China officinalis

China officinalis · Chin.

Chinarindenbaum, Cortex peruvianus, Cinchona officinalis

Hahnemanns Reine Arzneimittellehre Band III, S. 98

„Chinarinde“

(Die geistige Tinctur sowohl von der feinröhrichten, als der Königs-Chinarinde, Cinchona officinalis)

Nächst dem Mohnsafte kenne ich keine Arznei, welche in Krankheiten mehr und häufiger gemißbraucht und zum Schaden der Menschen angewendet worden wäre, als die Chinarinde.

(…)

Ich weiß gar wohl, daß fast alle typische Krankheiten und fast alle, auch nicht für China geeigneten, Wechselfieber vor der übermächtigen Rinde in, wie gewöhnlich, so ungeheuern, und so oft wiederholten Gaben gereicht, verstummen und ihren Typus verlieren müssen; aber sind dann die armen Leidenden nun auch wirklich gesund?

(…)

Wahr ist´s, sie können nicht mehr klagen, daß der Paroxysm ihrer vorigen Krankheit zu gewissen Tagen und Stunden wieder erscheine; aber seht, wie erdfahl sind ihre gedunsenen Gesichter, wie matt sind ihre Augen! Seht, wie engbrüstig sie athmen, wie hart und aufgetrieben ihr Oberbauch, wie hart geschwollen ihre Lenden, wie verdorben ihr Appetit, wie häßlich ihr Geschmack, wie belastend und hart drückend in ihrem Magen jede Speise, wie unverdauet und unnatürlich ihr Stuhlgang, wie ängstlich, traumvoll und unerquickend ihre Nächte! Seht, wie matt, wie freudenlos, wie niedergeschlagen, wie ärgelich eimpfindlich oder stupid sie umherschleichen, von einer weit größern Menge Beschwerden gequält, als bei ihrem Wechselfieber! Und wie lange dauert oft nicht dergleichen China-Siechtum, wogegen nicht selten der Tod ein Labsal wäre! Ist das Gesundheit? Wechselfieber ist´s nicht.

(…)

Am unerträglichsten und unverantwortlichsten ist aber der ungeheure Mißbrauch, den die allherrschende, sich für ausschließlich rationell ausgebende Arzneischule von dieser so stark wirkenden Rinde in allen Arten von Schwächen macht.

(…)

Es gibt allerdings Fälle, wo in der Schwäche die Krankheit selbst liegt, und hier ist die Rinde das passendste Heil und Stärkungsmittel zugleich. Dieser Fall ist, wie die Leiden des Kranken allein oder hauptsächlich aus Schwäche vor Säfteverlust entstehen, durch großen Blutverlust (auch vieles Blutlassen aus der Ader), starken Milchverlust der Säugenden, Speichelverlust, häufigen Saamenverlust, große Eiterung, (heftige Schweiße) und Schwächung durch öftere Laxanzen, wo dann fast alle übrige Beschwerden des Kranken mit den Chinasymptomen in Aehnlichkeit überein zu stimmen pflegen.

(…)

Man wird die Chinarinde, als in erster Wirkung ungemein leiberöffnend (m.s. die unter 178 angeführten Symptome), deßhalb auch in einigen Fällen von Durchfall sehr hülfreich finden, wo dem übrigen Befinden die andern Chinasymptome nicht unangemessen sind.

So wird man in den Fällen, wo sogenannter feuchter Brand an den äußern Theilen zu bekämpfen ist, auch den der Chinarinde eignen Symptomen sehr ähnliche Krankheits-Symptome  im übrigen Befinden des Kranken gewöhnlich wahrnehmen; deßhalb ist sie in diesen Fällen so heilsam.

Die allzu leichte und öftere, krankhafte Erregung der Geschlechtsorgane zur Saamenausleerung, selbst durch geringe Reize im Unterbauche veranlaßt wird durch die Rinde (ihren eigenthümlichen Symptomen dieser Art zufolge) in der kleinsten Gabe sehr dauerhaft gehoben.

Ich habe zuweilen Schmerzanfälle, die bloß durch Berührung (oder geringe Bewegung) des Theils erregt werden konnten, und dann almählig zu der fürchterlichsten Höhe stiegen, und nach den Ausdrücken des Kranken denen sehr ähnlich waren, die China erzeugen kann, durch eine einzige kleine Gabe dieser verdünnten Tinctur auf immer gehoben, wenn der Anfall auch schon sehr oft wiedergekommen war; das Uebel war homöopathisch (s. Anm. Zu /426./) wie weggezaubert und Gesundheit an seiner Stelle. Kein bekanntes Mittel in der Welt würde dieß vermocht haben, da keins dieses Symptom ähnlich, in erster Wirkung, zu erzeugen fähig ist.

Fast nie wird man die Rinde heilsam finden, wo nicht ähnliche Störungen der Nachtruhe, als diese Arznei bei Gesunden erzeugt (und die man unten findet), mit zugegen sind.

(…)

Ein Wechselfieber muß demjenigen sehr ähnlich seyn, was China bei Gesunden erregen kann, wenn diese das geeignete, wahre Heilmittel dafür seyn soll, und dann hilft eine einzige Gabe in obgedachter Kleinheit – doch am besten gleich nach Vollendung des Anfalls eingegeben, ehe sich die Veranstaltungen der Natur zum nächsten Paroxysm im Körper anhäufen. Um ein nicht von Chinarinde heilbares Wechselfieber mit großen Gaben dieser mächtigen Substanz nach gemeiner Art zu unterdrücken, pflegt man sie kurz vor dem Anfalle zu geben, wo sie diese – in ihren Folgen so nachtheilige – Gewaltthätigkeit vielleicht gewisser bewirken kann.

Chinarinde kann einen Wechselfieberkranken in Sumpfgegenden nur dann von seiner mit Chinasymptomen in Aehnlichkeit übereinkommenden Krankheit dauerhaft heilen, wenn der Kranke während seiner Cur und seiner gänzlichen Erholung bis zu vollen Kräften außer der Fieber erzeugenden Atmosphäre sich aufhalten kann.

(…)

Labor Gudjons:

Handelsübliche Chinarinde wurde gepulvert.

s.a. Homöopathisches Arzneibuch, 1. Ausgabe 1978, S. 342
„Cinchona succirubra“

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