Aurum metallicum

Aurum metallicum · Aur.

Aurum metallicum, Aurum foliatum
Gold

(Das bekannte Metall)

Hahnemann RAL IV/98:

(…)

Hier will ich bloß vom Golde reden, und zwar nicht von dem durch gewöhnliche chemische Veranstaltungen verändertem Golde, also weder von dem durch Säuren aufgelöseten, noch von dem durch Niederschlag wieder geschiedenen (dem Knallgolde), welche beide man auch, wo nicht für nutzlos, doch für durchaus schädlich ausgab, vermutlich weil man sie nicht in einer sogenannten justa dosis, das ist, nicht in übertriebener Menge, ohne Gefahr einnehmen lassen konnte.

(…)

Das Gold hat große, unersetzliche Arzneikräfte.
Anfangs ließ ich mich durch diese Leugner zurückhalten, im gediegenen Golde Arzneikräfte zu hoffen; da ich mich aber nicht überwinden konnte, irgend ein Metall an sich für unheilkräftig zu halten, so bediente ich mich seiner zuerst in Auflösung. Daher die wenigen Symptome von der Gold-Auflösung.

(…)

Weil ich aber überhaupt, wo ich´s nur vermeiden kann, die Metalle, schon der edelen Einfachheit wegen nicht in Säueren anwenden mag, weil sie durchaus eine Umänderung ihrer Kräfte durch diese Säuren erleiden müssen – wie man schon an der Vergleichung des Aetzsublimats mit dem schwärzlichten Quecksilberoxyd in der Hülfskraft wahrnimmt; – so war mir´s sehr willkommen, bei einer Reihe arabischer Aerzte die Arzneikräfte des Goldes in feinem Pulver einstimmig rühmen zu hören und zwar in sehr hülfebedürftigen Krankheitszuständen, in welchen mir zum Theil schon die Gold-Auflösung merkwürdige Dienste geleistet hatte; ein Umstand, welcher mir Zutrauen zu den Versicherungen der Araber einflüßen mußte.

Die erste Spur hievon finden wir schon im achten Jahrhunderte, wo Geber (de Alchimia traditio, Argent. ap. Zetzner, 1698. Lib. II.P.III. Cap.32) das Gold als eine „materia laetificans et in juventute corpus conservaus“ rühmt.

Zu Ende des zehnten Jahrhunderts rühmt es Serapion der jüngere (de simplicibus comment. Venet. fol. ap. Junt.1550. Cap. 415. S. 192.): „das gepülverte Gold dient in der Melancholie und der Herzschwäche.“ 
Dann zu Anfange des eilften Jahrhunderts Avicenna (Canau. Lib. II. Cap. 79.): 
“das gepülverte Gold kommt zu Arzneien wider Melancholie, benimmt den Mundgestank, ist, selbst innerlich eingenommen, ein Hülfsmittel gegen Haarausfallen, stärkt die Augen hilft bei Herzweh und Herzklopfen und ist ungemein zuträglich bei Schweräthmigkeit.“ *)

Die Bereitung eines solchen Goldpulvers beschreibt im Anfange des zwölften Jahrhunderts Abulkasern (Albulcasis) zuerst (in libro servitoris de praep. med. 
S. 242.): “ daß man Gold auf einer rauhen Leinwand in einem Becken voll Wasser reibe, und das feine, zu Boden des Wasser gefallene Pulver zum Gebrauche anwende;“ welche Bereitungsart Johann von St. Amand (im dreizehnten Jahrhunderte) auf gleiche Art lehrt (im Anhange zu Mesue, Opera, Venct. 1561. S.  245. 4. E.).

Dieß ahmte Zacutus, der Portugiese, nach und beschrieb (Histor. medic. lib. I. obs. 33.) die Geschichte eines von melancholischen Phantasieen lange Zeit gequälten Edelmannes, den er einzig durch das auf einem Reibesteine feinst zerriebene Goldpulver binnen einem Monate heilte.

(…)

Glaubte ich schon an das Zeugniß der Araber von der Heilkräftigkeit des feinsten Goldpulvers den theoretischen, erfahrungslosen Zweifeln der Neuern vorziehen zu dürfen, und rieb das feinste Blattgold ( es ist 23 Karat, 6 Grän fein) mit 100 Theilen Milchzucker eine gute Stunde lang, zur Anwendung für den innern, ärztlichen Gebrauch.

Ich will nicht entscheiden, ob in diesem feinem Pulver das Gold nur noch weit feiner zerrieben, oder durch dieses kräftige Reiben einigermaßen oxydirt worden ist. Genug, daß in der Prüfung bei einigen gesunden Erwachsenen schon hundert Gran dieses Pulvers (welche einen Gran Gold enthielten), in Wasser aufgelöset, zur Erregung sehr starker Befindens-Veränderungen und krankhafter Zufälle zureichten, welche hier unten folgen.

Aus ihnen wird man ersehen, daß die Versicherungen der Araber nicht ungegründet seyn können, da schon kleine Gaben dieses Metalls, in erwähnter Form angewendet, selbst gesunde Erwachsene zu sehr ähnlichen Krankheits-Zuständen erregten, als jene (in Auffindung von Arzneien nicht verdienstlosen) Morgenländer damit (unwissender Weise, homöopathisch) geheilt hatten. 
Von Melancholieen, welche der von Gold erregten sich näherten, habe ich seitdem mehre Personen, die mit Selbsttödtung sehr ernstlich umgingen, bald dauerhaft befreit.

*) Das letzere ist im Arabischen ein zweideutiger Ausdruck, welcher, je nachdem das Wort accentuirt wird, entweder: „Reden mit sich selbst,“ oder „Schweräthmigkeit“ bedeutet. Die Hülfskraft des Goldes, die sich in der Erfahrung zeigt, erhebt letzeres zur wahren Bedeutung.

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