immer an Orten verweilen, wo gefragt, geforscht, gedacht wird.

Dieses Gestirn der Unübersehbaren, die, versehen mit dem Ausdehnungskoeffizienten der Unendlichkeit, leicht zu Unüberschaubaren werden, weist hin auf das erkenntistheoretische Axiom unserer Arbeit in der homöopathischen Arzneimittelforschung.

Auf seinem Grund ankert eine phänomenologische, sokratische Betrachtungsweise der Substanz in ihrer Erscheinungs- und Wirkungsform, ausgehend von einem vorurteilslosen Betrachter auf der einen Seite, hingerichtet auf ein unmittelbar Gegebenes vor jeglicher Erfahrung auf der anderen Seite. Der anschauenden Urteilskraft soll das Geheimnis des Dinges sich aussprechen, anlehnend an Goethes Mahnung: „Man suche nur nichts hinter den Phänomenen, sie selbst sind die Lehre!“

Dieser Grundeinstellung offenbart sich die Substanz in ihrer paracelsischen Struktur als ein Oberes, Mittleres und Unteres oder, Theophrastisch ausgedrückt: als Sulfur, Mercur und Sal. Dieser Grundeinstellung offenbart sich auch der Mensch in seiner Dreieinigkeit, wenn er sich der Substanz in der Prüfung hingibt. Es entsteht in der gegenseitigen Bebilderung beider Triaden Ausdruck und Aussprache.

In dieser nach Oben erweiterten Wahrnehmungs- und Denk-Atmosphäre wird ein Seminarleiter der Phosphorverreibung zum Alchemisten, die Seminarteilnehmer zu Suchern nach dem Stein der Weisen, die Selbstentzündlichkeit des Phosphors zur zündenden, wesenhaften Idee, die grüne Lumineszenz zum Rätsel.
Im Kreuzfeuer von Plato, Aristoteles und Sokrates, im Abfragen nach Sal, Sulfur und Merkurprinzip verwandelt sich rauchender Phosphor zum Wegbereiter der Geisteskräfte ins Materielle. In teils disziplinierten,

phänomenologischen Betrachtungen, vermischt mit ersten keimenden, imaginativen Bewusstseinsanstrengungen mutiert der Phosphorstoff zum Denkanreger, zum Lichtbringer, Verschmelzer oder Grenzenmissachter.
Oder er bleibt ganz bescheiden im Leibe sitzen als Peiniger des linken Schulterblattes, ausstrahlend zum Ellbogen, irdische Schwere mimend, oder sich als Substanz hinverjüngend zum urphänomenalen Bild der Schöpfung und seiner Verwirklicher, als geistige Umstülpung seiner Festigkeit.

Unbescheiden ist nur unser Bemühen: sich zu lösen von den Fesseln angeborener Denkeinschränkung und anerzogener Doppelblindheit, um sich dem goetheanistischen Schauen übend zu verbinden im Urlicht der drei Unübersehbaren.
Jürg Hodel


Pierre Strub
Peter Mattmann
Barbara Bichsel
Jürg Hodel

 


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Phosphor: in der Ambivalenz von Licht und Schatten

Geschrieben von Dr. M. M. Hadulla und T. A. Pfeil

Etymologie
Der Name, die Bezeichnung, das Wort, gibt Auskunft über das Wesen des Namensträgers, den eigentlichen Archetypus.

Phosphor wörtlich übersetzt aus dem Altgriechischen heißt: Phos-pherrein = „Licht tragen“ – Lichtträger und in der latinisierten Form Lux ferrein (Luzifer), ebenfalls „Licht tragen“ – Lichtträger.

Streichhölzer enth. roten Phosphor
Ein Anfänger in der Homöopathie will gerne persönlich ein solcher Lichtträger sein oder zumindest viele Phosphorzüge bei sich entdecken, besonders dann, wenn sie so schön beschrieben werden wie indem folgenden Zitat von W. Gawlik (2):

„Phosphor-Persönlichkeiten strahlen Liebenswürdigkeit und Liebe aus, suchen aber auch nach Liebe. Sie sind aufregend, haben ein anziehendes Wesen und fesseln ihre Umgebung. Man verfällt ihnen unter Umständen mit „Haut und Haaren". Sie sind sehr intelligent, sprühend, äußerst wach, sportlich.

Abends sind sie in der leicht abgedunkelten Bar zu finden, wo sie ihre langen blonden Haare im Takt der Musik wiegen und mittels eines oft sehr schönen Körpers Männer bzw. Frauen „angeln". Phosphor-Menschen in jungen Jahren scheinen manchmal „Angelhaken des Teufels" zu sein ...

Phosphor-Persönlichkeiten sind äußerst sensibel und einfühlsam, können sich genau auf ihr Gegenüber einstellen und ... sie verhalten sich rücksichtsvoll, überaus großzügig und sehr hilfsbereit... extrovertiert und haben aufgrund ihrer Unterhaltsamkeit, Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft sehr viele Freunde. Kritik äußern sie kaum. Kleine Schwächen sind für den Außenstehenden eher amüsant und werden durch die beständig gute Laune von Phosphorus akzeptiert...

Die natürliche Offenheit bereitet großes Vergnügen, und die ausgestrahlte Wärme wird an andere weitergegeben. Herzlichkeit, Sensibilität und das Talent, auch andere aufgrund ihrer so guten „Gottesgaben" zu loben, bringen den Phosphor-Menschen Dankbarkeit und Freude ein".

Phosphor hat sicher die hier so schön beschriebenen Charakterzüge. Eine Phosphor-Persönlichkeit kann aber auch das Gegenteil darstellen, furchtbar niedergeschlagen, depressiv, verhärmt und gleichsam ausgebrannt sein.
Auch hier wollen wir dem bekannten Homöopathen W. Gawlik (2) folgen:

„Diese Trostlosigkeit, die sich bis zu einer Abscheu vor dem Leben steigern kann, führt zu tiefster Verzweiflung, die durch unaufhörliches Weinen und tiefe Depressionen geprägt ist. In diesen Phasen besteht auch Suizidgefahr... Zeigt sich die Schattenseite des Lebens nicht in jungen Jahren durch Enttäuschungen, erfährt Phosphorus sie sicher im Alter, wenn er der Jugend weichen muß."

Diese Ambivalenz zwischen Licht und Schatten tritt somit schon durch die Namensgebung in Erscheinung.

Chemie, Vorkommen und Anwendung von Phosphor
Phosphor gehört neben Stickstoff, Arsen, Antimon und Wismut zur V. Gruppe des Periodensystems der Elemente. Chemisches Zeichen: P. Atomgewicht 30,98. Drei- und fünfwertig.

Phosphor in der Ambivalenz von Licht und Schatten in der kompensierten (+) und dekompensierten (-) Form, z.T. in ihren gegenseitigen Entsprechungen (© Hadulla/Richter)

Der Phosphor kommt in der Natur nicht in reiner Form, sondern als phosphorsaure Salze vor, meistens als Kalziumsalz, dem Hauptbestandteil der Mineralien: Apatit, Osteolith, Phosphorit. Auch die Knochen enthalten große Mengen von Kalziumphosphat.

Organisch gebunden findet sich der Phosphor im Eigelb und in der Hirn- und Nervensubstanz als Lezithin.
Neben dem weißen Phosphor gibt es auch eine rote Modifikation dieses Elementes. Der rote kann aus dem weißen Phosphor hergestellt werden, indem man letzteren unter Luftabschluss oder in einem indifferenten Gas, wie Kohlendioxyd, auf etwa 250 Grad erhitzt. Der rote hat eine mikrokristalline Struktur, ist ungiftig, geruchlos, schwer entzündlich und in Schwefelkohlenstoff unlöslich. Er leuchtet nicht im Dunkeln.

Früher fand der gelbe Phosphor zur Herstellung von Zündhölzern Verwendung. Wegen seiner Giftigkeit wurde dies durch das Reichsgesetz im Jahre 1908 verboten. Auch bei den chemischen Kampfstoffen (Phosphor ist einer der besten Nebelbildner) fand er Anwendung sowie leider auch als Brandbomben, insbesondere bei der Anwendung durch die Engländer gegen Deutschlands Städte im 2. Weltkrieg.

Arzneimittelbild
Die oben genannte Herleitung aus der Etymologie zeigt schon die tiefe Doppelbödigkeit dieses großen Mittels: Auf der einen Seite das helle, wirklich reine Licht. Auf der anderen Seite das unreine, teuflische, gefährliche Licht, eben das Licht Luzifers.

Der berühmte amerikanische Homöopath und C. G. JUNG-Schüler E. C. Whitmont (8) hat in diesem Zusammenhang den Geisteszustand von Phosphor mit einem inneren „Zwielicht" verglichen:

„Ein Wechsel zwischen hellem Bewusstsein und Strahlen (Licht) in Gesellschaft und zwischen Gedrücktheit und Erschöpfungen (Dunkel) bei Alleinsein."

Auch in unserer grafischen Darstellung von Phosphor (Abb.1) haben wir versucht, dieses Wesen herauszuarbeiten: „Im Zentrums-Kern der Phosphorpersönlichkeit stehen Leben und Helligkeit auf der einen Seite und auf der anderen Seite Asche und Dunkelheit, damit verbunden im Positiven „Verlangen nach Gesellschaft und Liebe" und im Negativen „Abhängigkeit von Gesellschaft und Liebe.”

Im oberen Teil von Abb. 1 sind dann die für Phosphor charakteristischen (positiven)-kompensierten Eigenschaften angeführt wie:

Vitalität – Heiterkeit (1)
Lebensfreude – Überschwänglichkeit (2)
Offenheit – Hilfsbereitschaft
Empfindsamkeit (3) – Sensibilität (3)
Verstand – Klugheit (1)

Dabei sind die Wertigkeiten aus dem Repertorium – falls vorhanden – in Klammern gesetzt.
Im Sinne der allem Lebendigen innewohnenden Ambivalenz finden sich auch die passenden (negativen)-dekompensierten Entsprechungen:

Vitalität, Ausgelassenheit (1) – Erschöpfung (3)
Lebensfreude, Überschwänglichkeit (2) – Angst, Furcht (2)
Offenheit, Hilfsbereitschaft – Egozentrik, Eigenliebe
Empfindsamkeit, Sensibilität – Überempfindlichkeit (3)
Verstand, Klugheit – geistige Erschöpfung (3)

Wenn Sie diese Abbildung länger betrachten, erkennen Sie noch mehr: Es ist ein Kreis, ein ursprünglich Ungesondertes, eine Einheit. Sie erinnert uns daran, dass auch Luzifer zunächst ein Engel Gottes war und sogar als einer der mächtigsten Erzengel an seiner Seite stand. Vor seinem Fall befand sich Luzifer noch in der Einheit mit Gott, und eine Aufspaltung zwischen Gut und Böse, zwischen Hell und Dunkel, war noch nicht eingetreten.

Kompensierte Ausgestaltung von Phosphor
Was zeigt uns Phosphor nun weiter an Geistes-, Gemüts- und was an körperlichen Symptomen?
Das Äußere der meisten Phosphor-Patienten erscheint uns als „fein“. Sie haben klare, offene Gesichtszüge, sind meist von schlanker Gestalt (nicht zwingend), die Haare glänzen häufig weich und seidig, und die Bewegungen sind unverkrampft locker, zum Teil sogar von eleganter Art. Insgesamt geht von ihnen eine sympathische Ausstrahlung aus; wenn man sie ansieht, erröten sie leicht.

Dazu das Symptom Nr.60 aus S. Hahnemanns Arzneiprüfung (7).
“Wenn sie einen Gedanken recht lebhaft auffaßt, überfällt sie eine Hitze, als wäre sie mit heißem Wasser übergössen.”

Am auffälligsten sind die Augen. Große Augen mit langen Wimpern, wie man sie bei kleineren Kindern manchmal findet und die zur sofortigen Sympathie zwingen. Darüber hinaus sind diese Kinder munter, anmutig, mit einem natürlichen Charme und Flair ausgestattet, der bei günstigen Lebensumständen selbst im Alter nicht verfliegt.

Aus S. Hahnemanns (7) AMP das Symptom 75 :
“Heiterkeit, Freiheit des Geistes, wohlgemuthet, mit angenehmer Wärme im ganzen Körper, besonders an den Händen, die ganz roth sind von Blut-Andrang; es ist ihm Alles heller.”

Dieses schöne Äußere spiegelt ein angenehmes Inneres wider.

Doch nicht nur das Äußere dieser Patienten ist angenehm, die Phosphor-Menschen sind feinfühlig für die Empfindung anderer Menschen, sie sind gerne bereit, mit ihrem Gegenüber in lebhaften Kontakt zu treten, mit dem anderen in Freud und Leid mitzuschwingen; sie freuen sich mit dem, der sich freut, und leiden mit dem, der leidet.

Dabei ist der Phosphor-Mensch ein guter, wenn auch sprunghafter Unterhalter, ausgestattet mit guter Laune und Optimismus; wenn auch nicht mit den pointiertesten Witzen, so besticht er besonders durch sein humorvolles Wesen.

Humorvoll heißt in diesem Zusammenhang, dass man nicht nur über die anderen – das könnte ja Häme sein –, sondern auch über sich lachen kann.

Wo z. B. der Calcium-carbonicum- oder insbesondere der Natrium-muriaticum-Patient sich schon verletzt fühlt und gekränkt ist, empfindet sich der Phosphoriker auch noch im schärferen Witz beachtet, wertgeschätzt und lacht mit.

Dabei ist Phosphor keineswegs leicht und oberflächlich , sondern tröstet gerne andere, findet dabei die richtige Tonlage und Stimmungen mit Worten und Gesten.

Er fasst sein Gegenüber gerne in der direkten Rede an, und sein Gegenüber lässt sich häufig auch gerne anfassen. So überrascht es dann auch nicht, wenn wir in der Materia medica finden: Fühlt sich besser, wenn er „gerieben, berührt, angefasst und massiert" wird.

S. Hahnemann (7) schreibt gleich zu Beginn seiner Ausführungen zu Phosphor:
“Phosphor, auf diese Weise gehörig potenziert, ist eine der unentbehrlichsten homöopathischen und vorzüglich antipsorischen Arzneien. Doch wird sie in Fällen chronischer (unvenerischer) Krankheiten, wo sich Mangel an Geschlechts-Trieben und Schwäche der Zeugungs-Theile kenntlich macht, oder die weibliche Periode allzu spät zurückkehrt, selten angemessen gefunden werden und ebenso wenig überhaupt bei allzu grosser Schwäche und Armuth an Lebens-Kräften. Sollte sie in letzterm Falle doch übrigens homöopathisch passen, so muss bei ihrer Anwendung, um die Kräfte möglichst aufrecht zu erhalten, die Einflößung der Lebenskraft von einem Gesunden (Mesmerism) mit zu Hülfe genommen werden, indem von Zeit zu Zeit eine gutmeinende, kräftige, gesunde Person mit ihren Händen die Hände des schwachen Kranken, mit auf ihn gerichtetem, mitleidigem und möglichst wohlwollendem Gemüthe, ein Paar Minuten lang hält, oder sie auf den geschwächtesten, leidendsten Theil seines Körpers auflegt unter Entfernung alles, die Aufmerksamkeit des Kräfte-Mit-theilers und des Kranken störenden Geräusches umher oder des Zudrängens And’rer."

Dieses Zitat belegt, dass Hahnemann auch andere Heilmethoden neben seiner Homöopathie anwandte bzw. wertschätzte. Ganz im Gegensatz zu vielen seiner modernen Nachfolger, die sich häufig päpstlicher als der Papst geben.

In gewisser Verbindung zu diesem Wunsch, magnetisiert zu werden, stehen bei Phosphor auch die übersinnlich-telepathischen Fähigkeiten, die häufig bemerkenswert gut ausgeprägt sind.

Dekompensierte Ausgestaltung von Phosphor
Es überrascht nicht, dass Phosphor-Menschen unbedingt geliebt werden wollen, es ist für sie das eigentliche innere Bedürfnis, und sie wissen meistens sehr genau, wie sie die Sympathie und Liebe ihrer Umgebung erlangen können (siehe hierzu Abb. 1; „Verlangen nach Gesellschaft und Liebe"). Weil sie in diesem Bestreben erfolgreich sind, können sie ihrem Partner bzw. ihren Mitmenschen auch viel geben. Scheitern aber diese Liebes- und Harmoniebedürfnisse trotz aufrichtiger Bemühung, dann werden sie verzagt, unglücklich und verlieren ihre innere Stabilität, sie verlieren im körperlichen und geistig-psychischen Bereich ihr Gleichgewicht (siehe auch hierzu Abb. 1; „Abhängigkeit von Gesellschaft und Liebe").

Als Folgen zeigen sich Überempfindlichkeit, Verletzbarkeit, Misstrauen, des weiteren treten zahlreiche Ängste auf, die sich bis zur schweren Depression, ja bis zum Suizid steigern können (siehe hierzu Abb. 1; „Angst, Furcht").

Auch im körperlichen Bereich zeigen sich dann negative Eigenschaften: Einmal fällt auf, dass die Phosphor-Patienten bei zunehmender Belastung oder auch nur bei größeren Anforderungen auf einmal unruhig, zunehmend hektisch, fahrig werden können. Parallel zu geistigen Erschöpfungen brechen sie auch körperlich zusammen. Ein Hinweis auf diese verminderte körperliche Belastbarkeit der Phosphor-Patienten, auch schon der Kinder, ist, dass sie ihren „Mittagsschlaf" einfach brauchen, um Energie aufzutanken. Der impulsive Phosphor-Patient wird bei Überlastung – weil er nichts versäumen oder allen zu gefallen und gefällig zu sein will – fahrig, nervös und hektisch.

Parallel zu diesem Hektisch-Fahrigen, Nervösen, oder nennen wir es auch mit einem gewissen äußeren Zwang „Paroxystischen", zeigt sich eine auffallende Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen, strengen Gerüchen und hellem Licht. Umgangssprachlich könnte man sagen: alles geht unter die Haut, alles geht auf die „Nerven".
Dazu passt das Symptom 35 der Hahnemann’schen AMP (7):
“Überempfindlichkeit aller Sinne, besonders des Gehörs und Geruchs.”

Bei J. H. Clarke (1) ist zu lesen:
„Es ruft einen reizbaren Zustand hervor, Erhöhung der geistigen Fähigkeiten und einen Zustand, der Überanstrengung folgt. Der Verstand ist wie alle einzelnen Sinne zu erregbar und zu leicht zu beeindrucken. Wird leicht zornig und wird heftig; gerät vor Zorn außer sich und leidet in der Folge körperlich. Zu anderen Zeiten ängstlich und ruhelos, besonders in der Dunkelheit und bei Dämmerung (die Ruhelosigkeit von Phos. ist universell; der Patient kann keinen Augenblick stillsitzen oder -stehen; sie gehört zu dem Zustand der Reizbarkeit und danach folgt Apathie, wenn der Zustand nicht unterbunden wird). Bildet sich ein, Gesichter zu sehen, die ihn aus den Ecken des Zimmers angrinsen. Solche Zustände findet man in Fällen, die durch Säfteverlust hervorgerufen werden; durch Überanstrengung des Verstandes; durch sexuelle Exzesse und Masturbation, und sie nehmen die Form progressiver Paralyse an, mit Größenwahn; und bei Apoplexie und deren Folgeerscheinungen“.

Neben dieser beschriebenen Exzitabilität, Impressionabilität und Hyperästhesie findet sich eine Reihe weiterer negativer Eigenschaften.

So führten wir an anderer Stelle (5) hierzu aus:
„Er möchte Einfluss nehmen auf die Art und Weise, wie man sie/ ihn glücklich machen soll, und hat die Tendenz, andere Menschen zu beherrschen: zwar verbunden mit Zuneigung, Liebenswürdigkeit, Charme, Koketterie, aber auch mit großer „Power", Unbeirrbarkeit und Zielstrebigkeit. In diesem Dominanzverhalten ist Phosphor sehr dem homöopathischen Arzneimittel Lycopodium ähnlich, wobei jedoch u. a. Herrschsucht, Hochmut, Schroffheit, Reizbarkeit und die extreme Kränkbarkeit von Lycopodium fehlen. Auch bei den attraktiven, strahlenden Platin-Menschen ist eine solche Herrschsucht zu beobachten; sie sind aber kalt, hochmütig und abweisend, ihnen fehlt die Herzlichkeit und Wärme der Phosphor-Menschen. Weiterhin finden wir bei Phosphor-Menschen eine fast kindlich anmutende Eitelkeit, gepaart mit einem primär nicht bösartigen Egoismus."

Georges de la Tour: Die büßende Magdalenda
Ebenfalls bekannt ist, dass Phosphor-Patienten vielfältige Ängste aufweisen, die durch Alleinsein verstärkt werden. In der AMP Hahnemanns (7) entsprechen dem die Symptome 15 bis 30:
„Traurig, bang, kleinmüthig. Angst, Bangigkeit, als sey ihr leid um Etwas, öfter wiederkehrend. Aengstlichkeit und Hitze im Kopfe, mit heissen, rothen Händen, öfters wiederkehrend und im Stehen scheinbar erleichtert. Aengstliche Beklommenheit. Angst zuweilen, Abends, wie zum Sterben. Bangigkeit, wie Ahnung von Unglück. Viel Beängstigungen, Abends. Aengstlich besorgt, wegen unglücklichen Ausgangs ihrer Krankheit.
Angst und innere Unruhe, ohne erdenklichen Grund. Aengstlichkeit und Unruhe, mit viel Stirn-Schweiss und Hitze im Kopfe. Unruhe im Kopfe, Vormittags. Unruhe. Unruhig bei Gewittern. große Unruhe. Furchtsamkeit und Grauen, Abends. Grausige Furchtsamkeit, Abends spät, als sähe aus jedem Winkel ein grässliches Gesicht hervor. große Aengstlichkeit und Reizbarkeit beim Alleinseyn. Aengstlichkeit-Anfälle, wie unter der linken Brust, was sie so peinigt, dass sie am ganzen Körper zittert, dabei zuweilen bittres Aufstossen und Herzklopfen. Lebens-Überdruss."

Diese Ängste können dann bis in die Nacht, ja bis in die Träume hinein gehen, so findet sich hier schlechter Schlaf (s. S. Hahnemann, der ca. 60 Traum- und Schlafsymptome aufführt). Im einzelnen können die Träume wie folgt geprägt sein:
„Erdrückt zu werden, vernichtet zu werden, aus dem Leben entführt zu werden, mit Todesangst, mit einer namenlosen Angst und undefinierbarem Grauen."

S. Hahnemann (7) ergänzt hierzu im Symptom 1805 Folgendes:
„Träume von Räubern. Aergerliche Träume.”

Hier sind wir bereits tief im Schatten dieses Mittels angelangt, sozusagen im Totenreich: im Reich Luzifers.
An dieser Stelle schließen wir unsere Arbeit und übergeben die Fackel an den Leser, damit er bei sich selbst schauen, erfahren und ausloten kann welche Phosphoranteile er selbst bei sich findet, denn nur was wir an uns selbst (er)-kennen und erfahren sehen wir auch an unseren Patienten.

Wir zeigten, dass Phosphor nicht nur der „Strahlemann“ sein kann – ja, die homöopathischen Arzneien wäre nicht von dieser Welt wenn sie nur eine Seite verkörpern würden – alles ist polar angelegt, auch die Homöopathie (siehe Abb.). Gut dokumentierte Phosphorus-Kasuistiken findet man in der aktuellen Literatur [3]. Wer noch tiefer in Wesen und Essenz der homöopathischen Arzneien einsteigen möchte, dem sei unsere Literatur ans Herz gelegt [4].

Image De. Michael Hadulla
Heiliggeiststrasse 9
69117 Heidelberg

ImageTimo A. Pfeil (HP)
Heiliggeiststrasse 9
69117 Heidelberg





Literatur
[1] Clark, J.H.: “Der Neue Clarke” Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker (10 Bände) übers. von Peter Vint, Silvia Stefanovic Verlag Bielefeld, 1990.
[2] Gawlik, Wilibald: Arzneimittelbild und Persönlichkeitsporträt. Konstitutionsmittel in der Homöopathie, 4. Aufl., Stuttgart 2002.
[3] Hadulla M., M., Richter, O., Fattahi, N.: 101 Krankengeschichten aus der Praxis für die Praxis, ML-Verlag, 2006.
[4] Hadulla, M.M., Richter, O.: Die homöopathischen Arzneien, Bd.I, und II, ML Verlag, Uelzen 1999, 2002.
[5] Hadulla, M.M., Wachsmuth, J.: Homöopathische Archetypen bei Homer, Heidelberg 1996.
[6] Hadulla, M.M., Wachsmuth, J.: Homöopathische Archetypen bei Homer. Eine Archäologie der Seele, Haug-Verlag, Heidelberg 1996.
[7] Hahnemann, S.: Die chronischen Krankheiten, Bd.5, Heidelberg 1991.
[8] Whitmont, E.C.: Psyche und Substanz. Essays zur Homöopathie im Lichte der Psychologie C.G. Jungs, Göttingen 1988.


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