Geschichte

Geschichte

Die Apotheke am Atzelberg (Frankfurt am Main) und die 70er Jahre

Nach dem Pharmazie-Studium eröffnete Brita Gudjons 1972 die Apotheke am Atzelberg im Norden von Frankfurt am Main. Mitte der 70er Jahre litt sie an einer nicht diagnostizierbaren Erkrankung. Das war für sie der Anlass, die Methoden der Schulmedizin zu hinterfragen und alle zu dieser Zeit bekannten naturheilkundlichen Heilweisen kennen zu lernen.
„Die Tür zur Homöopathie öffnete mir Dr. Mathias Dorcsi 1976 in einem Seminar in Baden bei Wien – und eine unglaubliche Heilung durch 3 kleine weiße Zuckerkügelchen.“ (Brita Gudjons)
1978/79, nach Abschluss einer Heilpraktiker-Ausbildung fing Brita Gudjons neben ihrer täglichen Apothekenarbeit in einer Heilpraktiker-Praxis mit dem Ausarbeiten von Anamnesen an. Die tägliche Beratung in der Apotheke wurde zu einer Homöopathie-Beratung und damit zu ihrem Rettungsanker.

„Wie hätte ich sonst Apothekerin bleiben können, wenn mir meine allopathischen Mittel und Ärzte nicht helfen konnten?“ (Brita Gudjons)
Durch ihre intensive Beziehung zur Homöopathie und dem Wunsch, dieser Therapiemethode zu dienen, entstanden persönliche Kontakte zu bekannten Lehrern der Homöopathie.

Einer dieser Lehrer war Dr. Klaus-Henning Gypser, der immer Themen in der Homöopathie wußte, die der weiteren Erforschung bedurften, um „die Homöopathie dort auf feste Säulen zu stellen, wo der Untergrund sumpfig war“. (Dr. Klaus-Henning Gypser)

Die Apotheker/innen Ulrike Schober, Andreas Grimm und Brita Gudjons bildeten eine  Arbeitsgruppe, die unter der Anleitung von Dr. Klaus-Henning Gypser unklare Quellen von Ausgangssubstanzen bearbeiteten. So entstanden die Artikel über Bryonia alba, Murex purpurea, Causticum Hahnemanni, Hekla lava und die Spinnenmittel, die in den Zeitschriften Allgemeine Homöopathische Zeitschrift (AHZ) und in der Zeitschrift für Klassische Homöopathie (ZKH) veröffentlicht wurden.

Es ist ja leicht nachvollziehbar, dass der Therapeut die Arznei für seinen Patienten verschreiben möchte, die in der ursprünglichen Arzneimittelprüfung am Gesunden verwendet worden ist.

Ein Gedanke, der den Autoren des Deutschen Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) zunächst fremd war.

Die ersten Arzneien werden hergestellt

Am 10. April 1987 entstand Mezereum als erste Arznei durch eine Lactose-Verreibung C1, C2, C3 und den anschließenden Verarbeitungsschritten, wie im §270 Organon der Heilkunst, VI. Aufl., beschrieben. Zufällig fiel damit der Beginn der Herstellung homöopathischer Arzneien auf Hahnemanns Geburtstag am 10. April. Seitdem  wird Hahnemanns Geburtstag in jedem Jahr mit den Ärzten der Umgebung ausgiebig gefeiert!

“Beim Verreiben von Mezereum fühlte ich mich von einem heißen Wüstenwind angeblasen. Beim Verreiben von Symphytum entstand der Eindruck, in ein wunderbar weiches, kühlendes Gel eingehüllt zu werden.” (Brita Gudjons)

Mit Dr. Klaus-Henning Gypser als Mentor und Diskussionspartner zum Thema „Wie stellt man eine optimale Arznei mit hoher Qualität her?“ entstanden im ersten Jahr etwa 80 Arzneien bis Q 12.

Die erste Beurteilung der Wirkungsweise der Arzneien durch  erfahrene Ärzte fiel sehr gut aus.

1993 Umzug nach Deuringen und Gründung der Gudjons GmbH & Co.KG

1993 wurde die Arzneiherstellung nach Stadtbergen-Deuringen in ein dafür eigens errichtetes Gebäude verlegt. Dieses war unter der Beratung der Aufsichtsbehörde, der Regierung von Schwaben,  unter Berücksichtigung der bestehenden Vorschriften gebaut worden. Die Beamten der bayerischen Aufsichtsbehörde bestätigten die Herstellungserlaubnis aus Hessen.

Durch den Umzug und die Herstellung außerhalb der Apotheke wurde die Firma Gudjons zu einem pharmazeutischen Unternehmen und erhielt eine Herstellungserlaubnis nach §13 AMG.
In Deutschland kann ein Arzneihersteller seine Arzneien nur vertreiben, wenn er nach einem gültigen Arzneibuch, wie z.B. dem Deutschen Homöopathischen Arzneibuch HAB, arbeitet. Das gültige Arzneibuch manifestiert schwerpunktmäßig die Interessen der pharmazeutischen Großhersteller und wurde von Pharmazeuten und nicht von Homöopathen geschrieben.

Es bedeutete  verständlicherweise einen ziemlichen Spagat, unter diesen Bedingungen die Qualität zu halten, weil  Brita Gudjons angetreten war „die arzneiherstellende Hand Hahnemanns zu sein, die die Medizin für den kranken Menschenbruder herstellt“ ( siehe §265, Organon der Heilkunst, VI. Aufl.).

Um nur ein Beispiel zu nennen: Wie kann man ein Küchensalz, das zu Hahnemanns Zeiten wohl am ehesten ein Bergsalz war, durch ein chemisch reinstes (!) Natriumchlorid (NaCl) ersetzen?
Alle bis dahin aufwändigen Unternehmungen, getreu unseren alten Klassikern zu arbeiten, waren damit erheblich erschwert. Ab 1998, im Zuge des BSE-Wahnsinns in Europa, bedurften alle tierisch-organischen Arzneien, zu denen auch die Nosoden zählen, einer Registrierung für den Vertrieb. Bei weitem nicht alle Arzneien tierischer Herkunft konnten dem Sortiment des Labor Gudjons erhalten bleiben. Einzelne dieser Arzneien werden heute auf Anfrage in der Gudjons Apotheke hergestellt.

Modernste Labortechnik in GMP-Umgebung und traditionelle Herstellung in Handarbeit – Die Zeit ab dem Jahre 2000

Im Zuge der Entwicklungen auf dem Arzneimittelmarkt und den strenger werdenden Richtlinien für Arzneimittelhersteller wird seit 2002 intensiv an der Verwirklichung einer GMP-konformen Laborumgebung gearbeitet. Ein wachsender und mittlerweile großer Teil betrieblicher Ressourcen wird in Dokumentation, Arzneimittelsicherheit und Herstellungsumgebung investiert, auch wenn die allgemeinen pharmazeutischen Vorgaben für einen kleinen Hersteller homöopathischer Arzneien bisweilen übertrieben bis absurd erscheinen.

Gleichzeitig musste das Sortiment um einige wertvolle Arzneien bereinigt werden:
Viele Arzneien haben kaum einen nennenswerten Umsatz, bilden aber als Bestandteil eines homöopathischen Vollsortimentes das Rückgrat für diese individuelle Heilweise. Sie aus dem Sortiment zu nehmen, wäre ein großer Verlust für die homöopathische Therapie.

Ein Beispiel: Die zur Erhaltung der Registrierung erforderlichen Nachweise der Haltbarkeit (Stabilitätsprüfungen) der Arznei Vipera berus (Kreuzottergift) kosten 12.800 €, mit den Einlagerungsgebühren 36.000.-€ bei einem Jahresumsatz aller Potenzstufen dieser Arznei um ca. 600.-€
So verwundert es nicht, dass nur noch wenige Produzenten konsequent Einzelmittelherstellung betreiben und die homöopathischen Arzneimittel immer teurer werden(müssen).

Am Ende steht aber doch die eigentliche Arbeit an den “ächten” Arzneien im Vordergrund und das Engagement für immer neue homöopathische Herausforderungen: Wo bekomme ich Alaun aus Solfatara her, wie beschaffe ich das „richtige“ Calcium carbonicum oder Pyrogenium … ?
Diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende …