
Heutzutage darf der Arzt die Arznei nicht mehr selbst bereiten, er muß
darauf vertrauen, daß der Arzneihersteller sich in allen Punkten genau
an Hahnemanns Arbeitsvorschriften hält. Diesem Vertrauen bemühen
wir uns, gerecht zu werden.
Der Wunsch einiger Ärzte im In- und Ausland, über eine gute Arzneiqualität
und korrekte Dokumentation der Ausgangsstoffe verfügen zu können,
wurde zum Anlaß für die Herstellung unserer Arzneien, die 1987 begann.
Durch unsere Arbeit gewährleisten wir, daß die von Ihnen vorwiegend
aufgrund der Ähnlichkeitsbeziehung zu Prüfungssymptomen verordneten
Arzneien den tatsächlichen, in den Erst- oder Hauptprüfungen
verwendeten Ausgangssubstanzen entsprechen. Unsichere Quellenangaben versuchen
wir dabei durch aufwendige Literaturforschung zu klären.
Die Herstellung erfolgt nach dem gültigen HAB in Handfertigung.
![]() Apotheke am Atzelberg Frankf./Main „Wir leben in einer ganz besonderen, jedoch sehr gefährlichen Zeit, in der eine neue globale Kultur allen Widerständen zum Trotz allmählich Gestalt annimmt. Die Integration menschlicher Kultur und menschlichen Wissens ist die Herausforderung unserer Zeit. Es ist unbedingt erforderlich, dass dieser Prozess sich auf der Ebene der Wissenschaften vom Heilen vollzieht. Heilen bedeutet stets, zur Einheit finden. Wenn unser heilkundliches Wissen nicht integriert werden kann, wie können wir als Menschen untereinander zur Einheit finden?“ Diese
Zeilen, dem Vorwort eines Buches über ayurvedische Kräuterheilkunde(1)
entnommen, seien als Einleitung gewählt, da sie ebenso für die
Homöopathie gelten. Als Mitte der 60iger Jahre die Entscheidung zu meinem Pharmaziestudium fiel, konnte ich die Integration menschlicher Kultur und menschlichen Wissens weder denken noch ahnen. Mein Weltbild wurde gerade durch das universitäre und materiell-mechanistische Denken strukturiert. Im Studienablauf gab es ein paar Tage, die der Homöopathie gewidmet waren. Alle Studenten, auch der Professor, waren sich darüber einig, dass es sich dabei um etwas Obskures handele und man pharmazeutisch gesehen lediglich über die Verdünnungsunterschiede zwischen D- und C-Potenzen und die Technik des Vorgehens beim Potenzieren reden könne. ![]() Apotheke am Atzelberg Frankf./Main Die Tür zur Homöopathie öffnete mir Dr. Mathias Dorcsi 1976 in einem Seminar in Baden bei Wien – und eine unglaubliche Heilung durch 3 kleine weiße Zuckerkügelchen. Die Vorträge von Dr. Dorcsi beeindruckten mich derartig, dass ich in eine regelrechte Seminareuphorie verfiel. Dieser Zustand, scheinbar bedingt durch den Eintritt in neue Welten, löste eine Sucht aus, die ich nur durch Teilnahme an allen damals angebotenen Homöopathie-Fortbildungen befriedigen konnte, angefangen von den Repertorisationskursen auf Spiekeroog mit Dr. Künzli, Dr.von Ungern-Sternberg und Dr. Tiedemann, die Bad Brückenauer A-B-C-Kurse und solchen im Krankenhaus für Naturheilweisen in München Harlaching unter Dr. Braun und Dr. Zimmermann bis hin zu den Homöopathie-Tagen auf Schloss Weidenkam von Dr. Stübler. Tagungen bei der Fa. Wala und Weleda eröffneten mir den Blick in die Geisteswissenschaften. Die Bücherberge um mein Bett herum wurden immer höher. 1978/79 fing ich neben meiner täglichen Apothekenarbeit in einer Heilpraktikerpraxis mit dem Ausarbeiten von Anamnesen an, damals noch mit den Repertorisationsbögen, die der eine oder andere von Ihnen sicher noch kennt. Die tägliche Beratung in der Apotheke wurde zu einer Homöopathie-Beratung und damit zu meinem Rettungsanker. Wie hätte ich sonst Apothekerin bleiben können, wenn mir meine allopathischen Mittel und Ärzte nicht einmal selber helfen konnten? In einem mir selbst zunächst unbewussten, langsam fortschreitenden Prozess bildeten sich Wege zu den neuen Themen meines Lebens. Dieser Prozess war begleitet von einer Umwandlung meines Bewusstseins und Weltbildes: aus der Welt der Naturwissenschaft meiner Studienzeit zu einer Welt der Energiestrukturen als Information in materiellen und materiefreien Zuständen und geisteswissenschaftlichen Sphären. Es ging auch darum, eine rational lineare Denkweise zu verlassen. Es ging um ein Bemühen eines nichtlinearen Vorgehens mit intensiver Sicht auf das Ganze anstelle von Betrachtung und Analyse „mikroskopischer Teile“(2). ![]() Apotheke am Atzelberg Frankf./Main Diesen Standort musste ich dann endlich aufgeben, oder besser gesagt, in einen Ort der Demut umwandeln, der nun heißt: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Zu einem zentralen Thema wurde die Frage: „Was ist Materie? Was potenzieren wir eigentlich? Und was geschieht mit der Materie in diesem Prozess?“ Die Berge der Bücher um mein Bett herum wurden noch höher…. Die Antwort auf die Frage: „Was ist Materie?“ suchte ich bei den Schöpfungsmythen der verschiedenen Religionen und in der Physik, bei den Schamanen der Indianer und Hawaianer, bei Rudolf Steiner und Frau Blawatzki, bei Alchemisten und in den Veden… Auf
dem Weg von fester Materie zu Schwingungsmustern, von Naturwissenschaft
zu Geisteswissenschaft fand ich Tore zu vielen verschiedenen Welten in
unserem Kosmos. Mit Staunen und Ergriffenheit lernte ich aus den Büchern von indianischen Schamanen, wie dem vom „Weißen Adler“, den Umgang mit Pflanzen und allen Wesen der Natur. Capra verblüffte mich mit der Aussage, das Entstehen der kleinsten Materieteilchen vorwärts und rückwärts in der Zeit erinnere ihn an den Tanz des Shiva(3). Der “Tanz des Shiva“ wurde zur Weichenstellung in der Hindu-Philosophie und den Veden. Bei Maharshi, dem Meister vom Berg Arunachala in Tiruannamalai erkannte ich das „Ich bin“, das mich zurück zur Mystik des Christentums führte. Yoganada half mir, ein nicht lineares Denken zu akzeptieren. Bei Frau Dr. von Ungern-Sternberg in Bochum lernte ich die Bedeutung der Intention als entscheidende Energie zu erkennen, die den Wert der Gedanken und Taten in unserem Leben bestimmt. Von Dora Schmidt–Nagel, die bekanntlich eine Anhängerin der Hindu-Philosophie war, lernte ich, den Wert einer Arbeit mit der Arznei in einem meditativen Zustand schätzen. Das sind nur einige Beispiele, die sich nicht alle auf die Vorbereitung zur Arzneiherstellung, sondern auch auf meine persönliche Weiterentwicklung auswirkten. Meine Lehrer der Homöopathie ![]() Prof. Junius in der Apotheke beim Atzelberg Dr. Gypser wusste immer Themen in der Homöopathie, die der weiteren Erforschung bedurften, um „die Homöopathie dort auf feste Säulen zu stellen, wo der Untergrund sumpfig war“, wie er zu sagen pflegte. Ulrike Schober, Andreas Grimm und ich bildeten eine kleine Arbeitsgruppe, die unter seiner Anleitung unklare Quellen von Ausgangssubstanzen bearbeiteten. So entstanden die Artikel über Bryonia, Murex, Causticum, Hekla lava und die Spinnen, die in den Zeitschriften AHZ und KH veröffentlicht wurden. Herr Dr. Gypser hatte sich mit der Entstehung der Repertorien und der Herkunft der einzelnen Teile aus Arbeiten verschiedener Ärzte, wie z.B. Hahnemann, Kent und Hering, genauer befasst und wusste daher, dass Prüfungssymptome gleicher Arzneien aus Prüfungen verschiedener Ärzte stammten und die Übereinstimmung der Ausgangsstoffe zur jeweiligen Arznei nicht immer gegeben war. Es ist ja leicht nachzuvollziehen, dass der Therapeut die Arznei für seinen Patienten verwenden möchte, die die Symptome im Repertorium verursacht hat. Ein Gedanke, der den Autoren des HAB zunächst fremd war. Hier ist zu erkennen, warum Hahnemann seinen Patienten die Arznei aus eigener Hand geben, ja diese selbst herstellen wollte (§264, Organon der Heilkunst, VI Aufl.). Die Herstellung Nach
meinem Kenntnisstand der besuchten Fortbildungsveranstaltungen dachte
ich zunächst an die Herstellung von C-Potenzen. Peter Bartel überzeugte
mich, mit den Q-Potenzen anzufangen. Es erschien mir auch logisch, die
Arzneien herzustellen, die Hahnemanns letztem Entwicklungsstand
entsprachen. So entstand am 9. und 10. April 1987 Mezereum als erste Arznei durch eine Lactose-Verreibung C1, C2, C3 und den anschließenden Schritten, wie im §270, Organon der Heilkunst, VI. Aufl., beschrieben. Damals war mir gar nicht aufgefallen, daß der 10. April Hahnemanns Geburtstag war. In den folgenden 10 Jahren wurde Hahnemanns Geburtstag in jedem Jahr mit den Ärzten meiner Umgebung ausgiebig gefeiert. Beim Verreiben von Mezereum fühlte ich mich von einem heißen Wüstenwind angeblasen. Beim Verreiben von Symphytum entstand der Eindruck, in ein wunderweiches, kühlendes Gel eingehüllt zu werden. Mit
Dr. Gypser als Mentor und Diskussionspartner zum Thema „wie stellt man
eine optimale Arznei mit hoher Qualität her“, entstanden im ersten Jahr
etwa 80 Arzneien bis Q 12. Die erste Beurteilung der Wirkungsweise der
Arzneien durch bekannte Ärzte fiel sehr gut aus. Die Ausgangsstoffe ![]() Mitglieder der Bönninghausen-Arbeitsgemeinschaft 6. Mai 1995 Arzneien, die zu
Zeiten von Hering und anderen Prüfern Eingang in die Therapie fanden,
wurden nach alten Synthesevorschriften von Herrn Venzago, einem
Schweizer Chemiker, im Apothekenlabor der Apotheke am Atzelberg in
Frankfurt hergestellt, die ich damals betrieb. 1990 erteilte mir die zuständige Aufsichtsbehörde in Darmstadt auf Antrag eine Herstellungserlaubnis nach Hahnemanns Arbeitsweise, die ich genau beschrieben mit Kopie der Originalliteratur eingereicht hatte. Umzug nach Bayern ![]() Labor Gudjons in Deuringen Durch den Umzug und die Herstellung außerhalb der Apotheke wurde ich zu einem pharmazeutischen Unternehmer und war dadurch den Gesetzen für Arzneihersteller unterworfen. Die zunehmend straffere Gesetzgebung für Pharmazeutische Unternehmer sorgte anhaltend für Arbeit durch Umstellung in der Laborausrüstung. Die Anpassung an die GMP-Richtlinien verlangte Luftfilter-Einheiten an den Arbeitsplätzen, Klimaanlagen, Einteilung nach Hygienezonen, weitergehende Dokumentationen der Arbeitsabläufe, regelmäßige Schulung der Mitarbeiter und eine unübersehbare Menge von SOPs (Special Operating Procedure = genaue Beschreibung aller Tätigkeiten im Hause einschließlich Putzbeschreibungen und Protokolle für tägliches Abzeichnen). Alle geforderten Punkte umzusetzen war nur durch einen externen Berater möglich. Langfristig stellte ich einen versierten Kontroll- und Herstellungsleiter ein. ![]() Eingang zum Labor Gudjons Registrierungen und Ablage von Dokumentationsblätter der täglich hergestellten Arzneien, auch wenn es nur eine einzige war (mit je 3 Unterschriften) füllen nun meterlang die Regale in Büro und Keller. Das dämpft den Enthusiasmus und die Arbeitsfreude erheblich, treibt die Kosten in die Höhe und verwandelt einen Arzneihersteller in einen Papierfabrikanten ... Auf Betreiben eines Mitbewerbers wurde die Gültigkeit meiner Herstellungserlaubnis angefochten, die ich anschließend nach einem 3-jährigen Prozess mit dem Bundesgesundheitsamt verlor. Jetzt habe ich eine Herstellungserlaubnis nach §13 AMG. In Deutschland kann ein Arzneihersteller seine Arzneien nur vertreiben, wenn er nach dem gültigen Arzneibuch, in meinem Fall dem HAB, arbeitet. ![]() Papierkriegerin im Labor Diese Tatsache führte zu erheblichen Beulen in meinem Emotionalkörper mit Folgen auf den physischen Anteil meiner Wenigkeit. Ab 1998, im Zuge des BSE-Wahnsinns in Europa, bedurften alle tierisch-organischen Arzneien, zu denen auch die Nosoden zählen, einer Registrierung für den Vertrieb. Eine Registrierung bei unserer staatlichen Gesundheitsbehörde zu erlangen, ist ein weiteres großes und kostenaufwändiges Kapitel, das ich hier nur andeuten möchte. Verreibungen Menschen wie Frau Dr. von Ungern-Sternberg, Raimund Kastner und Dr. Stübler, denen ich den Verdacht gestanden hatte, trösteten mich mit der Antwort: „Es ist alles in Ordnung, es handelt sich um die Realität einer anderen Ebene.“ Trotzdem habe ich ein paar Jahre lang nicht öffentlich über diese Angelegenheit gesprochen. Bei den
täglichen Verreibungen entstand eine Art von Begrüßungsritual und Bitte
um Mitarbeit des Arzneiwesens bei der Herstellung einer Arznei für die
Menschen. Mein Gruß war ein Strahl von Liebesenergie aus meinem Herzen,
den ich in dem meditativen Zustand bei der Arbeit genauso sehen konnte,
wie die Reaktion der Arzneiwesen und ihre Gaben, die sie auf meinen
Wunsch in die Reibeschale legten. Alle Wesen reagierten mit Freude und
Dankbarkeit. Gerade der Ausdruck ihrer Dankbarkeit hat mich oft bis zu
Tränen gerührt. Das Ergebnis
dieser Begegnungen sind acht gefüllte Aktenordner mit Notizen und
Verreibeberichten sowie den Protokollen der Verreibe-Seminare für
Therapeuten, die eben das selber einmal erleben wollten. Bis heute weiß ich nicht genau, woher die Bilder, die wahrgenommen werden, stammen. ![]() Labor Gudjons – Ostansicht Fussnoten: |