Lachesis

Lachesis · Lach.

Trigonocephalus lachesis

Surukukku 

Aus Hering: Einges über das Schlangengift ACS 10(1831) 2,1, -22

„Endlich hatte ich denn das Vergnügen den 28. Juli 1828 des Mittags eine, durch den kühnen Jäger zwar halb erschlagene, aber doch noch brauchbare, große wirklich gräßliche Giftschlange zu erhalten. Es war Trigonocephalus Lachesis, deren Biß noch weit heftiger wirkt, als der der Klapperschlange. Sie war 10 Fuß lang, wie diese Art denn hier zu Lande nie anders als von derselben Größe gesehen worden ist, indem sie wahrscheinlich nur zur Begattungszeit, oder doch nur in einem gewissen Alter sich bis in die hiesigen Waldungen verbreitet. Man hatte sie in der Nähe der Stadt erlegt, noch halb lebend gebunden und in einen Korb gethan

(…)

Indem ich nun ein wenig mit dem einen Finger genau auf die Stelle drückte, wo die Giftblase liegt, trat diese sogleich aus der Oeffnung hervor, die an der Hinterseite des Zahns etwa ein bis zwei Linien über der Spitze zu bemerken ist

(…)

So wie ich nun bei meiner Schlange das Drücken verstärkte, vermehrte sich das hervortretende Gift und sammelte sich an der Spitze als ein Tröpfchen. Ich hielt nun ein Papier mit einem hohlen Häufchen Milchzucker zum Empfange bereit, und fing so endlich das Tröpfchen auf

(…)

Zehn solche Tropfen habe ich auf hundert Gran Milchzucker gebracht und damit sogleich verrieben eine Stunde lang. Davon aber zehn Gran wieder mit hundert, um die Verdünnung von etwa Hunderttheilen zu erhalten, jeden Gifttropfen als Graneinheit betrachtend. (…) mit dem zweiten 1/100 habe ich einige Versuche gemacht. Ich führe dieselben, so gering die Ausbeute war, doch deshlab hier an, um erstens die Wirksamkeit, des verriebenen Giftes zu beweisen; dann auch die Gefahrlosigkeit der Versuche mit Hunderttheilen darzuthun

(…)

Beim Verreiben konnte ich bemerken, daß ich den Staub davon einathmete. Es entstand davon hinten am Gaumen ein ganz besonderes, fast kratzendes Gefühl. Nach einer Stunde entstand ein Halsschmerz, ein klemmender Schmerz an einer kleiner Stelle, tief innen rechts, wie auf der Steite des Schlundes, beim Schlingen nicht vermehrt; ärger bei Druck.

Nach einigen Stunden, beim Fahren im Freien, eine solche Bangigkeit, als geschähe entfernt etwas sehr Üebles, wie schwere, böße Ahnung; sie quälte mich aufs Aeußerste über eine Stunde lang.

Gegen Abend, ganz ungewöhnliche, fast wahnsinnige Eifersucht, ebenso thöricht als unbezwinglich.

Abends, größte Erschlaffung und Müdigkeit, Schläfrigkeit, ohne doch in Schlaf kommen zu können

(…)“

Zur Problematik der Identifikation der Schlange zitieren wir weiter Hering, Berichtigung zu den naturwissenschaftlichen Briefen über Schlangengifte, AHZ 63 (1861) 25-26

„Die wirkliche selbe Schlange d.h. genau diejenige, welche ich den 28. August 1828 in meinen Händen hatte, habe ich aber gestern, den 28. Mai 1861, wieder in meinen Händen gehabt. Sie ist eine Zierde der Sammlung der hiesigen Akademie der Naturwissenschaften

(…)

Lachesis hat ihr deutliches stachlichtes Schwanzende in einer Hornspitze auslaufend

(…)

Der Name Surukuku stammt wahrscheinlich aus Brasilien, und ist auch schon im Marcgrave zu finden.

Cuvier, Max Neuwied, Schomburgk führen ihn an, Oken hat ihn aber erst in seiner Naturgeschichte für alle Stände, und Lenz in seiner Schlangenkunde, zug es auch vor, die Surukuku Trigonocephalus Lachesis zu nennen, obschon er auch die Max Nuwied´sche Bestimmung: L. rhombeata anführte. Ich gebe hier noch die gesammelten Synonyme, kann aber heute die Jahreszahlen nicht beifügen.

Surukuku
Crotalus mutus Linn.
Coluber aleeto. Shaw.
Boa (!) muta. Lacepede.
Boa (!) crotalina. Shaw.
Seytale catenatus Lam. Latreille.
Seytale ammodyles. Latreille.
Cophias crotalinus. Merr.
Craspedocephalus crotalinus. Gray.
Bothrops Surukuku. Wagler.
Trigonocephalus rhombeat. Cuv.
Trigonecephalus Lachesis. Lenz.
Lachesis muta (!) Daudin.
Lachesis rhomb. Fitzinger und Max Neuwied.“

Lit: siehe im Text.

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