Arnica H.

Arnica H. · Arn.

Arnica montana
Wohlverleih, Fallkraut, Panacea lapsorum.

Hahnemanns Reine Arzneimittellehre Band I, S. 469:

„Am besten ists, wenn auch diese Arznei, zu innerem Gebrauche in decillionenfacher Kraft-Entwicklung angewendet wird, so daß, wo man eine Pflanze grün haben kann, der frisch ausgepreßte Saft aus der, ihrer Blütezeit nahen, ganzen Pflanze … “

Labor Gudjons:

Verwendung fand der Pressaft einer ganzen, gerade aufblühenden Pflanze, die von einer feuchten Wiese bei Breitenbrunnen im Schwarzwald stammt

Homöopathisches Arzneibuch, 1. Ausgabe 1978, S. 205

„Arnica montana e planta tota“

Die Wurzel dieses laubholzwaldige Berg-Ebenen liebenden Gewächses verliert an der Luft sehr bald einen beträchtlichen Theil ihres Geruchs und ihrer Arzneikraft, durch Kochen aber am meisten.

Doch läßt sich das frisch bereitete Pulver, schnell und völlig im Wasserbade getrocknet, in wohlverstopften Gläsern mehrere Jahre in fast voller Kraft aufbewahren.

Alle künstlich gestellten Dogmen der gewöhnlichen, nach ihrer Art gelehrten Arzneikunst, alle ihre scholastischen Definitionen, Distinktionen und spitzfindigen Erklärungen waren in allen Jahrhunderten nicht vermögend, die specifische Heilkraft dieses Krautes zu entdecken oder für das, oft sehr gefährliche allgemeine Uebelbefinden, welches von einem schweren Falle, von Stößen, Schlägen, von Quetschung, Verheben, oder vom Ueberdrehen oder Zerreißen der festen Theile*) unsers Körpers entstehet, die wirksame Hülfe auszufinden. Der gemeine Mann mußte es für sie thun und fand nach unzähligen, vergeblich angewendeten Dingen die Hülfe endlich durch Zufall in diesem Kraute und nennte es daher Fallkraut. Darauf theilte vor 200 Jahren ein Arzt (Fehr) diesen Fund der Hausmittelpraxis zuerst der gelehrten Arzneikunst mit (dann ward dieß Kraut panacea lapsorum von ihr genannt), der Arzneikunst, sage ich, welche eben so alle ihre übrigen, noch vorhandenen specifischen Heilmittel bloß aus dem zufälligen Funde der Hausmittelpraxis entlehnte, nicht aber selbst finden konnte, da sie die reinen Wirkungen der Naturkörper auf den gesunden menschlichen Körper zu erforschen, sich nie angelegen seyn ließ.
Alles Uebelbefinden von starken Quetschungen und Zerreißungen der Faser hat, sich ziemlich gleich bleibende Symptomen und, siehe! diese sind, wie folgendes Verzeichniß darlegt, in den Befindes-Veränderungen, welche Arnica in gesunden Menschen hervor zu bringen pflegt, in auffallender Aehnlichkeit homöopathisch enthalten.

Bei starken, großen Quetschungs- Verletzungen wird die Heilung sehr befördert, wenn man nächst einer kleinen Gabe innerlich eingenommener Arnica (wo nöthig, alle 3 Tage eine) auch äußerlich die Theile die ersten 24 Stunden über befeuchtet mit Wein oder, mit gleichem Wasser verdünntem Branntwein, ein Pfund von dem einen oder dem andern mit 5 bis 10 Tropfen der hundertfachen potenzirten Wohlverleih-Verdünnung gemischt und etwa 10 Mal stark zusammengeschüttelt.

Eben dieses Verzeichniß ihrer reinen Kräfte deutet aber auch auf mehrere Krankheitszustände im menschlichen Leben hin, wofür das Wohlverleih sichre, homöopathische Hülfe darbietet. Sie ist ein vielnütziges Heilmittel und ob gleich ihre Wirkung, selbst in großen Gaben, nicht über sechs Tage reicht, so habe ich sie doch, selbst in den langwierigsten Krankheiten als unentbehrliches Beihülß- und Zwischenmittel angetroffen.

Nur muß man sie nie in rein inflammatorischen akuten Krankheiten mit größtentheils äußerer, allgemeiner Hitze, und eben so wenig in Durchfällen anwenden wollen, wo man sie immer sehr nachtheilig finden wird, wozu die Gründe ebenfalls in ihrer eigenthümlichen Wirkungsart zu Tage liegen.
Gegen einige Arten unächten Seitenstichs aber ist sie desto hülfreicher, in denen nämlich, deren Symptomen den Symptomen dieser Wurzel in Aehnlichkeit entsprechen.

Am beßten ists, wenn auch diese Arznei, zu innerm Gebrauche in decillionfacher Kraft-Entwickelung angewendet wird, so daß, wo man die Pflanze grün haben kann, der frisch gepreßte Saft aus der, ihrer Blühe-Zeit nahen, ganzen Pflanze, mit gleichen Theilen Weingeist gemischt wird, wovon zwei Tropfen der durch Stehen abgehellten Flüssigkeit, erst mit 98 Tropfen Weingeist durch zwei Schüttel-Schläge verdünnt und potenzirt werden und dann ferner, durch 29 weitere Verdünnungs-Gläschen, immer ein Tropfen von der schwächern Verdünnung zu 100 Tropfen des folgenden Gläschens getröpfelt, dann zwei Mal geschüttelt und im letzten Gläschen bis zur decillionfachen Kraft-Entwicklung erhoben wird.

Wo man aber die Pflanze nicht grün haben kann, muß man sich mit der Tinktur, aus 10 Gran feingepülverter, möglichst frischer Wurzel mit 1000 Tropfen Weingeist binnen einer Woche, unter täglich einmaligem Umschütteln, ausgezogen, behelfen, wovon man einen Tropfen weiter mit 100 Tropfen Weingeist und zweimaligem Schütteln verdünnt und potenzirt und so fort bis zur decillionfachen Kraft-Entwickelung. Zwei, drei feinste Streukügelchen mit der höchsten Kraft-Entwickelungs-Flüssigkeit befeuchtet sind die gewöhnlichste Gabe zum innern Gebrauche.

Kampher ist das Gegenmittel großer, im unhomöopathischen Falle angewendeten Gaben, Wein aber verschlimmert ihre nachteilige Wirkung.
*)

Sie ist daher selbst in den größten Verwundungen durch Kugeln und stumpfe Werkzeuge sehr heilsam – so wie in den Schmerzen und anderm Uebelbefinden nach Ausziehn der Zähne, und nach andern chirurgischen Verrichtungen, wobei empfindliche Theile heftig ausgedehnt worden waren, wie nach Einrenkungen der Gelenke, Einrichten von Knochen-Brüchen u.s.w.

Hahnemanns Reine Arzneimittellehre Band I, S. 469

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